Archiv für April 2011

Verkupplungsaktion von Fam. Normahlverbraucher

April 23, 2011

Ich habe das Auto und – wie man vielleicht nur als Gelegenheitsautofahrer verstehen kann – dieses fast grenzenlose Gefühl von Freiheit, sowie den Zwang ans Meer zu fahren. Die Sonne scheint, die Fenster sind runter gekurbelt, der Wind zerstrubbelt das Haar, aus den Boxen dröhnt die Hitparade in einer Lautstärke, dass es schon fast blechern klingt, alles Tatsachen, die die Entfernung zum Meer nicht kürzer machen. Ich singe und die Passanten gucken, denn Singen gehört nicht zu meinen herausragensten Eigenschaften.

Da die Abwesenheit von Meer und Abendplänen sich nicht mit der Anwesenheit eines geliehenen Kleinwagens vertragen, lade ich mich in den Schrebergarten von Frau Normahlverbraucher zum Grillen ein, auf dem Beifahrersitz ein Nudelsalat. Vorsichtig vorbei an dem Absperrboller, der Autolakiererei von Schrebergarten trennt, und dann zum Schaulaufen auf dem Mittellaubengang, teil kritisch teils wohlwollend beäugt aus blühenden Schreberlandschaften.

Ich biege da ab, wo ein oberkörpernackiger Mann übertrieben winkt und es schon verdächtig nach Holzkohle riecht.

Auf einer Bank, die bei jeder Bewegung mit dem Umfallen droht, sitze ich bei eingelegtem Supermarktfleisch zwischen den weiblichen Teilen zweier Pärchen. Gegenüber zwischen den männlichen Gegenparts sitzt ein Freund des Normahlverbraucher-Laubenkieker-Pärchen mit verspiegelter Sonnenbrille, die nichts erahnen lässt.

Ich fühle mich gemustert, könnte aber auch nur so ein Gefühl sein.

Zwischen zwei Löffeln Nudelsalat und zwei Pärchengesprächen, die erahnen lassen, dass Zweisamkeit auch nicht immer die optimale Lebensform ist, zwinkere ich Gegenüber galant zu – nicht als Anmache, sondern als solidarische Untermalung meines Grinsens zum Thema Tischgespräch. Das Gegenüber grinst zurück.

Zwei Stunden später verabschieden wir uns höflich Hände schüttelnd. Was nur geringfügig durch einen angeheiterten um uns rum schwirrenden Schrebergartenbesitzer und ein recht offensives „Wollt ihr nicht Nummern tauschen?“ wird. Wir schütteln noch etwas weiter Hände, grinsen latent verwirrt und verabschieden uns – natürlich ohne Nummerntausch.

Herr Normahlverbraucher wirft noch etwas Holz in die Feuerstelle und gibt dann recht unverfroren auch die Verkupplungsabsicht zu, nicht ohne zu erwähnen, dass mein Gegenüber von dieser auch wusste. Was mein Zwinkern im Nachhinein eventuell zu einer leicht fehldeutbaren Geste macht… Mh!

hinter vorgehaltener Hand: die Bratenhochzeit

April 11, 2011

Sonntagnachmittag war bei Muttern große Besprechungsversammlung zur bevorstehenden Hochzeit der falschen Tante. Erwähnenswert, dass sich falsch nicht aus die Wesenszüge der Tante, sondern schlicht auf den nicht vorhandenen Verwandtschaftsgrad zur falschen Tante bezieht und das Tante auf die innige Freundschaft zu meiner Mutter und die Abwesenheit von realen Tanten (was sich, wie ich stark annehme nun auch nicht mehr ändern wird, oder Oma?).

Die falsche Tante hat ungemein viele löbliche Eigenschaften unter anderem ihre Sparsamkeit, aber was im normalen Leben ungemein sinnvoll und vielseitig praktisch ist, wird in Sachen Hochzeit zur Zerreißprobe fürs Nervenkostüm der Haupthelfer.

Und während meine Mutter alias Haupthelfer 1 nach einer Minidiskussion über Plastikefeu das Zepter in Sachen Dekoration und Blumen an sich gerissen hat, wurde ich alias Haupthelfer 2 gefragt, ob ich gewillt wäre mich um Vor- und Nachspeisen kümmere.

Ja, ich will…“, beziehungsweise ja, ich wollte.

Ich wollte, denn nachdem ich erfuhr was uns im Hauptspeisenbereich erwartete schmolz mein Wollen etwas dahin. Und während ich mir nun über gutbürgerliche Vorspeisen das Hirn zermartere, wird in meinem Freundeskreis hinter vorgehaltener Hand nur von der Bratenhochzeit gesprochen.