Archiv für April 2010

(des Spargels) Geburtstag

April 28, 2010

„Soße Hollandaise, Maggimeisterklasse – ohhh, du schöne Spargelzeit…“

Ich singe, nicht besonders schön, eher selten und nicht aus Gründen der Schleichwerbung. Ich singe für das Geburtstagsgefühl. Geburtstagsgefühl in Geburtstagsnähe mit Geburtstagsvorfreude ist toll.

Kaum erklingt die eingängige Reklame-für-extrem-fetthaltige-Soßen-Werbehymne fängt bei mir im Kopf ein kleines Hulamännchen mit rundem Bauch und Blumenschmuck an die Hüften zu schwingen und alle paar Minuten die Arme empor zu reißen und „Ich hab bald Geburtstag!“ zu rufen. Das personifizierte Geburtstaggefühl!

„Ich hab bald Geburtstag…“

Einer der Sätze, mit denen ich wohl 95Prozent meiner Freundinnen schon an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hab, denn jeden zweiten Hulamännchenruf gehe auch ich verbal an.

Soße Hollandaise hat insofern mit meinem Geburtstag zu tun, dass mein Geburtstag in den Beginn der Spargelzeit rutscht; dank Globalisierung, Versendung spanischer Spagelernten via Luftpost sowie gut isolierten Spargelgewächshäusern inzwischen sogar fast auf Mitte der Spargelzeit. Maggi muss also frühzeitig die Werbetrommel rühren um den Soße-Hollandaise-Absatzboom (und die optionale Verfettung der Gemüsestängelliebhaber) zu sichern.

Um den Spargelkonsumenten frühzeitig auf das baldige Spargel-in-Spargelsoße-Tunken vorzubereiten startet die Werbekampagne pünktlich zum ersten April, was mir genau einen Monat Zeit gibt meine Mitmenschheit mit euphorischen Ich-hab-bald-Geburtstag-Ausrufen zu quälen (dem umsichtigen Leser ist aufgefallen, dass ich soeben unauffällig eingeflochten habe, dass mein Geburtstag auf den ersten Mai fällt, dem nicht ganz so aufmerksamen Leser wird es hier – zwischen den Klammern – auf die Nase gebunden)…

Aber in den vergangenen zwei Jahren hat das Geburtstagsgefühl eine schwere Schlappe hinnehmen müssen: Keine Soße-Hollandaise-Werbung. Maggi hat wohl unter der Wirtschaftskrise zu leiden oder unter den ganzen Figurbewussten und so werden Brathähnchen mit Anti-Backofen-Einsau-Tütchen beworben während der Spargel sein grün-weiß-violettes Dasein soßenwerbelos verbringt und ganz ohne Geburtstagsgefühl auf meinen Teller kommt.

Aber in zwei Tagen… (Ich hab bald Geburtstag!)

Hamburger Wetterlage in der 16.Kalenderwoche

April 21, 2010

Heute habe ich verzweifelt Noahs Telefonnummer gesucht, aber ich konnte sie nicht finden. Vielleicht hat Noah gar keine Telefonnummer mehr, denn als Endzeitfanatiker mit der Nur-ich-allein-werde-überleben-Option braucht man wahrscheinlich kein Telefon.

Dass ich Noah anrufen wollte liegt nur daran, dass ich fragen wollte, ob noch Logenplätze in der Arche frei wären und was sie denn kosten würden. Dass ich das fragen wollte, lag an dem illustren heutigen Wetter.

Wettertechnisch hatte Hamburg heute nicht nur einiges zu bieten, sondern alles: Nieselregen, Sonnenstrahlen, Schnürsenkelregen, Sturm und Wind, Schneegraupel, pralle nicht besonders warme Sonne und gruseligen Hagel.

Es ist April und wahrscheinlich muss das so, aber die ein oder andere Mittagspause des April würd ich gerne noch in der Sonne verbringen, kann mal wer ein Memo an die Wetterelfen versenden? Mein Memoversendegerät scheint nämlich defekt zu sein…

Entschuldigungen (optional unauthentisch)

April 21, 2010

Manche Entschuldigungen hören noch in der Hörmuschel authentisch an und verlieren beim Eindringen ins Gehirn und Aufnahme in die Wahrnehmungsprozesse an Bedeutung…

Zeitunglesen, eine Herausforderung an sich

April 20, 2010

Es gibt ja diese Dinge, die einem nicht so gegeben sind.

Und ich musste heute feststellen, dass mir das Zeitunglesen einfach nicht hold ist. Wenn ich eine Zeitung, also eine richtig echt große Angeberzeitung – nicht kompakte Studenten-Version – lese, brauche ich Platz. So viel Platz, dass ein S-Bahn-Sitzplatz nicht ausreicht. Zeitungslestechnisch habe ich ein ähnliches Platzvolumen wie die Wildecker Herzbuben beim aktiven Bauchtanz.

Und ich seh dabei aus… Wahrscheinlich so als hätte ich noch nie Blattwerk in der Hand gehalten, nicht so als könne ich nicht lesen, denn lesen kann ich, was auch jeder an meinem Links-rechts-Schweifblick erkennen kann, wenn ich die Seite erst einmal habe. Die Seite haben ist meine Herausforderung, ich bin umblätterunfähig.

Vielleicht gibt’s da ne Selbsthilfegruppe für!?

Wenn ich versuche umzublättern zerfällt die Zeitung in ihre Urbestandteile und ich suche verzweifelt unter den herausgefallenen Seiten die, die ich lesen wollte. Wenn ich das vermeiden will, lege ich die Zeitung auf den gegenüberliegenden Doppelsitz und blättere vorsichtig weiter, schlecht wenn da ne Rentnerin sitzt. Anschließend – also nach dem Umblättern – knicke ich die Zeitung auf angenehme Handhabungsgröße, meist ein Viertel der Gesamtgröße zusammen und vertiefe mich in den Artikel.

Leider lese ich schnell, so das bald wieder umblättern/umfalten/falzen und Rentnerinnen in ihrem natürlichen Sitzfeld belästigen folgt. Zum Glück habe ich momentan erst gegen sieben Feierabend und die Bahn ist recht leer, sonst hätte ich schon ne Anzeige wegen tätlichen Angriffs an der Backe (zu schwungvoll aufgeklappt).

Also Zeitungslesen Zeitungsumblättern liegt mir nicht, aber man kann ja auch nicht alles können, oder?

der Schlafzyklus treibt mich in den Wahn

April 19, 2010

Ich brauche acht Stunden Schlaf, nicht jeden Tag, aber fünf von sieben Tagen die Woche wäre ein guter Schnitt. Mit acht Stunden Schlaf bin ich ein ausgeglichener, fröhlicher und durchaus ertragbarer Mensch. Acht Stunden, denn mein normaler Schlafzyklus besteht aus einer halben Stunde Einschlafzeit (jahrelange Tests haben das ergeben) und fünf Schlafeinheiten a eineinhalb Stunden. Eineinhalb Stunden mit Leichtschlaf-, Halbschlaf-, Tiefschlaf und Träumschlafphase.

Acht Stunden Schlaf ist durchaus planbar – zumindest an den meisten Tagen. Da ich momentan die spätere der beiden Schichten habe und somit erst um acht aufstehen muss, ist mit den mathematischen Fähigkeiten eines Erstklässlers leicht heraus zu finden, dass ab Mitternacht Bettruhe herrscht.

Als Gernschläfer und Kissenliebhaber mache ich mich also pünktlich zehn vor zwölf auf die Strümpfe in mein Bett, hopse hinein (denn mein Bett ist ja hüfthoch) und dann – der Mensch ist eben doch Routinetier – auf die Seite gelegt, Decke übergeworfen, ein Bein wieder rausgestreckt und einen Arm gleich noch dazu – Standartprogramm. Noch eine kleine Runde links herum denken und noch eine kleine Runde rechts herum denken, ebenfalls Standartprogramm, aber dann nichts.

Kein Einschlafen. Mal flink auf die andere Seite gedreht, Arm rausgestreckt, Bein rausgestreckt, Augen zu, nichts passiert. Linksrum gedacht, rechtsrum gedacht, im Kreis herum gedacht und auch wieder zurück, Decke schwungvoll in die Höh geschmissen zwecks Umdrehung, da mir Schlafen unter zu warmen Decken unmöglich scheint, Fenster gekippt, aus Toilette gewesen, Kissen aufgeschüttelt, linksrum gedacht, rechtsrum gedacht, folgenlos. Einschlafen alle!

Ich gehe noch mal auf die Toilette, gucke auf dem Rückweg auf die Uhr – als ob das was ändern würde – 1:19Uhr. Ahhh! Linksrum gedreht rechtsrum gedachte, Bein eingezogen, Decke gewendet, Grummelgeräusch alias „Schlaf-du-Lurchenkörper-schlaf!“ gemacht, Fenster wieder zu gemacht, weil die Vögel nerven, Schafe gezählt, Elefanten auf Rollschuhen in Rüschenröckchen auch…

…die Sonne blinzelt durch das Rollo, Licht gleich Morgen dämmert mein Kopf bevor schlagartig meine Augen aufgehen. Morgendliches Licht weckt bei mir immer wieder die Urangst vorm Verschlafen. Ich springe auf den Flur, das Handy zeigt 6:27Uhr. 6:27Uhr genau eine Schlafeinheit vorm Aufstehen. Eine Schlafeinheit, denke ich, ab unter die Decke, linksrum gedreht, Bein raus, Arm dazu, Schäfchen gezählt abzüglich zwei Elefanten in Schlittschuhen mit lila Miniröcken, auf Toilette gegangen, wieder ins Bett gelegt, Decke gewendet, hierlang gedacht und dortlang auch… Aber Einschlafen ist alle.

Bewusstseinserweiterung (ungewollt)

April 19, 2010

Manchmal macht einem eine Klitzekleinigkeit bewusst, was ein anderer Mensch von einem hält oder für einen empfindet. Und nicht selten stellt man dann fest, dass man auf diese Information gern verzichtet hätte.

keine Panik

April 14, 2010

Eine weitere Kollegin ist krank, sie war beim Arzt – am Donnerstag, letzten Donnerstag – und ist nun krank geschrieben – von Donnerstag bis Donnerstag. Eine seltsame Krankschreibung, aber es wird seine Gründe haben…

Diese Krankschreibung führt dazu, dass ich mein Dasein nun öfter mal allein hinterm Empfangstresen friste.

Panik, in den ersten Tagen, grenzenlose Panik. Solange jemand einen Namen nennt und verlangt mit diesem jemand zu sprechen, alles kein Problem. Die Schwierigkeiten im Lächeljob fangen immer mit „Wissen Sie…“ an, denn „Wissen Sie…“ geht meist einher mit „ich habe gehört…“, „damals…“ oder „der Fonds Soundso…“.

Für „ich habe gehört…“, „damals…“ und „der Fonds Soundso…“ gibt es bei uns keine Listen. Obwohl es firmenintern massig Listen gibt, manche sind gut, manche sind seltsam, manche unnütz und manche seltsam sortiert.  Telefonate, die Listenzurhilfe zur Folge haben – Panik!

Drei Stunden war ich heute allein hinterm Tresen, drei Stunden alias unzählige Anrufer massig Listengucken und? Keine Panik!