Archiv für November 2010

Urlaub, Lissabon und die Frage: Wo ist Malvin?

November 29, 2010

Die Schlange des airberlin-Schalters schlängelt sich durch die Katakomben des Hamburger Flughafens, was natürlich eine Übertreibung ist, aber mit dem Zuspätdrangefühl, das mich begleitet, gleicht jeder Schlangenmeter einem Kilometer. Ich höre auf der überdimensionierten Flughafenuhr die Zeit verrinnen – auch Einbildung. Dreißig Minuten eher da sein sollte reichen, sechzig waren es bei mir und eine Schlange von 27Minuten. Alles will nach Lissabon letzte Sonnenstrahlen einfangen, schicke Lederschuhe kaufen, Cremetörtchen essen…

 

Es ist dieses „Ich-weiß-es-hätte-früher-sein-können-Lächeln“, das ich bei dem Weg an den Schalter bei mir trage. Die perfekt gestylte Reisetaschenbeauftragte ist zur Gänze unbeeindruckt, alles sei sowieso gut und „on time“, ich bekomme zwei Tickets und mein Minigepäckstück tritt getrennt von mir seine Reise an: Palma de Mallorca.

 

Yvönnsche ist derweil schon in Amsterdam.

Denn vollkommen logischer Weise fliegt man von Hamburg nach Lissabon über Palma und von München nach Lissabon über Amsterdam. Ja, so bekommt man die Welt zu sehen.

 

Die Airberlincrew trägt schmeichelndes Schwarz, ansonsten blutrot an Gürteln, Halstüchern und Handschuhen. Handschuhe… Handschuhe aus Leder in blutrot für eine Crew, die ihre Hauptarbeitszeit in einem aklimatisierten künstlichen Lebensraum verbringt, aber gut modisch gesehen ungemein schick. Das Mitfliegpublikum spaltet sich in die Lager sportliche Weltenbummler und Schicki-Micki-Familien in weiten Kaschmirpullovern samt Gucci-Brille und Prada-Tasche wahlweise auch anders rum. Es läuft wie am Schnürrchen, wir sind weiterhin „on time“, et jibt Stulle (wie der fröhliche Flugbegleiter mit Berliner Schnauze verlauten lässt) und kurze Zeit später landen wir in Palma. Ich war noch nie in Palma beziehungsweise auf Mallorca generell, aber – und ich nehme an das ist nur im Winter so – es ist ein Geisterflughafen. Geisterflughafen wie Geisterstadt, ich könnte Walzer tanzen auf Rollschuhen, keinen würde es stören, denn ich bin allein mit wenigen Lissabonfreunden.

Fast etwas provinziell.

 

Dann wieder Boarding.

Die Fluggesellschaft Teil zwei teilt sich mit meinem Yvönnsche den Vornamen, sozusagen Yvönnschefly.  Yvönnschfly ist die Airline eines mehr oder minder bekannten Österreichers mit einem zweifelhaftem Modegeschmack. Dieser zeigt sich nicht bei seiner Outfitwahl sondern bei den Flugbegleiterinnen. Während Airberlin die Gradwanderung zwischen modisch, modern und angemessener Arbeitskleidung gelingt, sieht die Crew von Yvönnschefly aus wie aus einem schlechten KIK-Werbespot. Jeans, pinkes Hemd, grauer Pullunder und Polyestersakko ergänzen sich zu einem unvorteilhaftem Zwiebel-Wurstpellen-Ensemble als Toppin gibt es eine pinke Golfermütze mit Plusteroptik, nicht schön aber selten. Ich sitze in Reihe drei am Gang, der Fernseher zwei Reihen vor mir hat einen Schneestreifen, mittig wie alle anderen auch. Ich bin mir sicher, dass Schneestreifen in Fernsehern nicht mit der Flugtechnik gekoppelt sind, aber ich bin mir auch sicher, dass ich sterben werde. Vor mir schreit ein Dreijähriger mit der Energie des jungen Pavarotti, es zerrt etwas an meinem hysterischen Nervenkostüm. Ich nessel an der Speisekarte, die Kleinigkeiten in Smartpappboxen anbietet, die Ecken sind angenuschelt und auch wenn das noch weniger mit Flugtechnik zu tun hat, habe ich mich schon wohler gefühlt. Meine Kopfhörer haben den Geist aufgegeben und ich sorge mich um mein Gepäck. Es gibt wieder Stulle, diesmal auch ohne Salatbelage.

 

Heil und sicher 90Minuten später –Lissabon.

Ich bin da, Yvönnsche (diesmal die echte) ist da und wartet am Gepäckband, das schreiende Kind ist da und auch sonst alle, außer meine schwarze Tasche, in der alles für eine Lissabonwoche ist und auf der silbern Malvin steht.

Bei Lost and Found muss man Nummern ziehen und geduldig sein. Mehr Schlaf wäre sinnvoll gewesen, mein desolates Nervenkostüm wimmert innerlich, Yvönnsche spielt das Was-in-meinem-Koffer-gewesen-ist-damit-sich-der-Verlust-lohnt-Spiel, ich möchte mich in der Embrionalstellung auf den Fußboden legen, „eine Gucciuhr…“ sagt Yvönnsche, ich denke an meinen Lieblingsschal und sage: „Eine Pradasonnenbrille.“…

 

Nach gefühlten Ewigkeiten sind wir dran, C91 ist unsere Nummer, C für Verlust und 91 fürs Warten, Taschenbeschreibung, ob wir schon in Bereich A geschaut hätten, ja und auf dem Gepäckband auch nochmal, Tascheninhaltsbeschreibung, dann Zettelausdruck, Unterschrift, ich möchte weinen und grause vor den optionalen Shoppingrunden, die mir bevor stehen, wenn nicht zeitnah die Malvintasche wieder auftaucht.

Vorm Gehen, mein Kopf hängt, eine weitere Runde ums Gepäckband und dann wie durch Zauberhand: Malvin…

Advertisements

weiblicher Teil eines Nichtpärchens am Strand

November 20, 2010

für alle Bildhungrigen, die wissen wollten warum Haffkrug rockt.

Das geheime Bildmaterial war Donnerstag Abend in der Post. Grußlos. CD in weißem Umschlag in größerem Umschlag mit zwei Adressen, meiner und der des Absenders.

 

Komplimenteannehmen für Anfänger und Fortgeschrittene

November 16, 2010

Komplimenteannehmen richtig: Kompliment einfangen, lächeln, sich freuen, das Kompliment ans mentale Memobord klippen, sich bedanken, gehen wie auf Wolken, sich weiter freuen.

 

Komplimente annehmen falsch: Kompliment abkriegen, sich wundern, eine Augenbraue hoch ziehen, alles hinterfragen, jede Silbe auf die Wortwaage legen, Tonlagen abschätzen, Buchstabenneigungen schätzen, eine Grübelfalte entwickeln, Ironie erahnen, abwiegelnd antworten, das Kompliment mit dem Hackebeil zerstören, den Komplimenteverschenker verwirren, komische Antworten erhalten, sich schlecht fühlen, die Rückspultaste suchen, das mentale Memobord auf den Fußboden schmeißen, schwungvoll drauf springen, sich als Komplextussi fühlen. Komplextussi mit geschnetzeltem Kompliment und zertrampeltem Memobord.

 

Nichtpärchentage am Strand

November 15, 2010

Auf seinen Fotos sehe ich aus wie der Mensch, der ich sein möchte. Als würde er durch sein Objektiv das Ich sehen, das einem perfekten Ich am nahsten kommt. Vielleicht ist es, weil er genau das sieht, wahrscheinlicher ist es Können und Technik und Licht und Photoshop. Können, Licht, Technik, Photoshop alias dem Grafen von Bro, der keine Zeit hat, weil Menschen mit vielen großartigen Objektiven sich großer Beliebtheit erfreuen…

Meine Alternativprogramm zu schönen Bro-Fotos sorgt für etwas Unbehagen in meiner Magengegend.

Es ist der Ex, nicht meiner sondern Jammis. Und so wie es Exfreunde gibt, deren Namen ein leichtes Schmunzeln hervorrufen oder Augenrollen, deren Geburtstage man verdrängt, deren Telefonnummern beim Auftauchen auf Telefondisplays keinerlei Aha-Erlebnisse hervorrufen gibt es auch andere, die man trifft und es fühlt sich immer noch wie Knüppelkotze an, als würde es niemals aufhören, wie ein leidiges Erinnerungszwicken, als wäre man eine Ansammlung von Fragen… Es ist nur so ein Gefühl, aber ich denke, er ist ihr Anderer, vielleicht der einzige Andere, aber doch irgendwie der, dessen Verlust noch genau das ist, ein Verlust eben.

Natürlich ist es okay, wenn ich ihm schreibe und wir Fotos machen – auf meine Frage, ob es okay für sie ist…

Wir fahren ans Meer, an einen kleinen Ort fast namenlos hundert Kilometer vor Hamburg und solche Orte sind für Pärchen gemacht, wie an düstereren windigen Herbsttagen ans Meer fahren auch für Pärchen gemacht ist und Teetrinken zum Aufwärmen im Kurbad zwischen Senioren auch für Pärchen gemacht ist, kleinkariertes Schubladendenken…

Kleinkariertes Schubladendenken, dass heute dahin kommt, wo es hin gehört. In eine Schublade, eine die verschlossen wird. Flucht in die Leichtigkeit, Wochenendfreude ohne Erwartung, selbst ohne Erwartung an Fotos.

Wir nutzen das begrenzte Novemberlichtfensterm, das uns zur Verfügung steht. Er kennt Haffkrug nicht, was rein verständlich ist, denn selbst Wikipedia gönnt Haffkrug nur einen Minieintrag. Wir parken bei der evangelischen Gemeinde, hinter einer roten Ziegelsteinmauer, neben Häusern, die aussehen wie Häuser in Kurorten auszusehen haben, niedlich mit Bänken in adretten Vorgärten davor. Hinter uns eine alte Sonnencremereklame, in Farben, die so heute zu Marketingzwecken niemand mehr verwenden würde. Kitschrosarosen stehen an blätterleeren Hecken, bevor wir an den Strand gehen.

Es ist schön hier…“, sagt er und klingt fast verwundert.

Der Strand ist weit ab von menschenleer, Kinder testen ihre Schneeanzüge von Tchibo auch ohne geeisten Regen, Hunde wagen sich noch ins Wasser, während die Besitzer die Köpfe schütteln, irgendwann reiten zwei Pferde vorbei, Hufspuren tief im Sand, in dem ich mich räkel, was sich weder charmant noch geschmeidig anfühlt.

Das Wetter ist uns hold, lässt uns sogar drinnen einen Tee trinken ohne uns anschließend mit Regen zu strafen, mein rotes Sausehaar fliegt im Wind immer unpassend zur Kamera – so mein Empfinden. Ich spiele mit Schilfgras und kletter in gestrandete Plastikboote in Kleidung, die sich farblich damit nicht verträgt – auch egal. Wir haben Spaß. Wir reden und lachen und selbst Momente voll Schweigen und seriös gucken, sind nicht mulmig, nicht angespannt. Ich frage, die Frage aller Fragen und bekomme, die Antwort, dass es eben manchmal so ist, dass die Liebe endet.

Die Antwort ist unbefriedigend, im Gegensatz zum Tagesverlauf und als der Himmel von grau-blau zu anthrazit wechselt fahren wir heim. Wir haben das Gefühl vor Hunger zu sterben, wie das nach Strandtagen so ist und beim Steak durchblättere ich die Fotos des Tages im Kameradisplay. Die Frau, die ich sehe ist eine andere als die, die ich vom Grafen kenne, es ist die, die ich öfter sehe…

frühmorgendliches Sonntagsprogramm

November 11, 2010

Von den zweiundfünfzig Wochenenden des Jahres habe ich an gefühlt fünfzig nichts vor. An den zwei bleibenden häufen sich die Tätigkeitsoptionen ins Unermessliche und an Schlaf, Ausruhen, eine Fernsehsendung gucken ist nicht zu denken.

 

Positiver Freizeitstress sozusagen.

 

Letztes Wochenende war es wieder so weit, da reichen sich die Nachhalloweenfeier und der Flohmarktbesuch die Klinke in die Hand. Erst fährt man des Nächtens ins Outback, im Gebäck einen etwas dunkel geratenen Käsekuchen und drei Liter Kürbissuppe, im Gesicht circa drei Kilo Make-up, bei jedem Licht im Rückspiegel Angst von der Polizei angehalten zu werden – das Outfir ist schwer zu erklären.

Vier, fünf, sechs Stunden später wieder zurück, Autobahn und Frau Otto Normahlverbraucher (mit gewolltem „h“) an der S-Bahnstation aussetzen, falle ich rücklings auf das Gästebett meiner Mutter um festzustellen, dass ich ein Schlafnicky vergessen habe, obwohl ich sonst fast nichts vergessen hab.

 

Drei Stunden später versucht mich meine Mutter charmant zu wecken, aber selbst Elfen- gar Prinzenküsse wären zu dieser Zeit von Charme so weit entfernt wie Mond von Sonne mit Erde dazwischen. Ich bin müde. Drei Minuten nach dem mütterlichen Aufwecken klingelt mein mobiles Telefon und ich schäle mich aus dem Bett, werfe mich in Kleidung, spachtel die drei Kilo Make up ab, erschrecke mich fürchterlich und spachtel 300g wieder drauf. Ich seh immer noch so müde aus wie ich bin, nur mit rosigen Bäckchen Wängchen.

 

Wir fahren nach Allermöhe, was wieder am Arsch die Heide ist, und landen in einer Autoschlange, die selbst der B105 zu Sommerzeiten alle Ehre machen würde. Wir stehen an als wären es 35Grad und wir auf dem Weg zu Ostsee an einem Freitag nach der Arbeit. Meine Mutter trommelt auf das Lenkrad, könnte aber auch Einbildung sein, ein postpubertierender Endzwanziger in Leuchtweste mit Streuselkuchengesicht weist uns den Weg und wir schieben das Miniauto in eine Parklücke, die leider doch um die Ecke des Haupteinganges ist.

 

Dicht dran beziehungsweise um die Ecke bekommt mit Gepäck eine andere Bedeutung, insbesondere dann, wenn man massig Gepäck hat und dieses Gepäck nicht in einem bis dreimal laufen transportiert. Drinnen werkeln la Mama und die Initiatorin dieses Events (eine Freundin aus Kindertagen mit Singvogelstimme) an zwei Tapeziertischen. Wirklich glücklich und hocheuphorisch sieht hier noch keiner aus…

 

Nach meinem vierten Gang zum Auto will ich mich nur auf den Rücksitz legen und schlafen.

 

Um sieben verteile ich die ersten Muffins (man ist ja vorbereitet) und habe schon ein Viertel meiner Habseeligkeiten verkauft. Gegen zehn kämpfen wir alle gegen unseren toten Punkt, der Singvogel singt, ich zieh das Dirndl an, gegenüber macht sich eine Frau breit, die um jeden Zentimeter Stellplatz kämpft und sich des Händlerrufs nicht erwehren kann, um uns rum blinkt Kinderspielzeug. Sie zwingt uns ein Gespräch auch und schlichtes Schweigen reicht ihr als Antwort, gegen halb zwölf zahlt sie das Mittag gegen Kistenplatz unter unserem Stand.

 

Mein Kleingeldfach sammelt Zwei-Eurostücke… Und auch die kleinen Scheine vermehren sich, ich wunder mich was Menschen auf Flohmärkten kaufen (als Käufer selbst bekommt man das nicht so mit), da ist vom Badeschlüppi über Make up und Strumpfhosen alles dabei. Ich ziehe eine Augenbraue hoch: „Nichts geht mehr in Sachen Preis…“, heißt das, hilft manchmal.

 

Nichts geht mehr in Sachen Preis“-Augenbraue scheint auch auf der Käuferseite zu funktionieren, so dass ich nicht mein ganzes Geld auf den Kopf haue, sondern bei dem feschen Kerl eine Treppe weiter unten, der die Restbestände aus Omas Dachboden verhökert „nur“ fünfzehn Euro ausgebe, für ein Buch, zwei Kerzenständer und eine ungemein fesche Retrodose. Im Tausch mit dem Singvogel erhalte ich eine Vase, sie ein Teelicht, das gut ins neue Badezimmer passt, mit dem neunen Schlafzimmer, in dem ein von mir geplanter PAX steht, aber dazu ein ander Mal mehr.

 

aus gutem Grund: Szenarienangepisstheit und Schokoladentarte

November 4, 2010

Ich gehe nicht oft essen, zumindest nicht so oft, dass ich schlecht gelaunte, Kopfschmerzen geplagte Menschen beim Essen ertragen mag. Wahrscheinlich kann man gar nicht so oft essen gehen, dass man Kopfschmerzen geplagte Menschen beim Essen ertragen mag.

Es ist Freitag und irgendwo in St. Pauli gibt es ein Restaurant mit frischen Spätzle und echten Schnitzeln also Kalbsschnitzeln auf der handgeschriebenen Minikarte, die Tische sind ein Flohmarktsammelsurium, an der Decke mit Stuck lugt ein Lampenkabel rausals hätte man ein Marsmännchen einbetoniert. Es ist nur semihell, das Publikum auf die ranzige Art schick, die Stimmung ist toll mit massenhaft Gesprächsgemurmel.

Doch die Anspannung meines Tischgegegnübers ist ansteckend. Ich mag Kollektivgefühle nicht besonders, insbesondere nicht die schlechten und doch fühle ich mich als hätte ich zur Vorspeise Stockbrot samt Stock gehabt… Meine unterschwellige Szenarienangepisstheit wütet an der Schnitzelzitrone, die darauf hin (Flucht nach vorn und so) den Herrn am Nachbartisch Kategorie Werbemensch aus Eppendorf mit cooler Fernsehbrille anfällt. Der nimmt’s gelassen, grinst nur.

Ich find’s schön hier, noch schöner wärs ohne Gesellschaft. Und weil Stimmungsmache für zwei nicht zu meinen favourisierten Freizeitaktivitäten gehört, ordere ich das Dessert zum Mitnehmen und zu Hause bei Schokoladentarte und Rotweinfeigen fällt mir dann ein, dass es eventuell doch nachvollziehbare Trennungsgründe ab…

schrumpfende Seifenblasenprinzessin

November 3, 2010

Vor außen sieht es nicht rein schicklich aus, bis auf den Schriftzug, der Schriftzug rockt, obwohl rockt wohl nicht ganz die richtige Umschreibung für einen türkisen Schnörkelschriftzug auf hellgelbem Grund ist.

In der Luft schwere Wärme, so dass man auf nette Art drei Zentimeter schrumpft. Wohlfühlstauchung und ein bisschen Respekt.

Das drei Zentimeter kleinere Ich und la Mama bekommen ein kariertes Tuch, das stark an Pakistanitücher erinnert (darf man das sagen oder ist das politisch inkorrekt?). Es ist auch nicht viel größer als ein Pakistanituch und reicht genau um die Körpermitte schwungvoll einzuschlagen.

Einen Raum weiter setzen wir uns an kleine Marmorwaschbecken, randvoll mit warmen Wasser, links und rechts zwei Messingschalen, die ungemein gut in meine Einrichtung passen würden. Ich lasse sie stehen. Unsere „Reisebegleiterin“ für diese Veranstaltung macht und auf die Geflogenheiten aufmerksam und wir machen uns nass. Im Hintergrund dudelt diese Musik, von der man die ersten drei Minuten denkt, man würde wahnsinnig werden und sie anschließend nicht mehr hört. Warmes Wasser aus Messingschüsseln, mein Tuch klebt an mir, wie nasse Stoffe das zu tun pflegen, mir ist warm, ich schrumpfe zwei weitere Zentimeter.

Wir legen uns auf den heißen Stein beziehungsweise auf die heiße Marmorplatte über uns eine Kuppel mit drei Himmelsgebilden, von denen wir zwei zuordnen können und bei einem raten. Ich beschließe nie wieder auszustehen bis die „Reisebegleitung“ mich überredet es doch zu tun.

Mein Pakistanituch darf ich nun abnehmen und meinen Kopf drauf betten, ansonsten ist meine Unterlage hart. Hart und nass und warm und etwas glitschig. „Entspannen Sie sich einfach, ich mache alles…“, verkündet die Reiseleitung und zieht an meinem Badeschlüppi das Stoffdreieck so, dass ich jetzt einen Badetanga trage, dann oben noch etwas runter – noch weniger Badeschlüppi. Dann geht’s los.

Peeling am Rücken, an den Beinen, an den Armen, am schlüppibefreiten Mors, Frauenhände an der Talje, dann drehen und ein „Vorsicht…“, glibtsch-glibtsch (Marmor, Körper, Wasser und so) macht es, Kopf zurück aufs Pakituch, dann vorderes Abschmirgeln. Von allen toten Hautschüppchen verlassen, Rückdrehung auf den Bauch – glibtsch-glibtsch-Vorsicht. Es riecht nach Citrus und nach Seife, Luft in weißen Baumwolltüchern und Schaum auf meinem Rücken, in meinem Haar und auch sonst überall. Ich die Seifenblasenprinzessin. Ich werden nie wieder aufstehen…

Nie wieder aufstehen. „So nun vorsichtig hinsetzen.“, und mehr Wasser aus Messingschalen, ich fühle mich klein, auf die angenehme Art. Klein wie Kleinkind in der Wanne mit warmen Wasser aus dem Zahnputzbecher. Dann im Bademantel aufs Sofa und dazu nen Apfeltee, noch drei Zentimeter kleiner und massenhaft erholter.