Archiv für Oktober 2010

samstags im Kriesengebiet

Oktober 12, 2010

und die Antwort auf die Frage, wie man samstags Möbelhändler überlebt?

Theoretisch sind Möbelhäuser auch schwedische, toll. Man kann genüsslich durch die Ausstellung bummeln, sich in fremde Betten fletzen, heimlich Kinderrutschen testen, Deckenstabilitäten dank Hängesesseln prüfen und in falschen Küchen ein Eigenheim träumen. Praktisch kann man das auch alles tun, es sei denn es ist Samstag.

Samstags sind Möbelhäuser gleich Kosovo alias Krisengebiet.

Wenn man allerdings doch samstags zu IKEA muss sollte man der erste sein beziehungsweise die erste maximal aber die zweite sein. Ich bringe ein Regal zurück und kaufe drei neue, die ich nächste Woche ebenfalls umtauschen muss, was aber noch keiner ahnen konnte. In der Umtauschschlange ziehe ich eine Ziffer, denn das geht hier ganz ordentlich, ich habe Nummer sechs und bin immer noch unter den Ersten. Im Anschluss wartet Jammi draußen vor der Tür, ihre obligatorischen fünf Minuten Verspätung haben tatsächlich zum Umtauschen gereicht, gut wenn man seine Freunde kennt. Wir lassen die Lebensmittelausschenke des Obergeschosses links liegen und spielen weder mit Kinderrutschen noch in fremden Federkissen, sondern gehen direkt zum Möbelkauf über. Die Stimme einer hysterischen Ansagerin verkündet, dass der kleine Timmi doch bitte aus dem Plastikblaubeerland abgeholt werden möchte, da hieven wir schon energisch zwei Schränke, die so charmant verpackt und doch so ungemein schwer sind auf unser Einkaufsvehikel, obwohl dass nicht stimmt, denn wir lassen hieven, nützliche Herren verkünden, dass ihre Guttat für heute noch unerledigt sei. Wir opfern uns gern. Zwei Kartons und meine drei Standartwandregale später stellen wir fest, dass die Eltern des kleinen Timmis sich in Sachen Kinderabholung ungemein viel Zeit lassen, die Stimme der Ansagerin wird fast überspannt und es ist erst halb elf.

Wir zahlen und obwohl zum Erhalt von Arbeitsplätzen die Selbstkassen meiden wollten, schreckt uns die Jetzt-schon-Kasse ab, zum Teufel mit den Maximen. Beim Rausgehen meine ich in der Stimme der Ansagerin fast ein Schluchzen zu hören als sie erneut und in erhöhter Dringlichkeit bittet, den kleinen Timmi doch bitte endlich aus dem Bällchenparadies abholen zu lassen.

Advertisements

Mütterdasein

Oktober 1, 2010

Wenn ich dann sag: „Es fehlt mir halt, dass jemand da ist, der nahezu jeden Tag fragt, wie mein Tag war…“

Und die Mutti darauf hin jeden Abend anruft und fragt, wie mein Tag denn so war, dann ist klar, dass das zwar nicht das gleiche ist, aber doch so schön, dass mir vor Rührung fast ein wenig flau in der Magengegend wird.