Archiv für September 2011

weiße Fummel gucken – Teil 3

September 18, 2011

Donnerstag nach dem weiße Fummelgucksamstag zwei treffen die Friesin und ich uns auf ein Stück Käse nach der Arbeit. Fast nebenbei bekomme ich eine Karte überreicht, auf der ein Sandmannchen zwischen Frachtern auf einem Boot steht, hinter ihm eine kleine Lotsenflahne.

Auf der Rückseite ist zu lesen: Ich könnte mir keinen besseren Lotsen vorstellen… _________________ hier schon mal unterschreiben üben und zum 3.8. einen gültigen Ausweis mitbringen.

Ich bin Trauzeugin.

Und ansonsten hat die Friesin das Kleid quasi allein gefunden. Auf dem Weg zur Arbeit ist sie bei der Trachtendiele vorbei gefahren und hat sich da nochmals in drei Kleider geworfen und da war es dabei. Sie weiß das noch nicht, aber ich habe das Foto gesehen: Sie sieht aus, wie sie selbst mit Licht an sozusagen – strahlend.

Es ist das erste Kleid, dass sie überhaupt angezogen hat, in Brautmodenladen eins mit der zickigen Verkäuferin. Leider war es da etwas zu klein, aber so schön, dass wir es auf dem Bügel hängend fotografiert haben und die Firma samt Artikelnummer raus geschrieben haben.

Ein weiterer Samstag steht in Sachen Brautmode steht uns bevor. Die Friesinnenschwester ist auch dabei. Vor der Tür der Trachtendiele spielt eine Blaskapelle – es ist Tag der offenen Tür – eine Frau in rosa-braunem Dirndl mit 80er-Jahre-Föhnfrisur nimmt sich unser an. Die Friesin hopst nur flink rein und als sie raus kommt ist das Thema durch. Kleid gekauft!

 

Eine Entscheidung weniger, noch siebenhundertdreiundfünfzig Entscheidungen to go.

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weiße Fummel gucken – Teil 2

September 17, 2011

Unser zweiter Zwischenstopp in der Brautkleiderstehung ist JWD, nördlich von Hamburg gen Küste. Schön, dass die Sonne scheint und alle gen Küste fahren. Das Navi prophezeit etwas über eine Stunde Fahrtzeit, wir brauchen doppelt so lange.

Aber dann sind wir da, die Friesinnenschwester wartet schon auf uns. Vor dem Brautmodenladen und ich betone DEM Brautmodenladen, so sehr Brautmodenladen, dass der NDR eine eigene Sendung über Familie Laue gemacht hat. Familie Laue, die seit gefühlt Jahrhunderten Bräute in weiße Fummel bringt. Die obere Etage ist ganz für weiß reserviert und man droht fast schneeblind zu werden.

Wir bekommen eine eigene Verkäuferin zur Verfügung gestellt, die Überraschung eins des Tages: Es gibt nette Brautmodenverkäuferinnen… Überraschung zwei folgt wenige Minuten später, nämlich als die Friesin in weiß aus der Kabine kommt und ihre Schwester vor lauter Rührung ein zwei Tänchen verdrückt.

Die Friesin probiert sich tapfer durch die gesamte Stange in Konfektionsgröße 38. Gefühlte dreihundert Kleider. Am schönsten ist eins, nur aus Spitze. Nur der Preis lässt die Friesin fast vom Größermachhocker stürzen… Irgendwas ist ja immer. Wir lassen es zurück hängen, eine Woche geht das, auf den Schreck ein Stück Kuchen.

sorry

September 16, 2011

Ich habe keine Lust auf sorry, ich habe Urlaub. Sorry als Entschuldigung – wobei meines Erachtens ernsthafte Entschuldigungen auch nicht mit sorry, sondern wahlweise mit entschuldige oder –ung beginnen – gefolgt von aber macht mich richtig zickig. Aber ist Zurückrudern: Entschuldige, aber nur halb, denn ich bin Opfer der Umstände, meiner Laune oder was auch immer. Dann lass doch einfach.

Sorry, ich weiß dass ist jetzt etwas kurzfristig, aber ich schaffe es leider heute nicht, denn ich muss noch was für die Uni tun und da ich die nächsten zwei Tage auf die Wiesn will, muss ich das heute erledigen.
Klar kein Problem ich bin ja schließlich ein- bis zweimal Jahr für mindestens vier Tage in München und Wiesn ist ja nur siebzehn Tage, mal abgesehen davon, dass du mich einfach fragen könntest, ob ich mit auf die Wiesn komm oder dich mit mir da treffen, auf einen Kaffee – ja Kaffee gibt’s da auch. Da müssen Prioritäten gesetzt werden. Kein Problem, ich mag ja eh keinen Kaffee.

Auch kein Problem, dass das Indianerkind mich gestern schon versetzt hat. „Sorry, ich muss arbeiten.“ Wenigstens ohne aber, dafür aber zu spät, absagen sollte man – denke ich – bevor das eigentliche Treffen angefangen hat. Aber das ist wohl kleinkariert.

Ansonsten Sonnenschein, Yvönnsche ist krank – wie immer wenn ich da bin oder sie Urlaub hat; Tiefenentspannung (alias Langeweile) vorm Fernseher, Dirndl im Koffer, keine Verabredungen und auch sonst keine Pläne, keine Wiesngutscheine, euphorische Zickenlaune!

heim(ge)kommen

September 8, 2011

Ich stecke den Schlüssel in Schloss, eine kleine Wolke Frischeduft fliegt vorbei, als käme der Herr General Bergfrühling sogleich aus meiner Haustür heraus und mir auf den Laubengang entgegen gestürmt. In der Küche neben einer glänzenden Herdplatte, ein Körbchen Erdbeeren, wohl die letzten dieses Jahr, daneben ein Glas Erdbeermarmelade und ein Stück Tricolour-Erdbeerseife, wer hat der hat. In einem Plastik-Gefrierbeutel zwei Madeleines, der Beutel zugeschnürt mit einem grünen Abreißdrahtband. Im Kühlschrank in einem großen Kirschweckglas Soljanka und drüber im Tiefkühler, die ersten Pilze, gesammelt, geputzt, angebraten und eingetuppert. Auf dem Balkon neue Blumen, Steingewächse, die liegen mir am ehesten.

 

Fazit: Die Mutter ist vom Urlaub bei den Senioren im wilden Osten zurück.

weiße Fummel gucken – Teil 1

September 7, 2011

Nachdem von der Friesin festgestellt wurde, dass die Unendlichkeit, vor der sie sich so fürchtet, maximal eine Unendlichkeit in der Endlichkeit mit Option auf Verkürzung also definitiv nur Endlichkeit ist, ist sie pro Ja-Sag-Sache.

Nur das Vokabular hakt noch.

Per SMS werde ich also zum „weiße Fummel gucken“ geladen  und wir stürzen uns in Berge weißer Tüll, Spitze und Pailletten. Eigentlich stand von Anfang an fest ein helles Kleid wird es nicht, aber Heirat war ja auch ausgeschlossen. So ist das mit vorgefassten Meinungen.

Vorgefasst war auch die Meinung, dass wenn hell, dann mit Spitze, denn das Motto heißt 40er. In Brautmodenladen eins mit einer Verkäuferin, die ihre Sonne im Herzen schon bei den Bräuten der Sommersaison verbraucht hat, stellen wir fest Spitze ist schön, die Friesin in Spitze aber nicht glücklich. Brautmodenladen zwei hat zu und so fahren wir am frühen Nachmittag todesmutig gen Innenstadt, was nur wegen meines Parkplatzsonnenköniginnendaseins eine gute Idee ist. Im Brautmodenladen drei herrschen zwei Damen mit russischem Akzent, die Friesin sieht aus wie Scarlett O’hara, aber sie ist eben nicht Scarlett O’hara, die russischen Urgesteine der Brautmodenvermittlung sehen das anders.

Später – bei einer Kaufhauskette – finden wir das Kleid, das am besten sitzt, aber in Sachen Stoff und Farbe (jaja, die vielen Töne des Weiß‘) nicht überzeugen kann, Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, wir gehen auf einen koffeinhaltiges Heißgetränk und beschließen , dass es für den ersten Eindruck in Sachen Brautmoden reicht und setzten einen weiteren Termin fürs Brautmodengucken fest.