Archiv für Oktober 2009

Musik liegt in der Luft

Oktober 30, 2009

30. Oktober…

Manchmal ist es doch so, dass man das Gefühl hat das Unglück der Welt läge allein auf den eigenen Schultern. Man weint und der Himmel tut es einem gleich.

Als mir bewusst wurde, dass heute der 30.Oktober ist, stand ich in der Küche vor einer Möhren-Ingwer-Kokossuppe und es traf mich wie eine saftige Ohrfeige. Den Kochlöffel langsam durch die orange Blubbermasse schiebend, gucke ich gen Himmel: Oktobersonnenschein.

Oktobersonnenschein und nicht das Gefühl, dass die Weltlast bei mir liegt. Oktobersonnenschein und das Gefühl, dass heute stimmungstechnisch alles möglich ist. Und um die Stimmung im oberen Bereich der Gefühlsskala zu halten, beschließe ich einen kleinen Stadtbummel zu wagen und ein bisschen nach Weihnachtsdekoideen (und ja, ich liebe Weihnachten) zu stöbern. Und vorm Dekorationsgeschäft dann ein echtes, hölzernes Klavier auf zwei Skateboards und daran eine dunkelhäutige Frau. Sie spielt – umringt von Menschen, die durch die Starßen hetzen – ein Lied das ich nicht kenne und mich doch fast zu Tränen rührt.

Seltsam, das Straßenmusik nie wirklich glücklich klingt…

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der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 21

Oktober 30, 2009

Heute wären wir offiziell ein Jahr zusammen gewesen…

Als ich beschlossen habe um ihn zu kämpfen, hatte ich beschlossen bis heute um ihn zu kämpfen.

30. Oktober. Er hat seinen Standpunkt viel eher klar gemacht und so war der Tag des großen Abschieds nicht wie erwartet Freitag der 30.Oktober, sondern irgendein Dienstag vor dreieinhalb Wochen Anfang Oktober. Dreieinhalb Wochen ohne Windmühlenkämpfe und ohne Don-Quijote-Dasein. Dreieinhalb Wochen verabschieden, verarbeiten und vergessen.

Und doch bleibt der letzte Mutti-Tipp: ein Brief.

Ein Brief um sich zu verabschieden, um zu verarbeiten und zu vergessen.

Kino-Heulsuse

Oktober 28, 2009

Nach dem Spätdienst kommt die Wiederholung von „5o erste Dates„…

Eine Komödie, also bin ich auf der sicheren Seite. Nach 53 Minuten die Feststellung: Komödie als Wort wird ja auch inflationär gebraucht und so wimmer ich von besagter Filmminute 53 an mit Drew Barrymore und Adam Sandler. Fürchterlich (schön), sie mit dem Gedächtnisverlust, die Tagebuch schreibt um sich an ihn erinnern zu können und dann beschließt, damit er nicht leiden muss, sich zu trennen und natürlich leidet er. Als er dann die Kassette bekommt von ihrem Vater und ihm während der Beachboys (auf hoher See) einfällt, dass sie sich ja doch erinnern kann – irgendwie zumindest. Und er dann zu ihr fährt in das Sanatorium und sie nicht weiß, wer er ist aber doch jede Nacht von ihm träumt… Komödie, so sagt zumindest Wikipedia ist ein Drama mit erheiterndem Handlungsablauf, das in der Regel glücklich endet. Und zumindest das glückliche Ende war dabei, aber der erheiternde Handlungsablauf war eher ein Schmunzeln unter Tränen.

 

Das war schon immer so, ich bin zu mitfühlend (auch bei erfundenen Szenarien). Meine Oma war genau aus diesem Grund nur ein einziges Mal im Kino. „Arielle“ hieß der altbekannte Kinoklassiker und war mit 83 Minuten und uneingeschränkter Altersfreigabe scheinbar die perfekte Auswahl für die Einführung der Sechsjährigen in die kunterbunte Kinowelt. Wohlbemerkt scheinbar, denn ich bin mir sicher schon nach wenigen Minuten bereute meine Oma den Entschluss. Vom Festkrallen im Sessel, Popcorn vor Schreck in die Menge werfen, über grelles Aufschreien ala „nein-Arielle-tus-nicht“ bis hin zum simplen Weinen war jede gefühlstechnisch mögliche Reaktion auch dabei. Die Nachwirkungen dieser Erstkinoerfahrung hielt eine Woche an, in der ich – von Alpträumen geplagt – meiner Mutter schlaflose Nächte bescherte.

Meine Oma geht wohl nie wieder mit mir ins Kino.

 

Bis heute hat sich mein mitfühlendes Kinodasein kaum geändert und so dünnt die Menge der Kinomitgänger auch im Bekanntenkreis aus, denn es hat sich rumgesprochen, dass ich nicht übertreibe (ausnahmsweise mal nicht), sondern wirklich den ganzen Kinosaal mitreiße in den Strudel der Emotionen…

Fräuleinwunder meets Wirtschaftswunder

Oktober 27, 2009

Da jammert ja immer alles über die doch so miese Wirtschaftslage und keiner tut was dagegen.

Ich hab das heute mal in die Hand genommen: Ein Blick auf den Dienstplan für November offenbarte sechs freie Tage (wohlbemerkt inclusive Wochenende) und dementsprechend bringt mein „Ich-rette-die-Wirtschaft-Vorhaben“ mein Konto nicht zum Weinen und auch Weihnachten nicht in Gefahr. Gesucht wird eine neue weiße Bluse für den Lächeljob, alle anderen Optionen sind offen. Auf dem Weg durch die Oberbekleidung-für-Obenrum-Etage eines bekannten zweibuchstäbigen, deutschen Warenhauses greife ich nach jeder weißen Bluse, die ich finden kann… Vor meiner Umkleidekabine türmt sich ein Berg von zwei Hosen, einem Blazer, bunten Strümpfen, nem orangen Poncho, andersfarbigen Hemden, einer Weste, einer weinroten Scheinlederjacke, einem Rock und genannten weißen Blusen (insgesamt neun). Tapfer und mit System probiere ich mich durch den Berg…

37 Minuten später verlasse ich mit einer weißen Lächeljob-Bluse, einem feschen Jeanshemdverschnitt, zwei paar wildgemusterten Leggings und rund 33Euro (ja, auch eine Wirtschaftrettung fängt mal klein an) ärmer das Gebäude und fühle mich wie ein kleines wirtschaftsrettendes Fräuleinwunder.

Raclette

Oktober 26, 2009

Man hat ja so innerfamiliär seine Weihnachtstradition und so ist es bei uns nicht nur Weihnachtstradition, dass Oma nach einem Glas Wein, anfängt über den Weihnachtsbaum zu lästern (wir nehmen da immer nen kleinen und stellen den auf nen Stuhl, damit er nicht übersehen wird), Opa seine Mädelsbande stillschweigend belächelt und Mutti kopfschüttelnd die Massen an Lebensmitteln im Kühlschrank beäugt, sondern auch dass es Raclette gibt.

 

24.12. Heiligabend Racletteabend!

Raclette, das schweizer Nationalgericht mit den tausend Gesichtern. Unser Racletteessen besteht aus Kartoffeln, Käse (wohlbemerkt Unmengen Käse), gekochtem Schinken, Pilzen, Ananas, Kräuterquark und Möhrensalat, dann klappern die Pfännchen, die Getränke werden – dank Hitze des Geräts – warm und es wird gebrutzelt was das Zeug hält.

 

Seit bestimmt drei Jahren gibt es eine dezente Racletteverweigerung in meiner Familie. Verschiedenste Argumente kommen zum Tragen und doch konnte ich mich bisher immer mit dem Gegenargument: „Aber es ist doch Weihnachten…„, Weihnachten vor der Raclettelosigkeit retten. Diese Aussage kam dieses Mal nicht zum Tragen, dieses Jahr kocht meine Mutter (ihre Aussage dazu: „Kein Raclette!„).

„bald“ in Sachen Weihnachten

Oktober 26, 2009

Nachdem meine Mutter letzte Woche erfreut verkündete: „Ich hab schon dein erstes Weihnachtsgeschenk…„, und ich mir fast sicher bin, dass es schon eingepackt irgendwo in der Wohnung (also ihrer, nicht meiner) steht, ist mir aufgefallen, dass ich spät dran bin, denn…

…in meiner Seele paart sich der detailverliebte Perfektionist mit dem Weihnachtsjunkie, was in Bezug auf Weihnachten, eine Sturmflut von tollen Deko-, Geschenk-, Brief-, Verpackungs- und Kochideen auslöst und mich jedes Jahr wieder in eine charmant-galante Mischung aus positiv-negativem Stress stürzt. Wie jedes Jahr will ich mich auch dieses Jahr gegen diese Art von Stress wunderbar wappnen, es erfolgt Wappnung durch Karoblock…

Der karierte Untergrund besagten Karoblock unterstützt die ordentliche Erstellung von Listen. Listen zur Orientierung im Weihnachtswirbel, zum Abhaken und Durchlesen, Gedanken sortieren und – am wichtigsten – zum Erinnern. Folgende Listen werden dieses Jahr für eine perfekte Weihnachtsorganisation erstellt:

  • die Postliste (unterteilt in Mail-, Brief- und Kartenverschickung)
  • der Wunschzettel (der in meiner Familie noch immer ein anerkanntes Mittel für die Findung des richtigen Geschenks ist und gerne gesehen wird, da das Listenschreiben allerdings in der Familie zu liegen scheint, muss man sich damit ranhalten um ihn nicht erst nach der Geschenkebesorgung einzureichen)
  • die Einkaufsliste für den Bereich Deko, Küche und Haushalt (da ich dieses Jahr das Weihnachtsfest annektiert habe und der 25.Dezember entgegen unserer sonstigen Tradition nicht beim Bruchen im Steakhouse – und ja das mit dem (!!!) stellvertretenden Restaurantleiter – sondern bei mir stattfindet)
  • und am wichtigsten die Verschenkliste

Die wesentliche, wichtige Verschenkliste muss gut durchdacht werden, denn die (Ex-)Modedesignerinnen-Ehre gebietet, dass möglichst alle Geschenke selbstgemacht sind oder wenigstens etwas Selbstgemachtes beinhalten. So gab es in den vergangenen Jahren bestickte T-Shirts, malte Bettwäsche, Schals, Kräuteröle, Röcke, Taschen, leckere Parmesankekse, selbstgebundene Bücher, verfeinerten Senf, bedruckte Schlafanzüge, Stulpen und, und, und.

Bei Neulingen in meinem Bekanntenkreis bzw. dem Teil des Bekanntenkreises, dem eine Eingliederung in die Verschenkliste wiederfährt, sorgt die Aussage des Geschenkebasteln zu Augenrollen und dem Angstschweiß auf der Stirn. Der blanke Horror vorm Selbstgebasteltem ist zu erkennen. Zu groß die Erinnerung an selbstgetöpferte Kresseigel, abstrakte Kunstwerke ala Kleinkind und die Resteverwertung leerer Verpackungen.

 

Die durchdachte Verschenkliste enthält natürlich weder Kresseigel noch sonstige Horrorvisionen des Basteleienphobikers.

Erfolg, Erfolg

Oktober 25, 2009

Der Assistent meines Wordprogramms beantwortete meine Frage eher unzureichend, so dass ich auch nach zweieinhalb Stunden Lesens und Googlens nicht wirklich klüger war. Und so blieb: „Wie um Himmels Willen erstelle ich einen Rundschreiben für den Postweg?“.

Mein immer noch exsistentes Schlafdefzit hat das gestrige Wordwissen-bzw.-Wordanwenderhilfe-gegen-Essen-Austauschprogramm mit einem Exinformatiker jetzt Psychologiestudent nicht zwingend erleichtert, sondern eher zu einem Kampf gegen die Müdigkeit gemacht. Und so war nach dem Essen die kleine Befürchtung, ob ich das auch alleine schaffe, vorhanden. Heute aber habe ich mich frohen Mutes und grenzenlos optimistisch an das Unterfangen „Rundschreiben“ gesetzt, das Rundschreiben heißt im Worddeutschen nicht Rundschreiben, sondern Seriendruck. Und sobald man das Kind beim Namen nennt, stellt sich die Hilfeoption nun nicht mehr so quer. Unter Extras – Briefe und Sendungen, findet man sogar einen dafür ausgerichteten Seriendruck-Assistenten und schlupp ist es kein Hexenwerk: Es braucht noch eine Exceltabelle mit allen Daten und die Sichtbarmachung der Symbolleiste zum Thema Seriendruck und binnen von wenigen Minuten hat man ein Word-Dokument gespickt mit Verhältniszeichen (so sieht das aus: „>“), welches von Zauberhand selbstständig und ohne Verhältniszeichen nach Fertigstellung die Adressen einschleust und selbst das Herr-Frau-Problem in Bezug auf geehrte oder eben geehrter löst und mich mit dem unschlagbaren Gefühl des Siegs über die Technik alias Erfolg erfüllt.

Lalala, ich bin so klug, ich bin so klug! Ja, lalala! (Danke für dieses Gefühl an den hilfsbereiten Psychologiestudent, die Programmierer von Word, Bill Gates, sowie Oma und Mutti für die Kochgene)