Archive for the ‘Zitat "Der Pate": la familia’ category

Weihnachtsbaumabtakelei

Januar 5, 2014

Gestern war es soweit, die kleine Fichte, die gar nicht so klein ist sondern eigentlich sogar der größte Weihnachtsbaum, der je in dieser Wohnung stand und piekst wie Sau (das nur nebenbei), wurde abgetakelt.

Weihnachtsdeko2013

Kurz vorm Nikolaus bekam ich einen Anruf der Oldies, ob ich Interesse an einem echten Mecklenburger Weihnachtsbaum hätte. Hatte ich eigentlich nicht, nach Aufzählung der Vorzüge eines aus Mecklenburg mitgebrachten Baumes (Direkttransport in meine Wohnung sowie  Wegfall der Kosten) und der Versicherung, dass er bis dahin nicht kahl genadelt ist, dann doch.

So wurde in Mecklenburg ein Baum besorgt – besorgt nicht gekauft. Genau genommen war es so, dass meine frostwirtschaftlich interessierten Großeltern ein Trio von Fichten fand, welche zu nah beieinander standen, weswegen aus rein forstwirtschaftlichen Gründen – versteht sich – die mittlere und zufällig schönste Fichte gefällt werden musste. Rein aus Gründen des Recyclings wurde die Fichte mir zur Verfügung gestellt. – Da weißte Bescheid!

Jeder der Spaß an Kopfkino hat, kann sich nun gerne vorstellen wie meine Oldies, die Oma an der Spitze, der Opa am Stamm, im Abstand von unveränderten 1,8 Metern (denn so groß ist der Baum) leicht abseits des Waldhauptweges durchs Geäst pirschen.

Jetzt ist er wieder nackig der kleine Baum und morgen Abend werde ich ihn ganz dezent vom Balkon werfen!

Advertisements

Sorgen um besorgte Mütter

März 3, 2012

11:30 ich stehe in der Seitenstraße zur Hamburger und warte vor einem Gebäude, das nichtssagend ist und ein Klinikum für Oralchirurgie beherbergt. Mir ist schlecht, hinter den Türen liegt meine Mutter und wird auseinander genommen, ich klingle zweimal keiner öffnet, keiner antwortet. Macht das Gefühl nur semibesser.

Irgendwann lässt mich doch jemand rein und zwar der Kameramann, der meine Mutter zum Star der Oralchirurgie macht, was aber nicht der Grund für den Eingriff ist, diesen aber etwas bezahlbarer werden lässt.

Ich warte, Mutti wacht langsam auf und ich höre ihre Stimme, die fernab von der Klarheit ist, wie ich sie kenne. Aber sie scherzt… Ich fahre sie nach Hause. Möglichst langsam, Bodenwellen meidend.

Sie sieht aus als hätte sie den Klischkos gesagt, dass ihre Mutti fett sei. Bei Muttis hört auch das Gentlemansein der Klischkos aus. Es tut schon beim Hinsehen weh. Der Arzt hat neben der Videobesprechung mitgeteilt, dass es in den nächsten drei Tagen schlimmer und schmerzhafter wird. Ich habe Angst.

Mutti hält sich tapfer, wie immer.

Wir stehen uns in der Küche im Weg, ich mache Steckrübenpüree warm, nicht so wie sie sich das vorgestellt hat. Aber immerhin. Sie kocht Erbsen, Püriervorbereitungen fürs Abendessen. Kaffeetrinken, rauchen, Steckrübenpüreeessen, funktioniert teilweise, Geschmeidigkeit ist nicht zu erwarten, der Schmerz kommt langsam. Sie friert…

Nebenbei die Frage, ob ich jetzt beim Grafen wohne. Ich schmunzle innerlich. Ihre Befürchtung, dass ich mich aufreibe und/oder anschließend – nach dem WG-Dasein – in ein Loch falle, das bis Australien geht. Aber ich wollte schon immer nach Australien.  Ist-Zustand, was wird – keine Ahnung. Dass Aufreibung und Australienlöcher nicht ausgeschlossen sind – schon klar. Ich habe das ja nicht so mit Veränderungen.

Veränderungen wie meine starke, schöne Mutter zugequollen und schmerzverzerrt zu sehen, sind besonders anstrengend. Akutes Gefühl von Endlichkeit, Alter, Vergänglichkeit, Hilflosigkeit an. Und ja, ein Hang zur Überdramatisierung besteht.

heim(ge)kommen

September 8, 2011

Ich stecke den Schlüssel in Schloss, eine kleine Wolke Frischeduft fliegt vorbei, als käme der Herr General Bergfrühling sogleich aus meiner Haustür heraus und mir auf den Laubengang entgegen gestürmt. In der Küche neben einer glänzenden Herdplatte, ein Körbchen Erdbeeren, wohl die letzten dieses Jahr, daneben ein Glas Erdbeermarmelade und ein Stück Tricolour-Erdbeerseife, wer hat der hat. In einem Plastik-Gefrierbeutel zwei Madeleines, der Beutel zugeschnürt mit einem grünen Abreißdrahtband. Im Kühlschrank in einem großen Kirschweckglas Soljanka und drüber im Tiefkühler, die ersten Pilze, gesammelt, geputzt, angebraten und eingetuppert. Auf dem Balkon neue Blumen, Steingewächse, die liegen mir am ehesten.

 

Fazit: Die Mutter ist vom Urlaub bei den Senioren im wilden Osten zurück.

hinter vorgehaltener Hand: die Bratenhochzeit

April 11, 2011

Sonntagnachmittag war bei Muttern große Besprechungsversammlung zur bevorstehenden Hochzeit der falschen Tante. Erwähnenswert, dass sich falsch nicht aus die Wesenszüge der Tante, sondern schlicht auf den nicht vorhandenen Verwandtschaftsgrad zur falschen Tante bezieht und das Tante auf die innige Freundschaft zu meiner Mutter und die Abwesenheit von realen Tanten (was sich, wie ich stark annehme nun auch nicht mehr ändern wird, oder Oma?).

Die falsche Tante hat ungemein viele löbliche Eigenschaften unter anderem ihre Sparsamkeit, aber was im normalen Leben ungemein sinnvoll und vielseitig praktisch ist, wird in Sachen Hochzeit zur Zerreißprobe fürs Nervenkostüm der Haupthelfer.

Und während meine Mutter alias Haupthelfer 1 nach einer Minidiskussion über Plastikefeu das Zepter in Sachen Dekoration und Blumen an sich gerissen hat, wurde ich alias Haupthelfer 2 gefragt, ob ich gewillt wäre mich um Vor- und Nachspeisen kümmere.

Ja, ich will…“, beziehungsweise ja, ich wollte.

Ich wollte, denn nachdem ich erfuhr was uns im Hauptspeisenbereich erwartete schmolz mein Wollen etwas dahin. Und während ich mir nun über gutbürgerliche Vorspeisen das Hirn zermartere, wird in meinem Freundeskreis hinter vorgehaltener Hand nur von der Bratenhochzeit gesprochen.

Floristik, Belletrisik und Kuchen

März 25, 2011

Als ich jünger war, so oberstufenschulzeitjung und das erste Mal den Begriff Belletristik hörte, war ich fast enttäuscht, dass es nichts mit Blumen zu tun hat. Ich finde Belletristik sollte das Wort sein, dass die Summe aller optinalen Streublumen, die erdnah wachsen, in einem Fachbegriff zusammenfasst. So könnten Ruhrpottomas zu Ruhrpottgören sagen: „Chantalle komm doch mal aus die Belletristik.“ (womit dann klassischerweise das Reihenhausvorhausbeet mit Saatgut aus dem Supermarkt von nebenan gemeint wäre)

Floristik und Kuchen also.

Unlängst (ein schönes Wort, welches auch mal wieder Verwendung finden wollte) wurde ich von meiner Mutter informiert, dass sie sich in einem Kuchendilemma befände, da Abteilungskuchen zu backen sei, was die Frage der Bewerkstelligung aufwürfe. Rezept raussuchen – Kuchen nach Rezept backen – Kuchen mitnehmen ist die einfache Lösung, die jedoch bei einer Abteilungsgröße von circa 70 Personen an der Ofendichte der Mutterwohnung zu scheitern droht. Ofendichte verhält sich zu Wohnung wie 1:1.

In Anbetracht dieser Tatsache und der immensen Backeuphorie meiner Mutter übernehme ich als grandioses backfreudiges Kind einen Teil der Backwarenherstellung und bekomme dafür die belletristische floristische Neugestaltung meines Balkons. Es lebe der Tauschhandel!

schrumpfende Seifenblasenprinzessin

November 3, 2010

Vor außen sieht es nicht rein schicklich aus, bis auf den Schriftzug, der Schriftzug rockt, obwohl rockt wohl nicht ganz die richtige Umschreibung für einen türkisen Schnörkelschriftzug auf hellgelbem Grund ist.

In der Luft schwere Wärme, so dass man auf nette Art drei Zentimeter schrumpft. Wohlfühlstauchung und ein bisschen Respekt.

Das drei Zentimeter kleinere Ich und la Mama bekommen ein kariertes Tuch, das stark an Pakistanitücher erinnert (darf man das sagen oder ist das politisch inkorrekt?). Es ist auch nicht viel größer als ein Pakistanituch und reicht genau um die Körpermitte schwungvoll einzuschlagen.

Einen Raum weiter setzen wir uns an kleine Marmorwaschbecken, randvoll mit warmen Wasser, links und rechts zwei Messingschalen, die ungemein gut in meine Einrichtung passen würden. Ich lasse sie stehen. Unsere „Reisebegleiterin“ für diese Veranstaltung macht und auf die Geflogenheiten aufmerksam und wir machen uns nass. Im Hintergrund dudelt diese Musik, von der man die ersten drei Minuten denkt, man würde wahnsinnig werden und sie anschließend nicht mehr hört. Warmes Wasser aus Messingschüsseln, mein Tuch klebt an mir, wie nasse Stoffe das zu tun pflegen, mir ist warm, ich schrumpfe zwei weitere Zentimeter.

Wir legen uns auf den heißen Stein beziehungsweise auf die heiße Marmorplatte über uns eine Kuppel mit drei Himmelsgebilden, von denen wir zwei zuordnen können und bei einem raten. Ich beschließe nie wieder auszustehen bis die „Reisebegleitung“ mich überredet es doch zu tun.

Mein Pakistanituch darf ich nun abnehmen und meinen Kopf drauf betten, ansonsten ist meine Unterlage hart. Hart und nass und warm und etwas glitschig. „Entspannen Sie sich einfach, ich mache alles…“, verkündet die Reiseleitung und zieht an meinem Badeschlüppi das Stoffdreieck so, dass ich jetzt einen Badetanga trage, dann oben noch etwas runter – noch weniger Badeschlüppi. Dann geht’s los.

Peeling am Rücken, an den Beinen, an den Armen, am schlüppibefreiten Mors, Frauenhände an der Talje, dann drehen und ein „Vorsicht…“, glibtsch-glibtsch (Marmor, Körper, Wasser und so) macht es, Kopf zurück aufs Pakituch, dann vorderes Abschmirgeln. Von allen toten Hautschüppchen verlassen, Rückdrehung auf den Bauch – glibtsch-glibtsch-Vorsicht. Es riecht nach Citrus und nach Seife, Luft in weißen Baumwolltüchern und Schaum auf meinem Rücken, in meinem Haar und auch sonst überall. Ich die Seifenblasenprinzessin. Ich werden nie wieder aufstehen…

Nie wieder aufstehen. „So nun vorsichtig hinsetzen.“, und mehr Wasser aus Messingschalen, ich fühle mich klein, auf die angenehme Art. Klein wie Kleinkind in der Wanne mit warmen Wasser aus dem Zahnputzbecher. Dann im Bademantel aufs Sofa und dazu nen Apfeltee, noch drei Zentimeter kleiner und massenhaft erholter.

Mütterdasein

Oktober 1, 2010

Wenn ich dann sag: „Es fehlt mir halt, dass jemand da ist, der nahezu jeden Tag fragt, wie mein Tag war…“

Und die Mutti darauf hin jeden Abend anruft und fragt, wie mein Tag denn so war, dann ist klar, dass das zwar nicht das gleiche ist, aber doch so schön, dass mir vor Rührung fast ein wenig flau in der Magengegend wird.