Archiv für November 2009

„entdecke deine Stadt“ – Sinfoniekonzert in der Hauptkirche St. Katherinen

November 29, 2009

Im Sinne von „entdecke deine Stadt“ folgte ich einer Einladung und besuchte ein Sinfoniekonzert in der Hamburger Hauptkirche St. Katherinen.

Ich sitze 40 Minuten zu früh, von heiligen Fresken bestaunt, umringt von kleinen Asiaten (alias dem Sinfonieorchester der International Christian University, Tokio) in einer weißgetünchten Kirche und beäuge neben dem vorkonzertrigem Orchestergewusel die goldenen Skulpturenbilder, die mit Engeln gespickt, die Himmelfahrt Jesus‘ zeigen.

Ich bin in Kirchen nicht heimisch, vielleicht fallen mir daher seltsame Dinge auf: Haken als Taschenhalter – wie rücksichtsvoll; eine Schnitzerei, die aussieht als würde jemand Lämmer verscheuben – wohl eher hüten; rote Klinker unterm abblätternden Putz an einer der Säulen; ein Engel wie auf einem Barhocker stehend, der gleichsam einer Stweardess gen Notausgang zeigt – in dem Fall gen Himmel.

Auf jeder Bank steht ein metallenes Schüsselchen auf der Seite zum Mittelgang, in jedem zweiten ist eine Kerze. Die Kerzen werden angezündet, die Kirche füllt sich und ich frage mich, ob wirklich all diese Menschen gläubig sind!?

Nach einem Oboen-Trio mit Geiger singt ein blonder Mann in viel zu adrettem Smoking, die Brust weit vorgestreckt. Sein Haar – eine Mischung aus einem 80er-Jahre-Revival und modernem Haarschnitt, durchgestuft in Ohrlänge. Sein ewig lächelnder Blick zu arrogant um noch charmant zu sein, aber wenn ich die Augen schließe, bin ich in einem anderen Land. Sehe Bilder und Geschichten, könnt tausend Leben leben, Geschichten erzählen, Romane füllen.

Dann Applaus und Pause!

Vier Kontrabassspieler wiegen sich im Takt, drei davon Chinesen (nein Scherz, Japaner) – synchron streichen sie im Takt über die Saiten, ihre Köpfe wippen identisch, selbst das Notenblätterblättern erfolgt gemeinsam; der vierte, ein Deutscher vom Hamburger Konservatorium wiegt sich schön gefangen von der eigenen Musik – schön und herrlich asynchron… In der letzten Reihe eine schmächtige Dame, ruhend wie ein Pol, fast anteilnahmslos steht sie da, bis der Taktstock das geheime Zeichen gibt, ihre Trommelstäbe stürmen auf die Trommel ehallen die Kirche, grotesk versperrt ihr eine schwarze Strähne ihres Bobschnitts die Sicht; goldene Trompeten verschmelzen mit dem goldenen Altarbildern und spiegeln mich blendend helles Scheinwerferlicht.

Ich mag dieses seltsame Gemurmel, das entsteht, wenn sie die Instrumente stimmen, wie ein Schwarm Bienen, die sich dann doch auf eine Frequenz einigen und eine Sinfonie beginnen.

Das letzte Programmstück ist gespielt, in unglaublich schlechtem Englisch wird etwas angekündigt, was keiner versteht… Plötzlich tragen alle rote Umhänge und asiatisch Klänge ertönen: Seltsame Glöckchen, Bauklötzchenaufeinanderschlagen, euphorisches Trommeln, dann eine Flöte, die von Liebeskummer und Hoffnung singt. Vor hohen Kirchenfenster, die nichts als einen Blick ins Dunkel erlauben, das Orchester bebt laut und lauter, der Taktstock fliegt durch die Lüfte, das Mädchen mit der Bobfrisur trommelt um ihr Leben, Trompeten stimmen ein – tosender Applaus der eventuell gläubigen Besucherschar.

Glorreiche Horizonterweiterung…

weihnachtlicher Schokoladengeruch in meiner Wohnung…

November 27, 2009

Eine Schokoladenduftwolke fliegt durch meine Wohnung, in der Küche und auf dem Wohnzimmertisch liegen auf silbern glänzender Alufolie kleine Schoko-Karamel-Mandel-Dingilies (um nicht Häufchen zu sagen) und verströhmen besagtes Keksaroma in jede Ecke der Wohnung, die ich mein (Miet)Eigen nenne.

In meinem persönlichen Koch-Back-und-Überleben-mittels-Eindruckschinden-Notfallbuch läuft das backfreie Hüftgold unter dem Namen „mothers finest“ (für die Oldies: Mutters Beste). Obwohl eigentlich irreführend, da sich der Name nicht auf die grenzenlose Backlust meiner Mutter bezieht, sondern vielmehr auf die Tatsache, dass sobald diese „Kekse“ auf dem bunten Teller liegen, selbst sie keinen Bogen (trotz sonstigem Desinteresse gegenüber Keksen) drum machen kann…

Weihnachtsdeko, die Zweite

November 24, 2009

Alea iacta est!

 

Zumindest in Sachen Weihnachtsdeko! Samstag im Hamburger Arbeitsviertel Barmbek, in dem die Straßen neben zig bestsortierten, türkischen Obst-Gemüsehändlern und unzähligen Bäckereiniederlassungen mit massenhaft 1-Euroläden gesäumt sind, hab ich es entdeckt…

Weihnachtskugeln mit Holzrinde! Also Weihnachten in Naturfarben, insbesondere weil es nette, herzförmige Holzbilderrahmen und weiße Puschelkugeln dazu gab…

das „Tier“ in mir

November 23, 2009

In mir wohnt ein kleines Tier.

Vor langer Zeit hat sich eingenistet: Ein Bettchen hingestellt, ein Bild aufgehängt und für den Morgenkaffee einen Wasserkocher mitgebracht. Das kleine Tier verhält sich an den meisten Tagen friedlich. Wie gesagt, an den meisten, aber dann gibt es ja noch die anderen die, die übrig bleiben, wenn man die meisten abzieht.

Dann wirft sich das Tier auf den Boden, strampelt mit den Füßen, quengelt und wimmert, wie ein Dreijähriges in der Süßwarenecke vorm Kassenbereich des Supermarkts, manchmal agiert es auch präpubertär schmeißt mit Interiör und rennt köpfens zu Vorderst schwungvoll gegen Wände, boxt gegen Plexiglas.

Das Tier in mir – die Ungeduld!

 

Abwarten mein Crux. Was mir fehlt ist das Verständnis für den Sinn des Abwartens, aber auch der Grund ist mir meist ein Rätsel. So leide ich an den „tierisch-ungeduldigen“ Tagen dahin mit rätselhaften, grundlosem (Ab)Warten.

Das ungeduldige Warten bezieht sich nicht auf verspätete Züge oder Postzustellungen; auf Essen im Restaurant; Freunde, die mal zu spät dran sind, oder ähnliche tägliche Alltagswendungen. Meine Ungeduld bezieht sich auf Sachen, die diese Fragezeichen machen, und – ich gebs ja zu – so manches Mal auf auch vieles andere.

Hamburger Wetterlage immer noch in der 47. Kalenderwoche

November 21, 2009

Und nun? Sonnenschein!

Weihnachtsdeko und anhaltender Perfektionismus

November 21, 2009

Zum glorreichen Sockenfestival alias der verzögerten Einweihungsparty gabs neben Brot und Salz auch zwei Gutscheine von einer bekannten Dekoartikelgeschäftkette (einen von der spültüchtigen Mutti und einen von der nicht minder spültüchtigen falschen (da eigentlich beste Freundin vom meiner Ma) Tante). Nun bin ich also vorgestern vorm Lächeljob durch die Innenstadt um die Hüttchen geslalomt um diesen Gutscheinen einen sinnvollen Verwendungszweck zu geben und ins Dekoartikelgeschäft eingefallen.

Bei der Schlenderei durch die Gänge habe ich das ein oder andere Rentier bestaunt, schaukelnde Weihnachtsmänner besichtigt, Kienäppel beäugt, Pilze und Beeren gesehen, sowie falschen Pulverschnee, Engelsflügel betastet und das erste Weihnachtslied falsch mitgesummt.

Ich habe nichts ausgegeben! Beide Geschenkgutscheine und die Frage, wie man denn seinen Weihnachtsbaum schmückt, begleiten mich wieder in die Fußgängerzone…

 

Also, meine Wohnung bzw. mein Wohnzimmer ist ja nun beige, mit Holztönen, braun, ein wenig weiß und ein wenig weniger schwarz, dazu die schon eingehend beschriebene Aktzentfarbe grün…

Dazu ist zu sagen, dass ich dieses Jahr meinen ersten eigenen Baum haben werde und in Anbetracht der riesigen Auswahl immense Entscheidungsprobleme habe. Mein Kopf war zwar bestens vorbereitet und hatte sich in Anbetracht der vorherrschenden Wohnzimmertöne schon für silber, weiß und Naturtöne entschieden, aber dann sind mir diese kleinen Fliegenpilze mit Drahtfuß begegnet…

 

Ich liebe diese Fliegenpilze, aber sie passen nicht gut zu den sechs einzigen Weihnachtskugeln, die ich besitze. Mein Stockholm-Mitbringsel für mich selbst: Sechs Secondhandtannenzapfen in filigranem Silberglas ein den Zapfen ein bisschen Schneeweiß – zu schön!

Und wer nun denkt: Ach Frau von Lott, nun stellen Sie wsich mal nicht so an, dann machen sie halt Fliegenpilzen noch dazu, das fällt doch keinem auf und Sie haben ihre Kindheitserinnerung… Nein, nein, nein, da streubt sich mir mein Dekoherz und vom monkischen Hang zur perfekten Farbgestaltung fang ich gar nicht erst an.

 

Also, Fliegenpilze oder Tannenzapfen?

Hamburger Wetterlage in der 47. Kalenderwoche

November 19, 2009

Nach einem skeptischen Blick auf die Wohnzimmerheizung und der Feststellung, dass sie aus ist. Schnell ins Bad gehopst, ebenfalls aufs Thermostat geguckt und Selbiges festgestellt.

Skeptisch in den Spiegel geschaut und überlegt: Du hast ja nur ein Nicki an, aber du frierst ja gar nicht. Dann schnell auf den Balkon gehopst um das Innentemperaturgefühl mit dem Außentemperaturgefühl zu überprüfen. Passt! Also nicht, dass ich jetzt im Nicki zur Arbeit gegangen wäre, aber entweder die Außentemperatur ist quantenstrungartig gestiegen oder mein Körper hat sich an den Herbst gewöhnt.

Daher heute nur:

  • Leggings
  • schwarze Strümpfe
  • Hemd
  • der Alleskönnerschal mit Paisleymuster, der zu allem passt insbesondere zur Haarfarbe
  • kurzärmeliges Wickeloptikkleid
  • Stiefel
  • die heißgeliebte Pseudolederjacke (tausende Polyester mussten dafür sterben)
  • insolationstechnisch nicht besonders wertvoll, aber (heute im Sinne von) decoration is everything – goldene Klimperohrringe