Archiv für September 2009

der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 6

September 28, 2009

Das Telefon schweigt und ich frage mich, wie etwas, das nichts tut, so nerven kann…

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der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 5

September 28, 2009

Sie kam mit der Post und liegt nun auf dem kleinen Standart-IKEA-Beistelltisch, der wahrscheinlich in jedem zweiten mitteleuropäischen Haushalt zu finden ist. Sie ist eine orange Postkarte mit dem Gesicht einer Freundin aus meinem ehemaligen Wohnort in Mittelhessen auf der Deckblattseite und gleichzeitig die Einladung zu ihrem 30.Geburtstag, gefeiert wird in eben diesem Exwohnort.

3. Wochenende im Oktober… Und der sofortige Gedanke: Mittelhessen ist doch von Südhessen nur ein paar Mäuseschritte (okay, 157 einkmgroße Mäuseschritte) entfernt. Nur ein paar Mäuseschritte, die mit Muttis Soljankaschüsselauto in maximal eineinhalb Stunden zurücklegbar wären.

Dann könnte ich klingeln (wobei sich mein Kopf nur kurz die Frage stellt, ob ich mich anmelden sollte oder besser nicht? Diese Frage aber dann auf später verschiebt) und ihn mitnehmen. „Am liebsten bis nach Hause“, ruft das äußerst ausgeprägte Ungeduldsareal meines Hirns, nach kurzer Abwähgung der rechtlichen und zwischenmenschlichen Konsequenzen denke ich (wieder mit dem gesamten Kopf): „Nein, aber ein Stück ins Grüne…“.

Bei einem Spaziergang durch eben dieses Grüne – durch den Wald – würde er am ehesten den Kältepanzer abschütteln, den er sich zugelegt hat, weil ich ihm weh getan hab. Und vielleicht könnten wir sprechen wie früher (nicht über die Liebe, unsere Liebe) über das Leben, über die letzte und die kommende Woche, über Pläne und vielleicht nach all diesem Sprechen, der Waldluft, dem Öffnen des Kältepanzers, den wegspazierten Metern, vielleicht könnte er dann für einen Moment vergessen, dass ich ich verletzt hab und mich wieder ein bisschen in sein Herz lassen.

„Vielleicht regnet es aber auch!?“, ruft der pessimistische Hirnteil ins gedankliche WirrWarr.

„Vielleicht aber auch nicht…“ Ich schaue auf den Dienstplan und stelle fest, dass ich nicht arbeiten muss. Auch am Montag drauf nicht, also steht dem Geburtstag und dem sich ungestüm ins (Un)Glück stürzen fast nichts im Wege.

 

 

Anbei zur Erweiterung des innerdeutschen Ost-West-Austausches: Bei Soljanka handelt es sich um eine russische Spezialität, um eine in der ehemaligen DDR sehr beliebte Restesuppe. Und eine Soljankaschüssel ist somit einfach eine Suppenschüssel und ein Wort, das innerfamiliär als Spitzname für sehr kleine Autos herhalten muss . So auch für das meiner Mutter, auch wenn das eigentlich Moritz heißt.

der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 4

September 25, 2009

Wimpernwünsche: Meine Wimpern begehen momentan Massenflucht, sie springen vom Augenlid als müsse ich mit ihnen die Probleme der Welt durch Wünschen beheben. 

Ich lese sie also vorsichtig von meiner Wange, Nasenspitze, meinem Halsansatz, aus dem Abschmiktuch oder vom Waschbeckenrand, setzte sie ganz vorsichtig auf die Spitze meines rechten Zeigefingers, schließe die Augen kurz, suche nach der richtigen Formulierung – denn eine Wimper ist da sehr penibel – und wünsche mir doch immer nur das Selbe, wenn auch in unterschiedlichen Formulierungen, puste und…

 

Wie die Geschichte endet?

Meine Wimpern sind kaputt… Ja, ich denke daran liegt es: Meine Wimpern sind kaputt oder mein Wunschsinn oder mein Hoffnungshauch, der sie in die Luft schubst, ich sollte sie vielleicht auch in die Freiheit pusten und nicht von einer Badezimmerecke zur nächsten, die Formulierungen überdenken und und und.

 

Die Wimper, die gestern den Lidabsprung wagte, liegt auf dem Deckel einer Cremedose. Ich hab sie dort hin gelegt. Sie liegt da und wartet auf den wohl formulierten Wunsch, auf einen guten Tag, an dem ich sie auf meinen Finger lege, mit ihr auf den Balkon gehe und sie in den sonnig-windigen Herbsttag puste…

der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 3

September 22, 2009

Seit ziemlich genau sechs Wochen wandert eine Kiste durch meine Wohnung, sie stand schon im Flur (so die erste halbe Woche), dann in der Küche (dort verblieb sie weitere eineinhalb Wochen), im Anschluss kurz im Wohnzimmer (dort hielt sie es eine Woche aus) und seit nunmehr drei Wochen steht sie im Schlafzimmer neben meinem Kleiderschrank.

Es ist eine royal-blaue Pappkiste. Eine royal-blaue Pappkiste mit gelben Zierstreifen, der für eine weißgerahmte Comicsprechblase unterbrochen wird. In dieser Sprechblase befindet sich rechts unten ein spitzkantiger Stern, darüber prangt eine rotes „WC“ mit weißem Schatten hinterlegt, unter dem „WC“ in einem anderen, weißen Schriftzug „fix“. Es ist eine Pappkiste aus dem Supermarkt, in dem sich flüssiger WC-Reiniger – was im Übrigen unter der Sprechblase in einer weiteren, weißen Schriftart zu lesen ist – befand.

Wir haben diese Kiste aus dem Supermarkt mitgenommen, wir haben darin unsere Einkäufe (nicht ausschließlich flüssiger WC-Reiniger) transportiert, als sie leer war, haben wir sie in seinen Kleiderschrank gestellt und darin meine Sachen aufgehoben. Vor sechs Wochen habe ich diese Kiste abgeholt, sie ins Auto gestellt, bin mit ihr 560km gefahren, habe sie in meine Wohnung gestellt und nicht ausgepackt…

 

Bis gestern.

Gestern habe ich sie endlich ausgepackt: Drogerieartikel, Schlafsachen und ein paar mehr oder eher minder schicke Lümmelkleidungsstücke für Zuhause. Zuhause, mir wird schmerzlich bewusst, dass dies wohl nichts mehr ist was wir teilen werden. Mein Zuhause ist jetzt wohl wieder allein und ausschließlich im hohen Norden und sein Zuhause im fernen Südhessen.

Ich nehme den gerade weggepackten Rolli, der so wunderbar nach seinem Waschmittel riecht, stecke meine Nase in den Jerseystoff und fange an zu weinen. Nur ein bisschen.

Die hässliche royal-blaue Pappkiste  steht zwischen meinen Knien – leer.

der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 2

September 21, 2009

She hangs her head and cries on my shirt.
She must be hurt very badly.
Tell me what’s making you sadly?
„…

…immer noch Cat Stevens, das Lied mit meinem Vornamen (na ja zumindest fast) und ich… – und das Selbstmitleid.

 

Her eyes like windows, tricklin‘ rain
Upon her pain getting deeper.
Though my love wants to relieve her.

„Lisa Lisa, sad Lisa Lisa.“

(Sad E)Lisa greift zum Telefon…

Und eine Stunde später sitze ich mit meiner besten Freundin in der Stadt irgendwo zwischen Arbeit (noch zwei Stunden) und Hauptbahnhof bei „Mutterland“, einem netten Bio-Delikatessengeschäft und klammer mich an mein leeres Glas, in dem sich fettarmer Bio-Kakao mit fetthaltiger Bio-Sahne und einem Schuss Bio-Karamell befanden.

Sie schnieft (Schnupfen) und ich schniefe (Liebeskummer).

Ich starre hinaus, viele Autos, eine Baustelle, unmengen Fahrradfahrer, das Wetter ist zu gut für meine Laune, die Sonne scheint, Kürbisse werden hinein getragen, die Deko wird umgebaut, neben uns setzt sich eine glückliche Jungfamilie samt Fünfjähriger, die zu meinem Erstaunen Kartoffelrösti mit Lachs ist – Biolachs versteht sich.

Ich will weder Biolachs noch Biokuchen noch sonst irgendwas und das obwohl hier alles traumhaft ist, niedlich in kitschigem Papier verpackt, besonders, auf Blümchengeschirr serviert, lecker und der Kellner sich bemüht mein apartes Aus-dem-Fenster-starren-mit-verklärtem-Blick zu ignorieren, ich will nichts – zumindest nichts was ein Kellner mir bringen könnte.

 

„Was machen wir denn jetzt“, Mirjams Stimme.

„Wir…“, denkt mein Kopf und ich muss lächeln.

„Ich weiß nicht was wir machen. Ich weiß noch nicht mal was ich jetzt mache.“, und ich lächele, auch wenn ich es nicht müsste, denn sie würde auch so verstehen, dass mich dieses seltsam-lustige „Wir“ betreffend meiner Liebe amüsant finde.

„Vielleicht solltest du weiterkämpfen…“, sagt sie und ich merke, dass sie angestrengt darüber nachdenkt ob und wie „wir“ meine Liebe retten.

 

Bekanntlich erfordern absurde Situationen absurde Pläne.

 

Unser absurder Plan basiert auf der Tatsache, dass er ein großer Mittelalterfreund ist und ich Modedesignerin. Naheliegend also, dass ich nun mehr mittelalterliche Kleidung designen und nähen sollte. So dass ich im Frühjahr mit meinen Sammelsurium an bodenlangen Tunikaleinenkleidern mit Strickborten in einem kleinen hölzernen Stand auf einem südhessischem-nordbayrischem Mittelaltermarkt zu stehen und ihm die Gelegenheit zu geben sich neu in mich zu verlieben.

 

„Und nebenbei wirst du reich…“, Mirjams Stimme, während mein trotzig-liebender Kopf sich kurz überlegt, ob das wirklich eine Option sein könnte.

Wir lachen.

Und auf dem Weg nach draußen lasse ich mir von dem Kellner, der dankbar darüber scheint, dass ich mich nicht laut heulend auf dem Fußboden gewälzt habe, ein Probierlöffelchen mit Rosmarin-Karamell – natürlich Bio – andrehen und koste.

der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 1

September 17, 2009

Im Hintergrund läuft „Sad Lisa“ von Cat Stevens und wie immer – wenn das im Hintergrund in Endlosschleife läuft – ist das kein gutes Zeichen…

So wenig gut, wie die SMS, die ich gestern bekam.

„Du hast Recht zu dem Brief an sich möchte ich nichts sagen. Ich kann dir auch nichts sagen, was dir Hoffnung gibt. Nur auf mich zu warten ist zwecklos. Lass mich los.“

Das ist a) die Antwort auf den schönsten verzeih-mir-denn-ich-bin-so-dumm-weil-ich-nicht-wusste-was-ich-an-dir-habe-und-einzigen-Liebesbrief, den ich je schrieb (und auch abschickte), b) das endgültige Ende von etwas was eigentlich schon vor sechs Wochen beendet wurde, c) mein erster Versuch um jemanden zu kämpfen und d) die Art Wortlaut, die mir das Gefühl gibt eine Stalkerin zu sein. Ach ja – fast vergessen – e) etwas, was ich definitiv nicht hören wollte.

Und nun sitze ich also mit Cat Stevens auf dem Sofa, umringt von Taschentuchknäulchen, bemitleide mich selbst und versuche mein Wohnzimmer mit Tränen unter Wasser zu setzen um mein Rattansofa dann als Arche zu benutzen und durch die Fluten in eine neue Welt zu segeln. Braucht man dafür einen Segelschein?