samstags im Kriesengebiet

und die Antwort auf die Frage, wie man samstags Möbelhändler überlebt?

Theoretisch sind Möbelhäuser auch schwedische, toll. Man kann genüsslich durch die Ausstellung bummeln, sich in fremde Betten fletzen, heimlich Kinderrutschen testen, Deckenstabilitäten dank Hängesesseln prüfen und in falschen Küchen ein Eigenheim träumen. Praktisch kann man das auch alles tun, es sei denn es ist Samstag.

Samstags sind Möbelhäuser gleich Kosovo alias Krisengebiet.

Wenn man allerdings doch samstags zu IKEA muss sollte man der erste sein beziehungsweise die erste maximal aber die zweite sein. Ich bringe ein Regal zurück und kaufe drei neue, die ich nächste Woche ebenfalls umtauschen muss, was aber noch keiner ahnen konnte. In der Umtauschschlange ziehe ich eine Ziffer, denn das geht hier ganz ordentlich, ich habe Nummer sechs und bin immer noch unter den Ersten. Im Anschluss wartet Jammi draußen vor der Tür, ihre obligatorischen fünf Minuten Verspätung haben tatsächlich zum Umtauschen gereicht, gut wenn man seine Freunde kennt. Wir lassen die Lebensmittelausschenke des Obergeschosses links liegen und spielen weder mit Kinderrutschen noch in fremden Federkissen, sondern gehen direkt zum Möbelkauf über. Die Stimme einer hysterischen Ansagerin verkündet, dass der kleine Timmi doch bitte aus dem Plastikblaubeerland abgeholt werden möchte, da hieven wir schon energisch zwei Schränke, die so charmant verpackt und doch so ungemein schwer sind auf unser Einkaufsvehikel, obwohl dass nicht stimmt, denn wir lassen hieven, nützliche Herren verkünden, dass ihre Guttat für heute noch unerledigt sei. Wir opfern uns gern. Zwei Kartons und meine drei Standartwandregale später stellen wir fest, dass die Eltern des kleinen Timmis sich in Sachen Kinderabholung ungemein viel Zeit lassen, die Stimme der Ansagerin wird fast überspannt und es ist erst halb elf.

Wir zahlen und obwohl zum Erhalt von Arbeitsplätzen die Selbstkassen meiden wollten, schreckt uns die Jetzt-schon-Kasse ab, zum Teufel mit den Maximen. Beim Rausgehen meine ich in der Stimme der Ansagerin fast ein Schluchzen zu hören als sie erneut und in erhöhter Dringlichkeit bittet, den kleinen Timmi doch bitte endlich aus dem Bällchenparadies abholen zu lassen.

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9 Kommentare - “samstags im Kriesengebiet”

  1. olga Says:

    Ich bin soooo froh, dass ich jetzt nichts mehr in meinem Haus brauche. Alle Möbel tun noch ihrer Dienste und sie bleiben gefälligst dort auch stehen wo ich sie zuerst hingeknallt habe (hinknallen ließ). Vor ca. 7 jahren kannten wir aber die Auslage von dem schwedischen Möbelhaus wohl besser als jeder Verkäufer dort! Inzwischen geh ich höchstens zum Hot-Dog-Essen rein :0D


    • Hot-Dog-Essen bei IKEA ist toll… Ansonsten hoffe ich, sollte ich mal ein Haus haben oder eine eigene Wohnung, dass ich annähernd ohne die Schweden auskomme und hauptsächlich Flohmarktschätze besitze.

    • kirschenkind Says:

      Die Hot-Dogs sind wirklich toll! Vor allem seit es im (näheren) holländischen Ikea auch Gurken und Zwiebeln gibt.
      Mir ist zwar jedes Mal schlecht, aber ich esse trotzdem immer zwei. Und vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal!

  2. olga Says:

    Wenn man Kinder bzw. Teenies hat ist der alte Schwede ganz praktisch. Die antiken Schmuckstücke werde ich mir dann wohl zulegen, wenn das Haus kinderfrei ist *hehe*

  3. Lola Says:

    Ich mag den Möbelschweden und komme immer mit viel mehr Krams raus als ich will. Also: „Heute kauf ich nur die Stuhlkissen, wirklich!“ Und dann ist am Ende wieder Geschenkpapier, eine Pflanze, Kerzen, Bettwäsche und so weiter in meiner Tasche.

    Und ich habe Glück, der Laden ist mit dem Auto in 15 Minuten zu erreichen. Ich fahre frühstens eine Stunde vor Ladenschluss hin. Herrlich entspannt.


  4. Ich mag den Möbelschweden auch.
    Frühstück kann ich nur empfehlen. Interessant, wie Menschen sich die Teller und Bäuche vollschlagen, um so billig wie möglich zu essen und zu trinken.

  5. Heinz Says:

    Und der kleine Timmi? Wurde er je wieder gefunden…?


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