Archiv für August 2012

Gutscheine fürs Brautpaar und (geheimnisvolle) Umschläge für die Gäste

August 31, 2012

„Liebe Gäste, 

in diesem Umschlag warten zwei Aufgaben auf Euch:

1. Post ans Brautpaar: 52 Briefe, einen für jeden Freitag im ersten Ehejahr, sollen geschrieben werden. Also ran an die Stifte: Wünsche, Anekdoten, Erinnerungen, meinetwegen ein Rezept – eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die passenden Umschläge (einen ganzen Bilderrahmen voll) findet ihr auf dem Geschenketisch.  

2. Gutscheine: Jemandem etwas Gutes tun, gerät im Alltag schnell in Vergessenheit. Also kurz überlegen, was kann Meggi Nico Gutes tun und andersrum. Dann Gutscheine ausfüllen und ab in die Gutscheinbox – ebenfalls auf besagtem Geschenketisch.

Vielen Dank, und weiterhin viel Spaß wünscht Lies von Lott.“

– 70 Umschläge mit je einer dieser Anleitung, zwei Gutscheinen und einem Blanko-Brief unter 70 weißen Stoffservierten für 70 Gäste – Gutscheine = Nachhaltigkeitsgeschenk Nummer 2! Denn niemand kennt das Brautpaar so gut wie die eigenen Gäste.

Zutaten:

einen Computer
photoshop oder paint.net (erstaunlich aber ja, paint.net!!)
festes Papier
Spezialpapier vorgestanzt (z.B. Visitenkartenbögen)
Farbdrucker
eine schöne Pappschachtel

Zu erwähnen ist, dass der wunderbare Haarschmuck im oberen Bild eine Leihgabe von Frau Bärchenstreich ist, die mir damit einen Rotakzent – wie vom Brautpaar gewünscht – im Vintagestil „anreichte“. Leider kam er nicht zum Einsatz, irgendwie fehlte mir zum Haarschmuckwechsel die Muse und so blieb es bei der weißen Blüte, die eine blondierte Friseurin aus dem Seniorenstift aus Großhansdorf (und nein, das ist kein Scherz, vielleicht ein ander Mal mehr) in meine wunderschöne Flechthaarhochsteckfrisur einbetoniert hatte.

Post fürs Brautpaar im Bilderrahmen

August 30, 2012

Zutaten:

  • einen kleinen Umschlag (vorsichtig auseinandergebastelt und als Muster verwendet)
  • dicke Pappe
  • Schere
  • Bleistift und Radiergummi
  • rotes dickeres Papier
  • Lineal
  • Kleber
  • Datumsstempel
  • ein sehr großer Bilderrahmen
  • ein passend großes Blatt weiße Pappe
  • 52 englische Briefmarken
  • lauwarmes Spüliwasser
  • ein schweres Buch (nasse abgelöste Briefmarten neigen zum Wellen)
  • Tesafilm
  • und Geduld

Endlich…

Ich sehne den 3. August herbei. Erstens aus kompletten Eigennutz, denn dann kann ich alles Kreative bloggen, was in den letzten Wochen bzw. Monaten entstanden ist; zweitens aus Gründen der Vorfreude; drittens aus Erschöpfung und in grenzenloser Dankbarkeit, dass das Ding nach gefühlt einem Jahr Planung, hundert Dekogesprächen, einigen sehr überraschenden Änderungen und einem stets sprunghaftem Zeitplan endlich eingetütet ist.

Das Ding ist die Hochzeit von der Friesin und ihrem Hafenjung…

Als Trauzeugin sehe ich mich in der Verantwortung für Geschenke mit Nachhaltigkeitsfaktor. Einmal in der Woche das ganze erste Ehejahr lang Post zu bekommen finde ich insbesondere in Zeiten der elektronischen Post schön und ungemein nachhaltig. Wenn man aber nun knapp 70 Gästen den Auftrag gibt dem Brautpaar binnen eines Jahres Post zuzusenden, schaffen das der Erfahrung nach nicht mal ein Drittel, also minimiere ich die Idee um den Briefkastenfaktor.

Anleitung:

  1. einen kleinen Umschlag vorsichtig auseinandernehmen – check
  2. Miniumschlag auf dicker Pappe nachzeichnen und ausschneiden – check
  3. Pappmuster verwenden und unter viel Gefluche an drei Abenden 52 Umschläge aus rotem Papier zuschneiden, zu Umschlägen knicken (geht am besten über eine Linealkante), dann Kanten kleben – check
  4. an Abend vier vorsichtig Freitagsdaten ab dem 10. August 2012 bis fast genau ein Jahr später auf die Briefecken stempeln – check
  5. an Abend fünf 23 weitere Umschläge basteln, grrrrr verstempelt – check
  6. und richtig stempeln – check
  7. sich vom guten Firmenhausgeist einen riesigen Bilderrahmen in Holzoptik schenken lassen – check
  8. Briefumschläge in elf Reihen – zehn a fünf und eine a zwei – auf eine weiße Pappe (Größe gleich Rahmengröße) kleben – check
  9. englische Briefmarken in lauwarmem Spüliwasser eine Runde schwimmen lassen, dann ablösen – check
  10. Briefmarken mit einem dicken Buch bewerfen und pressen – check
  11. gepresste Briefmarken auf die Briefecken kleben – check
  12. jedem Hochzeitsgast eine Anleitung mit einen minimal vorbereiteten Brief ans Brautpaar zukommen lassen z.B. in einem schlichten weißem Umschlag, den man wunderprima unter einer Servierte verstecken kann – check
  13. vor der Geschenkübergabe alle Umschläge mit Tesafilm verschließen und nein natürlich nicht einfach drauf, sondern als Schlaufe von unten gegen die Briefmarke geklebt, für die Ästhetik – check

Der nicht ganz so exzessive Bastler kann selbstredend auch einfach 52 kleine Umschläge kaufen!

Sonnenblume, Muskelkater und Apfelsaftschorle

August 21, 2012

 

Kleinpferdchendorf – endlich!

Zutaten:

  • Sonnenblume
  • und lustige andere Straßenrandblumen
  • und -gräser
  • stabile Fingernägel

Acht Stunden vorher: Wismar, kluge Entscheidung hierher mit dem Zug zu fahren. Nach vier Tagen Windsurfen und Wandermuskelkater – erster Tag Schultern und Arme, hat mal jemand versucht ein nasses Segel aus den Wellen zu ziehen?; zweiter Tag „Hallo Arme, hallo Rücken“ und blau befleckte Knie; dritter Tag „Jiehaaa, ich stehe…“, aber das Brett ist glatt selbst das Reinkrampfen mit den Zehen ändert das nicht, macht aber schönen Zehenmuskelkater (ja, Zehenmuskelkater!); vierter Tag nach links fahren nach rechts fahren und gleichzeitig ungemein angespannt sein – da wären die 70 Kilometer zwischen Neustadt und Wismar vielleicht etwas arg motiviert gewesen.

Wismar morgens um acht, Hildegard – mein Fahrrad – fit, ich frisch gefrühstückt und motiviert für drei.

Aufs Rad, entlang des Ostseewanderwegs bis zur zweiten verpassten Abfahrt. Ich komme durch einen nahezu einwohnerlosen Ort, an dem die einzig ansprechbare Bewohnerin eine alte Kittelschürzendame mit hysterischem Hund Norden und Süden nicht unterscheiden kann. Fakt meine Ostseewanderweg-orientierte Karte zeigt diesen Ort nicht an. Der Himmel ist grau, dies ist ein Abenteuerurlaub. Ich fahre ein Stück Bundesstraße – B 105 – und meine mich zu erinnern, dass Radfahren auf Bundesstraßen untersagt ist, bin mir aber nicht sicher, niemand hupt. Ich hangle mich von Straßenschild zu Straßenschild: Satow 27km. Satow liegt mittig zwischen Wismar und Rostock, aber weit ab vom Ostseewanderweg, ich biege ab und staune über die Hüglichkeit Mecklenburg-Vorpommerns, Oma wird mir später etwas vom den Güstrower Bergen (oder so) erzählen. Hier ist weniger Verkehr, ich zähle Leitpfosten, die Kette springt ab und mein Lenkradkörbchen dreht sich. 27km später Satow – Regen. Das erste mal wieder Mobilfunkempfang, ich esse einen Pfirsich und eine Banane, mitgebracht aus Wismar von einem überraschend orpulenten Frühstücksbuffet eines von Mutti gebuchten viereckigem Hotels mit einem orangem Einzelbettzimmer, in dem ich vorzüglich geschlafen habe und WLAN inklusive hatte. 10km später immer noch 20 weitere bis Rostock beginnt es zu regnen, die Dörfer stehen hier dichter (Großstadtnähe und so), ich finde Schutz an einer Bushaltestelle. Ich hole die zweite Strickjacke aus meinem Gepäck und funktioniere sie zu einem Schal um. Alle eineinhalb Stunden fährt hier ein Bus nach Rostock, 60 Minuten Wartezeit. Der Regen wird weniger, ich schwinge mich wieder auf Hildegard. Vorletztes Dorf vor Rostock – Regen und zwar richtig, keine Bushaltestelle in Sicht. Auf  dem Gepäckträger klemmt mein Handtuch, mit einer Haarspange funktioniere ich es zu einem wenig adretten Cape um. Nicht schön aber selten. Rostock Südstadt und endlich wieder eine Bushaltestelle…

Der Plan war entspannt und locker bei Sonnenschein in Kleinpferdchendorf bei den Rentnern aufs Gelände zu fahren. Aber der Plan war auch auf dem Ostseewanderweg 65km in sechs Stunden zu fahren um dann in Rostock zu übernachten… Hansesail und nicht ein freies Hotelzimmer. Ich rufe die Rentner an, teile meinen Aufenthaltsort mit, dass ich nach Ende des Regens abwarten muss, gleich den Zug nach Ribnitz-Damgarten nehmen werde und eventuell Opa als Abholservice in Anspruch nehmen möchte, wenn sich die Wetterlage nicht ändert… Die Wetterlage ändert sich und ich kann mein lächerliches Cape wieder auf den Gepäckträger spannen. Ein lustiger rüstiger Senior ebenfalls Radfahrer erklärt mit unter Beihilfe seines Smartphones wie ich denn auf dem schnellsten Weg zum Bahnhof komme. Die Strecke geht bergab ich fahre entspannt und gefühlte 180. Yeah Freiheit, ich fühle mich dem Ziel ganz nah. 5,50Euro kostet die Fahrt nach Ribnitz-Damgarten West Hildegard kostet mich weitere 5Euro. Westwind wäre Rückenwind, heute gibt’s Ostwind satt, meine Oberschenkel brennen, immer am Bodden lag, der pure Starrsinn. Strecken, die man sonst bei einer kleinen Plauderei im Auto zurücklegt, sind gesellschaftsfrei und mit Gegenwind ungleich länger, jetzt wird nicht aufgegeben. Ich schaue eins der aberhundert leerstehenden Häuser an, da kommt man ja sonst nicht zu; pflücke eine kleine Sonnenblume und etwas Dazugrün für Oma und nehme das letzte Stück in Angriff und dann endlich ein wohl bekannter Gartenzaun, das Tor ist offen, ich biege ab, schelle mit der Fahrradklingel und bin endlich angekommen!