Archiv für September 2010

der Gut-Genug-Mann vorm Orchestergraben

September 30, 2010

Meine Schwester sagte immer, ich liebe im Synphoniesystem…“, sagt die Friesin. „So lange ein Mann weit genug weg ist, so lange kein Rankommen möglich ist, ein Orchestergraben dazwischen ist, liebe ich zum Wahnsinnigwerden und zurück.“

Jetzt ist die Friesin ist glücklich mit dem Gut-Genug-Mann, ihr Gut-Genug-Mann ist weder ihr Typ noch hat er tausend Dinge, die sich die Friesin gewünscht hat, aber er ist beharrlich, fordernd, liebevoll, treu, verlässlich – er ist alles was die Friesin braucht. Als sie zusammen zogen sagte sie, sie wisse nicht, ob sie mit ihm leben könne. Sie war sich fast sicher, dass sie ihn nach zwei Monaten wieder rausschmeiße. Er antwortete: „Das ist egal, ich bin dir nur bös, wenn du es nicht probierst.“ Sie probierte es und zwei Monate sind um. Sie renovieren.

Enttäuschung hat mit Erwartung zu tun.

Lustig: Auf dem Weg hierher (zurück in Hamburg Sushiessen bei Mr. Cheng) habe ich in einer Zeitschrift gelesen, dass der Gut-Genug-Mann uns glücklich macht nicht der Prinz mit dem Pferd. Ich mag eh keine Pferde, ich mag Elefanten.

Und ich so?

Ich habe gelernt, wenn du nicht willst, dass sich jemand auf eine bestimmte Weise entscheidet, dann solltest beim Vordiewahlstellen Optionen stellen, mit deren zur Auswahl du leben magst. Ich habe gelernt, dass Selbstliebe hilft, aber keiner sie verschenken kann. Ich habe gelernt, dass es hilft seine Erwartungen zu kennen um seine Enttäuschung zu verstehen. Und ich habe gelernt, dass zuviel Drama das Leben nicht ertragbarer und auch nur begrenzt aufregender macht.

Und nun komm ich erstmal runter.

Alles ist gut. Die Decke ist vielleicht näher als sie sein sollte, Fragezeichen meine besten Freunde mit immergleichen Fragen, die Welt dreht sich manchmal einfach zu schnell, die Selbstliebe und ich – ein ewiges Dilemma, aber ich komm jetzt runter. Ich werde wieder lässiger, werde wieder Ich oder das Ich, das ich sein mag. Ich freue mich.

Ich mit Sternchen vielleicht.

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offener Brief und Lobhudellei – ein Dessertwandertag

September 27, 2010

Sehr geehrte Herren,

vielen Dank, dass sie das mitgemacht haben.

Aber von vorne: Zum Glück bin ich ein bisschen verrückt (narrisch heißt das in Bayern – glaub ich) und noch mehr zum Glück ist Yvönnsche auch ein bisschen verrückt und noch viel mehr zum Glück sind wir beide weiblich und haben beide eine Vorliebe für gute Lebensmittel. Mit guten Lebensmitteln ist kein Pirouetten drehender Joghurt gemeint, sondern gutes Essen im Sinne von wunderbar feinem tollen Essen.

Wenn man im Urlaub wunderbar feines Essen zu sich nehmen möchte und das von verschiedensten Lebensmittelkreateuren muss man sich was einfallen lassen. Entscheidungsfreude gehört nicht zu meinen herausragenden Eigenschaften und so entscheide ich – verantwortlich für die Urlaubsplanung – dass wir einen Nachtischtag machen. In verschiedenen Restaurants versteht sich.

Unser Dessertwandertag vereint einiges was der Reiseführer anpries. Wir starten spätfrühstücklich im Dallmayr, vorbei an dem Brunnen mit lebend Meeresgetier, umgeben von Kaffeeduft und dem Gemurmel fasziniert unentschlossener Touristen an der Theke mit der Hasselnusssalami landen wir im oberen Stockwerk mit Schokoladencharlotte und Birnenkäsekuchen. Wunderbar lecker und erfüllen damit Klischeepunkt Nummer eins der Touri-To-Do-Liste.

Nachmittags tummeln wir uns gerade am Gärtnerplatz und besichtigen schmucke Läden wie Museen, mein Modehirn spinnt irrwitzig und läuft fast heißt, dem schaffen wir Abhilfe und kaufen je zwei Kugeln Eis auf die Hand, in einer Eisdiele mit langer Schlage voller Einheimischer, die nicht auf der Liste stand. Das Eis ist gut. Besonders Feige, was vielleicht als weihnachtliche Dessertidee her halten muss.

Das Abenddessert übernimmt das weiße Brauhaus, hier gibt es Apfelküchle, die ohne Vanilleeis aus der Packung noch besser wären, und von der Saisonkarte ein Holunderbeeren-Knusperparfait mit Kürbiskompott, das ungewohnt, aber toll bissfest ist.

Das Tageshoch hatten wir aber schon mittags bei den Herren Landersdorfer und Innerhofer. Also:

Sehr geehrte Herren,

vielen Dank, dass Sie das mitgemacht haben. Letzten Freitag waren wir bei Ihnen zum Essen beziehungsweise auf einen Nachtisch zu Besuch.

Ich hatte im Vorfeld angerufen und mir von ihrem charmanten bayrischen Personal versichern lassen, dass Sie nicht die geringsten Einwände gegen ausschließlich nachtischessende Frauen hätten (in anderen Lokalen waren wir mit unseren Wünschen nicht ganz so gern gesehen und drum musste der „Blaue Bock“ unsere Gesellschaft missen – das als garstiger Wink nebsther).

Wir hatten grandioses Wetter, so dass wir sogar draußen sitzen konnten. Ein charmanter Mann referierte über die Karte und als ich nach Desserts fragte, stellte sich heraus, dass der junge Bayer, der charmante junge Bayer vom Telefon war.

Im Sinne von „Ich hab da mal was vorbereitet“ hatten wir drei Dessert zu Auswahl und entschieden und für Mohnschupfnudeln mit Cassisfeige sowie Vanilleeis und obwohl ich kein Freund von Vanilleeis bin hätte ich mich in den Teller setzen können, wären Teller nicht so verflucht instabil. Noch leckerer – falls das möglich ist – war das Karamellparfait in Begleitung eines kleinen Schokoladenetwas’ und Sauerrahmeis. Ein Stück des (wie wir inzwischen wissen) zu recht gelobten Kartoffelbrotes gab es auch dazu.

Vielen Dank Herr für den Tanz der Geschmacknerven, beim nächsten Münchenbesuch kommen wir wieder.

Wiesn – skurrile, lustige Welt

September 26, 2010

Yvönnsche ist geschafft, ich hoffe weniger von mir als mehr von ihrer Erkältung. Nachdem wir es tatsächlich noch geschafft haben bayrisch essen zu gehen, gibt sie mich am Zelt ab zu dem sie eine Einladung für uns über einen Freund hat. Cliquing nennt man das vielleicht. Ich bin fasziniert, Yvönnsche auf dem Heimweg, es wird gebusserlt und geherzt, ich kenne keinen und sitze auf der Empore an einem Politikertisch, der hauptsächlich von Grünen belegt wird. Ich finde das hat durchaus einen humoristischen Ansatz.

Pärchen auf Veranstaltungen wie diesen sind oft illuster. An unserem Tisch sitzen zwei. Neben mir sitzt ein halbes Pärchen in Form einer jungen Frau, mit mehr oder minder faszinierendem Lebenslauf, durch meinen Abendgesellschafter (Yvönnsches Freund) erfahre ich „zukünftige Führungsriege der jungen Grünenpolitik Münchens“. Ihr Freund sitzt direkt neben ihr und ist nicht minder wichtig, dafür aber um so betrunkener, aber auch betrunken kann er große Politik machen, so wird verabredet, diskutiert, seine Freundin wirkt extrem genervt, stößt ihn schwungvoll in die Rippen, er kauft eine Rose, was nichts ändert. Neben ihr sitzt eine lange Blonde im rosa Dirndl mit hellblauer Schürze, ich ernte einen bösen Blick. Ihr Lebenslauf ist einschüchternd, sie hat alles gemacht, inzwischen macht sie ihren Doktortitel oder so, weil sie einfach mal etwas Abstand brauchte. Das erfahre ich nicht von ihr, sie ist beschäftigt regelmäßig über den Tisch zu greifen und Schnuckelpuckels Hand einzufordern zum gemeinsamen Anstimmen eines jeden Schmuseschlagers. Es laufen viele Schlager. Sie guckt zwischendrin in meinen Ausschnitt, aber auch dabei gewinnt ihr Blick wenig Freundlichkeit. „Sie ist sehr eifersüchtig…“, wird mir ins Ohr geflüstert, ich lächle wissend und überlege, ob Schnuckelpuckel und ich schon ein Wort gewechselt haben. Haben wir nicht. Schnuckelpuckel sieht aus als hieße er Jan-Sören und ernähre sich von Tofuschnitzel während er ein Referendariat irgendwo mache. Macht er nicht, auch Schnuckelpuckel macht irgendwas Politisches und hat die Referendariatszeit längst hinter sich gebracht. Die kühle Blonde kontrolliert seinen Bierkonsum und taut auf, sobald ein netter, meist fescher Politikfreund des Weges kommt oder ein Schmuseschlager.

Unsere wuchtige Tischdame beendet das politische Treiben und nach einem Wiesnbummel und zwei Fahrgeschäften bleiben nur zwei: Mein Abendgesellschafter und eine Neunzehnjährige mit einer Lache, die so ansteckend ist, dass man sich kaum halten kann. Als die Lichter der Fahrgeschäfte ausgehen, wollen wir ins Substanz und landen im Fetz oder so. Im Fetz oder so wird spielt man Rock und Punk und würfelt um Getränkepreise. An der Bar steht eine Frau, die aussieht wie eine Trixi, sie ist ein Rockabilly im rot-weiß geringelten Top mit schwarzer Haartolle und massig Tätowierungen. Ich würfle um Massen schlechter als Trixi und zahle selbst. Neben mit sitzen zwei Punks, mir gegenüber mein Abendgesellschafter in Lederhosen – skurrile, lustige Welt.

statt „eigentlich gut“, Wahrheit für Zufallsbekanntschaften

September 24, 2010

Mein Münchenurlaub ist gelinde gesagt voll von Sachen, die ich unbedingt machen will. Unbedingt machen will ich: Einen Schmalzkuchen in der besten Schmalznudelbäckerei (obwohl es sicher Frittiererei heißen müsste) essen, die Asamkirche besichtigen, auf den alten Peter klettern, illustre Postkarten schreiben, auf dem Viktualienmarkt einen Spaghettikürbis essen und Herr Dr. Silbernäher treffen.

Wir – Herr Dr. Silbernäher und ich – sind eigentlich per du (aber der Nachname ist einfach zu adrett) und haben uns bei meinem letzten Flug beim Ausdemfensterschauen kennen gelernt, er hielt mich für eine Geschichtsstudentin, ich war ungemein geschmeichelt, wir tauschten Visitenkarten (eigentlich besitze ich keine Visitenkarten, daher gab’s Blogadresse auf Miniservierte) und verbleiben ansonsten  mit der Floskel, dass wir uns melden sollten wir uns im Wohnort des jeweilig anderen befinden.

Soziales Netzwerking liegt mir fast so wenig wie mich bei Zufallsbekanntschaften melden, aber ich arbeite dran.

Ich arbeite dran und mache Floskeln zu reellen Gegebenheiten. Ich bin verabredet, nachdem ich einen Schmalzkuchen gegessen und die Glitzerwelt der Asamkirche (eigentlich St.-Johann-Nepomuk-Kirche, aber die Münchner scheinen einen Hang zu Spitznamen zu haben) bewundert habe, mich in High Heels auf den alten Peter gequält und den Ausblick bewundert habe, mich samt Touristenmassen durch das Dallmayr habe strömen lassen, meine Hände im Fischbrunnen gekühlt habe und auf dem Viktualienmarkt einen Spaghettikürbis und Knoblauch fürs Abendessen gekauft habe.

Er hat einen dieser Vornamen, die man auf tausend Arten schreiben kann, seiner wird auf die unüblichste geschrieben.

Ich habe keine Lust auf die immergleiche Frage nach meinem Gemütszustand „Ach, eigentlich gut…“ zu antworten. Eigentlich gut ist irgendwie immer eine Lüge. Es geht um die Erwartungen ans Leben, an sich selbst, um Maxime, den täglichen Kampf gegen Abstumpfung und die Anstrengung, das was man tut nicht als Lappalie zu betrachten. Ich rede wie ein Wasserfall, wir sehen uns zwei Stunden ich spreche für zweieinhalb, eine Stunde spare ich indem ich meine Sätze nicht beende und gebe ihm so knappe dreißig Minuten zum Antworten.

Ich frage nur einmal: „Kannst du das nachvollziehen.“

Mut haben neu anzufangen oder Mut haben einfach weiter zu leben, immer die Zeit im Nacken, als wenn man ständig vor der Sanduhr seines eigenen Lebens stehen, gehetzt von den eigenen Erwartungen. Ich weiß nicht, ob es ihm wirklich so geht oder ob es nur so scheint, aber auch wenn ich ihm wünschen würde, dass es nicht so wäre, war es schön, einen Gesellschafter der Fragezeichen zu haben…

ein Nordlicht im Dirndl

September 23, 2010



Mittwoch und München verschenkt Kaiserwetter. „Wenn Engel reisen.“, möchte ich bloggen oder via sozialem Netzwerk verkünden, aber ich habe keine Zeit.

Mein mittwöchlicher Vormittag beziehungsweise Yvönnsche führt mich in ein Fachgeschäft für Trachtenbekleidung und mir ist gelinde gesagt extrem übel, aber ich bin entschlossen: München wie eine Mottoparty zu empfinden, Holz vor den Hütten als Zusatzgrund und fürs Gewissen kommen Dirndl a) nie aus der Mode und sind b) bei meinen Massen an Münchenbesuchen definitiv eine gute Anschaffung.

Dirndlkauf schließt Dirndlanprobe mit ein.

Und Dirndlanprobe ist eine ungemein anstrengende Sache. Zuallererst zieht man sich quasi splitternackend aus, um sich dann in eine Ansammlung von Rüschen und Spitze und Puffärmelchen zu basteln und sich nebenfrei zu fragen, wie eine Bluse, die gerade so bis unter die Brust geht mehr als eine halbe normale Bluse kosten kann. Noch bevor ich der Antwort nachgehen kann, kommt Renate mit einer Monsterauswahl an Dirndl überm Arm. Pastell ist gerade ungemein modern. Weiße Bluse und Pastell ist eine Kombination, die mich schaudern lässt. „Dirndlmoden sei anders…“, Renate wischt meine Zweifel weg. Ich probiere mich in zartlila mit hellgrüner Schürze. Obwohl ich probiere maßlos übertrieben ist, ich werde probiert, denn ich selbst kann bei dem Dirndl maximal zwei Knöpfe selbst schließen, die weiteren acht kann ich noch nicht mal sehen (unterhalb des Holzes und so), „Zuhalten…“, dirigiert Renate und ich ziehe den Baumwollstoff über meine Bauchdecke während ich versuche möglichst flach zu atmen. Ich bin drin und flach atmen scheint ein Dirndlbegleiter zu sein. „Das gehört so.“, versichern mir Yvönnsche und Renate mit viel mehr Worten. Ich bin mir sicher, wenn was runter fällt werde ich es nicht aufheben, egal wo, egal was, aufheben ist alle, aufheben lassen ist die einzige Möglichkeit etwas zurück zu bekommen was unter von einem Meter Höhe ist, freundlich sein und lächeln heißt dann wohl die Devise, daher also der Flirtfaktor der Wiesn: Lächelnde, bedirndlte Frauen und charmant, Sachen aufhebende Männer.

Ich hätte gerne etwas Dunkelblaues mit roter Schürze, oder andersrum. Dunkelblau ist aus. Es ist halt Wiesnzeit und da dämmt sich wohl selbst in der Trachtenhochburg München die Masse an Dirndl etwas ein. Zwei weitere Dirndl sowie ungemeine Anziehhürden später findet Yvönnsche was Schwarzes mit Streuröschen in zartrosa und grün, grün wie die Spitze am Ausschnitt, für den ich wahrscheinlich vorm Tragen einen Waffenschein machen muss, dazu die passende Schürze.

Yvönnsche und Renate kommen ins schnacken, das hier wohl plaudern heißt. Ich stelle mich der Herausforderung und nessle bis ich mich selbst eingeknöpft hab. Selbst anziehen hat seit langer Zeit schon nicht mehr so stolz gemacht, auch eine Münchenerfahrung. Ich bin drin, in meinem Dirndl; Renate, die Perle von Dirndlverkäuferin erweitert mein Outfit noch um die passende Kette und schickt mich dann vor den Spiegel.

Zehn Minuten später bin ich hundertfünfzig Euro ärmer und eine übertrieben kurze Dirndlbluse, einen Streublümchenrosensammlung auf dunklem Stoff samt Waffenscheinausschnitt, eine grüne Schürze, eine passende Kette und das Gefühl, die beste Nichtverkleidungsverkleidung gefunden zu haben, reicher.

die Liebe zum Fliegen

September 22, 2010

Ich liebe Fliegen…

Ich liebe Fliegen so sehr, dass ich sogar Interesse heuchelnder Weise den Flugbegleiterinnen bei ihrem Was-tun-in-der-Not-Programm zusehe wie sie mit fest getackertem Lächeln galant Atemmasken über Mund und Nase ziehen. Das hat weniger mit Liebe zu tun, mehr mit Respekt…

Zurück zur Liebe, wenn es dann los geht, die Geschwindigkeit einen in den Sitz drückt und der blecherne Vogel sich irrwitzigerweise in die Lüfte hebt, der Schwerkraft zum Trotz. Die Lichter der Stadt, die immer kleiner werden, bis man dann bestenfalls durch eine Puderzuckerwolkendecke stößt über der nichts ist außer Himmel…

Das allerbeste am Fliegen ist ankommen, richtiges Ankommen. Es sollte einen Service geben, der einem nach einem Flug das Gefühl gibt, angekommen zu sein im Sinne von ankommen. Landen und mit dem Koffer durch die letzte Glastür gehen, einen Menschen treffen, der fragt, wie der Tag war oder was man in den nächsten Tagen machen möchte, ob man Hunger hat oder Durst oder Kummer oder grenzenlose Freude…

Ich habe Freude und Yvönnsche, die mich willkommen heißt, mir ein Ankommenslächeln schenkt und sagt: „Schön, dass du da bist.“

Schleichwerbung

September 22, 2010

Als ich die Arbeit verließ und ich verließ sie schnell, denn ich war quasi schon auf Reisen. Als ich also die Arbeit verließ, sah ich auf dem Weg vor einer Bäckerei eine Frau. Sie trug ein sehr helles Jackett im Stil von Cocco beziehungsweise Lagerfeld mit ausgefransten Enden und trotzdem spießig, auf dem Jackett Hahnentrittmuster in diesem seltsamen Blauton. Dazu der passende Schal gleicher Stoff, gleiche Fransen, gleicher Hahnentritt. Sie ist blond und sieht aus wie eine Schleichwerbung für Bayern und sie kauft Franzbrötchen.

Lebensentwurf zweihundertachtundsiebzig: Sich einen Sprinter mit Ladenfenster kaufen und der Menschheit Franzbrötchen liefern, montags Hannover bis freitags München. Rastlos mit Zimtgeruch im Rücken.

Meine Reise geht los. Mein Koffer wiegt immens viel zuzüglich Franzbrötchen. Zehn Franzbrötchen; Kleidungsmassen, die einem Auswandertrip erahnen lassen, Schuhe und der gute Wille sich ein Dirndl zuzulegen.