Archiv für Dezember 2009

der Kampf um die verlorene Liebe – Teil 27

Dezember 31, 2009

Meine Laune ist in der Pubertät, grenzenloser Optimismus und Frohmut zu 37Prozent und nörgelndes Schwarzmalen sowie Sichselbstnerven auf der anderen Seite. Schuld ist Silvester. 

Seit Tagen geistern durch die Bloggerlandschaft wunderbare Stöckchen für Jahresrückblicke, Vorsätze und ähnliches. Schön, sehr schön und ich wollte schon eins adoptieren, um es als mein erstes Stöckchen zu nehmen… Aber bei der Beantwortung fällt mir auf, dass mir zum einen die Antworten ausgehen und zum anderen sozusagen vor allem, mich manche Antworten einfach traurig machen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe… …ist gefragt von Herrn Schonzeit, der es vom Wortteufel hat. Und das schönste Geschenk, das ich dieses Jahr gemacht habe, war eine Spätsommerreise. Eine Spätsommerreise für zwei nach Mecklenburg-Vorpommern mit Miniradtour übers Darßer Fischland, mit Abstecher nach Stralsund samt Oceanum- und Meereskundemuseumsbesuch und zu guter Letzt Weiterfahrt aufs autofreie Hiddensee. Eine der zwei Personen wäre ich gewesen, wenn nicht, ja wenn nicht…

Es ist eine sentimentale Zeit dieser Tage. Gefühlte 700Mal in den letzten drei Tagen „guten Rutsch und einen schönen Start in ein glückliches 2010“ gewünscht zu haben – eine Floskelreiterei, die der Lächeljob so mit sich bringt – macht es nur begrenzt besser. Meine dank des Lächeljobs zerwürfelte Silvesterplanung auch nicht.

Meine Laune ist suboptimal für spontanes Weggehen und so bin ich spontan zu Hause geblieben. Zur Info, wir befinden uns gerade in den 63Prozent des nicht ganz so positiven, dafür um so mehr pubertierenden Launenzirkus’.

Ich weiß ja, dass diese Laune vorbei gehen wird und das ich lächeln kann, sollte und heute auch schon getan habe, aber – im Ernst – ich hatte schon bessere Tage und wenn ich jetzt an schöne Silvester denke und was ich nächstes Jahr besser machen könnte, um mir nicht wieder ansehen zu müssen, wie Bruce Willis die Welt zusammen mit Mia (wie war noch der Nachname!?) rettet, denke ich an ihn und wie wir letztes Jahr unspektakulär und gediegen im Flur meiner Wohnung Fondue aßen mit zwei Freunden, um Mitternacht auf dem Balkon knutschten, ich ein Wunderstäbchen entflammte und wir – dank meines grippalen Zustandes –um halb zwei im Bett waren und uns am ersten nur via Zettel unterhielten, da mir die Stimme ganz entflohen war.

Jetzt ist es auh gerade Mitternacht, also ein letztes Mal: „Guten Rutsch und einen schönen Start in ein glückliches 2010!

Anbei für die Rentner zur Info: Ein Stöckchen ist eine Art Minifragenkatalog, der einem zugeworfen wird per Kommentar oder den man findet, und dann beantwortet.

familiäres Weihnachtsessen oder was ist los mit den Traditionen

Dezember 30, 2009

Chinomso fragte und ich nehme ihr erstes Schreibstöckchen als mein erstes Antwortstöckchen und jetzt gehts los…

Was gibt es bei euch an Weihnachten zu essen?

Normalerweise gibt es bei uns Heiligabend Raclette, weil das Kind sich das wünscht. Das Kind bin ich, das nur anbei. Mit dieser Tradition wurde dieses Jahr aber gebrochen, meine Mutter riss das Fest an sich (was eine adrett-garstige Formulierung) und bestimmte „kein Raclette“, die Rentner stimmten zu und so waren wir mit Raclettelosigkeit gestraft, wurden aber mit einem Überraschungs Drei-Gang-Menü in Form von Feldsalat mit Himbeer-Balsamico-Essig sowie geratenem Ziegenkäse im Speckmantel, anschließend Aprikosen-Hänhchenpfanne mit buntem Wildreis und abschließend Waldbeeren mit Sahne und Baiser entlohnt. Des Weiteren ungewohnt meine Mutter und ich zusammen in der Küche beim Vorbereiten, Abschmecken und Servieren.

Am 1.Weihnachtstag gibt es üblicherweise Brunch und das dann außer Haus… Aber im Sinne der Traditionsbrechung und des Weihnachtsessenansichreißens, habe ich dieses Essen annektiert und zum Mittagessen um eins geladen. Dank dem eifrigen Yvönnschen, das sich noch in der heiligen Nacht der undankbaren Aufgabe des Rosenkohlentblätterns widmete – dabei wurde übrigens eine neue Geschwindigkeitsmessung erfunden rkh alias Rosenköhler (ihre favourisierte Pluralform von Rosenkohl) pro Stunde, Yvönnsche schaffte es circa auf 35rkh, aber das nur anbei – konnte am nächsten Tag gut vorbereitet und pünktlich mit diesem orientalisch angehauchten Weihnachtsessen aufgetrumpft werden: Apfel-Karotten-Suppe mit Curry und Kokosnussschaum, als Zwischengericht thailändischer Rosenkohlsalat mit Nüssen an (oh, „an“ klingt in Menüfolgen immer herrlich abgedroschen) karamelisiertem Ziegenkäse, Entenbrust mit Pflaumenthymiansoße samt Granatapfelcouscous sowie indisch angemachtem Spinat und Mangochutney als Hauptattraktion, abschließend auf der Speisekarte leicht übersüßtes Stollenparfait (Süße des Stollens definitiv unterschätzt) mit Orangensalat und ein Lebkuchensoufflet wahlweise mit Eierlikör…

Der 2. Weihnachtstag verstreicht in unserer Kleinfamilie immer recht ereignislos und so befassten Yvönnsche und ich uns mit der Restevernichtung, sowie unserer Kiezkonsumshoppingtour!

Gibt es bei euch Traditionen, die von Generation zu Generation weiter gegeben werden?

Tradition ist wohl ein bisschen Familie und Heimat, das wir überall hin mitnehmen und so gibt es auch bei uns – vielleicht nicht so viele (sehr kleine Familie, daher nur kleine Traditionen) aber doch – einige Traditionen und von der des Geschenkeauswickelns will ich berichten: 

Es hat ja inzwischen an Normalität verloren, aber bei uns ist das Geschenke verschenken noch ganz groß in Mode. Was daran liegen mag, dass wir alle gerne Verschenken, uns auch meist was einfällt und ein paar Wünsche auch immer vorhanden sind. Alle Geschenke, vom Strumpfpaar über getrocknete Apfelringe werden schön verpackt mit verschiedenem Geschenkpapier und farblich passendem Schleifenband – zumeist meist personenbezogen, soll heißen ein jeder Beschenkte hat beispielsweise eine Schleifenfarbe oder ein spezielles Papier, so dass man beim Auswickeln alles gut unterscheiden kann und keiner was Falsches entpackt. So personenbezogen wie die Verpackung schichtet meine Mutter kleine Geschenkehäufchen. 

Wenns dann ans Auspacken geht beginnt Opa, nicht ohne dass meine Oma vorher erwähnt „Eigentlich fangen ja immer die Kleinsten an…“, gemeint ist das Kind – also ich, welche das geflissendlich ignoriert und seit Jahren auf eigenen Wunsch immer die letzte Entpackerin ist. Geschenkpapier wird gewöhnlich nicht zerrissen und Geschenkbänder zur Seite gelegt (ja, wird sind eine Geschenkbandaufbügelfamilie) und landen ebenso wie schicke Geschenkanhänger in einer extra bereitgestellten Tüte mit Weihnachtsmotiv. Neben dem Sofa steht eine Kiste für unbrauchbares Papier, da meine Ma umherfliegende Papierreste kirre machen würden und das können wir Weihnachten gar nicht gebrauchen. Des Weiteren gibt es seit zwei-drei Jahren betreffend der Geschenke einen adoptierten Neubrauch der Familie Bärchenstreich (Frau Bärchenstreich gloreiches Verbalgenie und eine Studienfreundin von mir, mit der ich so manche Nacht durchzeichnet (nein, da steht nicht durchzecht!!) habe): Jedes Geschenk wird begutachtet, vorsichtig geschüttelt und dann folgt unabhängig von Größe, Form und Gewicht der Ausspruch „…ich glaub es ist ne CD… bestimmt ne Langspielplatte!“, was allgemein zu viel Heiterkeit führt.

Zwischendrin fällt Oma dann noch ein, dass eigentlich keiner Geschenke kriegen sollte, denn keiner hat gesungen und stimmt meist die erste Strophe von „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ an, nicht ohne nach maximal drei Zeilen glücklicherweise wieder aufzuhören. Wir haben viele Talente, musikalische gehören leider nicht dazu!

Herr C. und die Mädels beim Weihnachtsessen

Dezember 29, 2009

Normalerweise – und ich bin da traditionell veranlagt – habe ich kurz vorm Jahreswechsel, vor Weihnachten oder eben gerade so im neuen Jahr mein Mädelsweihnachtsessen… Mädelsweihnachtsessen schließt Männerlosigkeit mit ein. In diesem Jahr aber wurde Herr C., einer meiner Kollegen und illustrer Zeitgeselle, dazugeladen zwecks der Amüsanz, die wir an der Arbeit teilen, und seiner Frischentliiertheit, die Ablenkung erfordert.

Herr C. wurde vorgewarnt, denn bei einem Mädelsweihnachtsessen geht es themenmäßig heiß her, er war sich der Gefahr bewusst und erschien trotz allem pünktlichst gegen fünf zum Glühweinumtrunk, der vorneweg gereicht wurde und hell war, mit Orangenschuss. Alles hielt sich an den Gläsern fest und nicht viel mehr als einem halben Glas ging es schon um hitzigere Themen, Gekicher und das Raclettegerät wurde angeheizt. Herr C. schlug sich tapfer, wenn auch manches Thema mit einem verlegenen Blick gen Decke kommentiert wurde und man ihm ansah, dass er das eine oder andere Mal zu schlucken (ich bin mir sicher es lag am Käse) hatte, dann aber doch recht schwungvoll ins Gespräch mit einfiel.

Als das Pfännchengeklapper langsam verhallte, die nimmer versiegenden Käsequellen meines Balkons (Balkon zwecks Kühlschranküberfüllung) wenigstens um ein Drittel geschrumpft und die Tannenbaumkerzen fast runter gebrannt waren, gab es roten schwedischen Glögg-Glühwein zum Abwasch. Abwasch gab es auch dank Yvönnsche und ihrer Aversion gegen ungeputzte Küchen und dem Unwillen mich mit dem Chaos allein zu lassen. Alles weggetuppert, verschlossen, weggepackt, ausgeschüttet, vakuumiert und umverpackt, Zeit für eine Likörverkostung. In meinen Teelichtgläsern – denn für zweimaliges Likörtrinken im Jahr werden keine Gläser angeschafft – wurden mehr oder minder große Portionen von leuchtend gelben Eier- und zartbraunem Spekulatiuslikör verteilt und zur Verkostung freigegeben… Ich hatte das Kicherlevel nach dem zweiten Eierlikör schon erreicht, was der Stimmung keinen Abbruch tat, ebenso wenig wie das Karamellkeksparfait und dem weihnachtlichen Obstsalat, was es zum Nachtisch gab.

Gegen halb elf waren wir – wie Herr C. es ausdrückte – sitt und satt, was so gedacht war, da Yvönnsche einen Nachtzug zu erwischen hatte und die Runde in ihrer Homogenität nicht entzweit werden sollte.

Es war ein schöner Abend, kommt bald wieder! Es bleibt zu sagen: Es ist noch Käse da!

Kiezkonsumbesuch zwecks Vorbereitungen fürs Mädelsweihnachtsessen

Dezember 28, 2009

Auf Grund der Racletteabstinenz während der Feiertage wurde aus meinem alljährlichen Mädelsweihnachtsessen ein Racletteabend.

Aber von vorn: Auf Grund meines erwähnten minimalen Zeitfensters vor den Feiertagen musste das Einkaufen auf den 26.Dezember verschoben werden und da zeigt sich, was in anderen Städten nicht möglich ist: Günstig einkaufen auch an Feiertagen – in Hamburg kein Problem (auch dafür: Ich liebe Hamburg).

So schlurften meine Weihnachtsasylantin in Form von Yvönnsche und ich am späten Vormittag des 2.Weihnachtsfeiertages mit einer überdimensionierten IKEA-Tragetasche und einer gut sortierten Einkaufsliste gen Konsum (in dem Fall Penny) aufm Kiez… Der Kiezkonsum hat neben Lebensmitteln auch charmante Kiezatmosphäre zu bieten und so wurden wir von einem Spalier stehenden Pennerkomitee (darf man das so schreiben oder ist das diskriminierend und man muss Obdachlosenkomitee sagen?) empfangen und schlüpften dann mit Wagen und blauer Tragetasche am Sicherheitspersonal vorbei und widmeten uns dem Großeinkauf. Reibungslos, abgesehen von fehlendem Feldsalat und vermissten Pilze, schlängelten wir uns durch die überfüllten Gassen, bis zur Käseecke des Kühlregals. Es stellte sich heraus, dass mit jemandem, der trotz Laktoseintoleranz Käsejunkie ist, vorm besagten Molkereibereich zu stehen um dort die Masse von benötigtem Käse zu erörtern, nur eine begrenzt gute Idee ist. Nachdem wir also für die 5-Racletteesser von zwei bis zwölf Raclettekäsepackungen alles erwogen hatten, einigten wir uns auf drei und einen Weichschimmelkäse.

Den Zahlvorgang abgeschlossen traten wir mit einer übervollen IKEA-Tragetasche, die nur durch die gerechte Aufteilung der Henkel zu hieven war, den Heimweg an, um zu Hause festzustellen, dass sowohl mein Kühlschrank, wie auch mein Tiefkühlfach zu klein sind.

der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 26

Dezember 27, 2009

Von einem langen Wochenende bleibt nicht viel… Erfüllte Wunschzettelwünsche, ein nadelnder Tannenbaum mit lila Kugeln und Hang zur Schräglage, Überraschungen, ein bisschen Weihnachtschaos, viele wunderschöne Erinnerungen, zwei-drei Kilo um die Hüftgegend, ein übervoller Kühlschrank und das Gefühl von Leere.

Komisch, so viel Schönes, Aufregendes, Unterhaltsames und doch fühl ich mich nun als hätt ich alle Emotionen aufgebraucht und übrig ist nur stille Leere.

Ein Königreich für jemanden (alias er), der heute Nacht neben mir schläft, auf meine Träume aufpasst, mich hält, da ist – bis morgen früh, wenn ein neuer Tag beginnt, eine Woche so voll von Arbeit, dass wohl keine Zeit für Leere bleibt.

Hubert und ich – Leben in friedlicher Co-Existenz?

Dezember 24, 2009

Anfang der Woche und immer noch baumlos, was in Anbetracht der Tatsache, dass ich lauter feschen Weihnachtsschmuck gekauft habe, eine wirklich unschöne Nebenwirkung meines durch Zusatzdienste verwurschtelten Alltags war.

Aber dann – die Rettung. Wie so oft in letzter Zeit in Form meiner Mutter, die sich anbot mich einkaufstechnisch zu unterstützen, mir den Supermarktgang für die frischen Sachen (da am 1.Weihnachtstag großes Familienessen (wir sind immerhin vier) bei mir angedacht ist) abnahm und sogleich einen Baum mitbrachte.

Gestern also, Nutzung des freien Vormittags zur Baumaufstellung.

Der Baum liegt auf dem verschneiten Balkon, misst circa 120cm und passt nicht in den von Oma beim Wochenendtrip erhaltenden Weihnachtsbaumständer. Also raus mit der Säge aus dem gut sortierten, von Opa ausgestatteten Werkzeugkoffer um dann hockend im Laubengang eine gute halbe Stunde an dem Stamm rumzusägen. Außerdem noch die Rinde mit der Gartenschere abgezwickt, was die fehlenden Millimeter brachte und dann: Der Baum steht, nach vier weiteren Ruckelaktionen und der Feststellung, dass als Single mal eben im Alleingang den Baum ausstellen scheiße ist – der Baum steht und auch noch andachtsweise gerade. Vom Erfolgserlebnis euphorisiert platziere ich die ersten Kugeln, bis mir unten links ein Ast auffällt, der das buschige Baumbild stört… Erneut greife ich zur Gartenschere um mit Gärtnerlist den Ast zu entfernen, nach diesem Geniestreich gehe ich zur Abfallentsorgung in die Küche, erledige noch schnell das Eierlikörumfüllen und vernehme im Wohnzimmer ein unangenehm raschelndes Schütt-Hütt-Geräusch.

Nach dem Ausschlussverfahren bleibt genau eine gedankliche Variante für besagtes Geräusch: Baum fällt!

Auf den Schreck ein Teelichtglas voll Eierlikör und dann zurück ins Wohnzimmer, wo sich der Verdacht bestätigt und der Baum ausgestreckt zwischen Esstisch, Fernseher und Beistelltisch danieder liegt umringt von einzelnen Nadeln, die den Umfallfreiflug nutzten um sich im Wohnzimmer zu verteilen.

Nun trifft meine Sturheit betreffend eines stehenden Baumes auf das physikalische Leid der Erdanziehungskraft. Trotzig richte ich den Baum wieder auf, schraube ihn wieder in den Ständer von Oma um festzustellen, dass ich mit der Astkastration die Statik aus dem Gleichgewicht gebracht habe. Mit dem Ständer ist kein Halt hervorzurufen, der Uralt-Mutti-Tipp einen Eimer voll Kartoffeln zu nehmen und ihn da reinzustellen schlägt wegen der Abwesenheit von Kartoffeln und einem größeren Eimer fehl, ich klettere auf den Balkon und zerstöre die schöne Schneedecke mit Gummistiefelschuheindrücken, hole einen Blumentopf und die Dekosteine aus dem Windlicht im Flur. Unterm Baum liegend, nessel ich an eben diesem und versuche ihn irgendwie in den Blumentopf zu bekommen. „Baumaufstellen als Single ist scheiße.“, denke ich noch mal, während mich ein Ast ins Auge piekt und die Tannennadeln auf mich nieder regnen. Nach drei differenzierten Steinanordnungen im Blumentopf, einem Fastschreikrampf und einer Namensgebung (der Baum heißt jetzt nämlich Hubert, denn Sachen in dem Fall Bäume mit Namen lassen sich einfach besser beschimpfen) – der Baum steht, die Zweite!

Mein erster Blick fällt nun bei jedem Nachhausekommen skeptisch auf Hubert, der aber steht, als hätte es Probleme in Sachen Standhaftigkeit nie gegeben. Und es beweist sich, Sachen mit Namen lassen sich nicht nur besser beschimpfen, sondern „hören“ auch besser.

Gisela, Hannelore, die Küchenaktion und der geklaute Weihnachtsbaum

Dezember 23, 2009

In grenzenlosem Übereifer und Mitleid meinem Chef gegenüber hatte ich angeboten aus meiner einfachen Ich-schaffe-es-pünktlich-zu-Weihnachten-alles-fertig-zu-haben-Dienstwoche eine Um-Himmels-Willen-wir-verschieben-Weihnachten-auf-den-14.-Januar-Woche zu machen. Drum musste am Wochenende vor Weihnachten alles erledigt werden: Vom Weihnachtsbaumkauf über Backen und Likörbrennen bis zum schlichten Schmücken und Verpacken – alles dabei.  

Um das vorweihnachtliche Aktionismusvolumen durch zwei zu teilen, kommt Yvönnsche den langen Weg aus München und spielt die „helping hand“ und Gesellschafterin und das auch noch ganz frohen Mutes.

Samstag schlossen wir uns bei dem großen Run auf das Konsumgut den Hamburgern an und absolvierten im geübten Geschäftsdauerlauf den Organisationsmarathon um uns kurz vor drei beim Baumarkt unseres Vertrauens auf die Weihnachtbaumsuche zu begeben. Der Plan sah aus wie folgt beschrieben:

  1. Baum kaufen
  2. dann Baum nach Hause transportieren
  3. schließlich Baum in den Laubengang vor meiner Haustür buxieren
  4. anschließend Wohnung schnellstmöglich wieder verlassen
  5. dann ab zum Konsum (alias Supermarkt)
  6. dort Lebensmittel einkaufen
  7. zurück nach Hause
  8. zum Lebensmittelwegpacken
  9. dann Baum aufstellen

 

Der Baumarkt unseres Vertrauens hatte auch noch Bäume… Es gab mannshohe Bäume, Bäume mit einem Durchmesser von circa zwei Metern, Bäume ohne Nadeln, Bäume mit Nadeln dafür ohne Spitze, angebräunte Bäume und verkrüppelte Bäume. Zusammengefasst: Es gab keine Bäume.

Grenzenlos traurig und mit dem schwindenden Zeitfenster hadernd, fuhren wir nach Hause. Meine Weihnachtslaune im Weihnachtskeller.

Für weiteres Trauern blieb zwecks besagten Zeitfensters keine Zeit und so brachten wir die anderen Baumarktkäufe mittels U- und S-Bahn nach Hause um dann ein letztes Mal in die Innenstadt einzufallen uns unter anderem den 700Millionen Terroristen Touristen zu stellen und endlich ein paar weitere Häkchen auf der Weihnachtsliste zu machen. Auf dem Heimweg durchgefroren und von Müdigkeit erschlagen – Zwischenstopp beim Konsum (in dem Fall Supermarkt). Unzählige Lebensmittel später, beladen wie drei Kamelkarawanen und mit einer Heiterkeit von 10 besoffenen Russen (und das trotz Glühweinverzicht), schlidderten wir gen Laubengang, wo Yvönnsche trocken feststellte: „Du, die haben den Weihnachtbaum geklaut!

Mit immer noch abstinentem Baum und nach erschütterndem Weckergeklingel, nach gefühlten drei Stunden Schlaf finden wir uns ungefrühstückt in der Küche ein und rühren Sonntagmorgen um zehn Sahne, Kakao, Puderzucker und massig Korn zu einem Spekulatiuslikörchen an. „Likörchen?“, frag ich immer noch vorm Frühstück und fühl mich wie eine 53-Jährige mit illustren Hobbies (z.B. Teppichklöppeln), Schrebergarten und dem Hang zum süffigen Süß. „Aber gerne doch, Hannelore…“, bekomme ich grinsend zur Antwort. Überreiche zwecks Abwesenheit von Schnapsgläsern ein Teelichtglas mit hellbraunem, keksduftverströhmenden Inhalt „…und nun Stößchen Gisela!“.

Wir alias Hannelore, Gisela und das Likörchen sitzen auf dem Küchenfußboden vorm Ofen und beobachten die Parmesankekse kichernd beim Braunwerden.

Ach Gisela, ach Hannelore, ach Likörchen – ach Freundinnen!