Posted tagged ‘Rosch-Sardinenbüchsengefühl’

das besondere Geschenk

Juli 12, 2014

Leben ist das was passiert während man andere Pläne macht. Oder wie ich Nils kennen lernte.

 

Eine Liebesgeschichte: Am 30. April bekam ich kurz vor Mitternacht einen schaurig schönen Schlager gesungen. Schmiddie hatte den gedichtet und meine 20 Geburtstagsgäste sangen aus vollen Kehlen mitten auf der Osterstraße von einem Mann, der kommen könnte, denn ich sei ja jetzt bereit. Und wie er denn so sein müsste, sangen sie auch:

 

„Quirliges Mädchen ganz allein“

 

Das quirlige Mädchen steht vorm Restaurant und weint und lacht vor Rührung.

Nicht ganz eine Woche vorher am 26. April war ich mit Frank und einem Eimer voll Buttercreme essen. Frank ist mein Standartessengehbegleitungsfreund, denn mit Frank kann man sich ganz fabelhaft Lebensmittel teilen. Die Buttercreme gehört nicht zwingend zum Standart, sondern war für Mutti, denn sie meinte zwei Kilo Buttercreme (wobei es keine echte Buttercreme war, sondern Pflanzencreme, die nicht in die Kühlung muss) wären ‚good to have‘. Kurz vor Geburtstagen fragt man besser nicht. Auf dem Rückweg vom Wattkorn kommen wir durch geschickte Umleitung Richtung Kiez zur Buttercremeabgabe an meiner Wohnung vorbei. Auf dem Kiez…

 

„…sucht nach großen, breiten Schultern,

so um die 30 soll er sein,

der Typ von dem sie ständig träumt.“

 

Frank und ich stehen im Innenhof zwischen den drei Life-Band-Bars und diskutieren die Getränkewahl, Frank verschwindet zum Bierholen nach rechts, ich für ne Fritz Melonenbrause ins Draft House. Es ist eng, irgendsoein Brückentagswochenende, ich werde angeschubst: „Entschuldige.“ „Kein Ding ich bin Hamburgerin (na ja Zugezogene), ich kenn das.“ „Darf ich dich auf ein Getränk einladen?“

Darf er – Mike. Mike kann viel reden und redet in einer Geschwindigkeit, dass ich weiß, warum die Leute manchmal Schwierigkeiten haben, sich mit mir zu unterhalten. Frank kommt ins Draft House, Mike wird später sagen, dass er sich fühlte wie das personifizierte Zonkgeräusch. Frank und Mike unterhalten sich über Autos (Frank macht nämlich in Autos), Skandinavien und Neuseeland, ich war noch nie in Neuseeland, langweile mich ein wenig, wiege mich in der Musik und trinke Melonenbrause. Ich mag Melonenbrause.

Eine Blondine interessiert sich für Frank. Mike und ich setzen uns raus, das Wetter ist mild. Mike erzählt von seiner Familie, seiner Ausbildung, dass er 32 ist, dass er mal verheiratet war, ich erzähle vom Geburtstag, dass ich Schubladen mag und frage mich leise, wie jemand (außer mir) so viel reden kann. Wir teilen uns einen Cheeseburger. Er fragt nach meiner Nummer. Kriegt er.

 

„Das Single-Leben ist sie leid,

braucht was Warmes und was Kaltes

bietet ganz viel Zärtlichkeit

Sie sucht ihn für die Ewigkeit.“

 

Die Tage bis zum Geburtstag fliegen ins Land.

„Hey, sie sucht nicht den größten Lover,

der sich für den allerschärfsten hält

Sie sucht einen Typ, mit dem sie ausgehen kann,

sie weiß genau, was ihr gefällt.“

 

Nach dem Song, gehen wir auf einen Drink in die Bar Rossi, es wird Mitternacht, ich werde 30. Viktoria schenkt mir einen Button: ‚Ich hab heute Geburtstag alle müssen nett zu mir sein‘. Wir gehen weiter gen Kiez, die Runde ist kleiner, nur noch zwei-drei Lieder tanzen. Das Rosch ist voll, wir quetschen uns dazu, es gibt ein Sardinenbüchsengefühl, weder tanzen noch umfallen ist möglich.

ICH WILL TANZEN! Wir wechseln ins Draft House, weil man da in Sachen Platz immer noch mal Glück haben kann. An der Bar mit Blick zur Tür – Mike.

„Schön, dass du da bist, ich hab auf dich gewartet: Happy Birthday!“

 

Ich bin baff erstaunt. Später wird Mike erzählen, dass er da einfach auf ‚der Mensch als Routinetier’ gehofft hat und mir so gerne persönlich gratulieren wollte. Wieder Melonenbrause. Ich mag Melonenbrause. Ich mag Mike.

Mike mag mich und fragt nach den restlichen Geburtstagsplänen: „Brunch bei Mutti, dann dies und das und abends essen gehen mit Freunden.“ „Ist da noch ein Platz frei?“ Tatsächlich ist da noch ein Platz frei.

 

„Hey, sie sucht nicht den größten Lover

nein eher einen, der gut küssen kann,

der sie verwöhnt, ihr in die Seele sieht,

einfach einen echten Mann.“

 

Der Frühstücksgeburtstagsbrunch bei Mutti nähert sich, Mike (natürlich nüchtern) fährt Yvönnsche und mich zum Auto. Yvönnsche (natürlich nüchtern) fährt uns nach Hause. „Ich hätt den auch geküsst.“, verrat ich.

 

Nach viel zu wenig Schlaf gibt’s supertollen Frühstücksgeburtstagsbrunch bei, von und mit Mutti und den Oldies, Torte gibt’s auch mit Buttercreme, die eigentlich Pflanzencreme ist und keine Kühlung braucht.

Geburtstags-Button

Butter(Pflanzen)creme-Torte

Abends Pizza im Eisenstein, Frank ist da, natürlich ist Frank da und Yvönnsche – beides hervorragende Lebensmittelteiler – und Mike mit einer Schublade für mich. Mike stellt fest, dass ich nicht Elena heiße und ich dass er nicht Mike heißt, sondern Nils.

 

„Weiblich, ledig, attraktiv

mit den Beinen fest am Boden

sucht den ganz besonderen Mann,

der sie glücklich machen kann.“

 

Ich fühl mich wie in den Sandmännchen-Schlafsandbeutel gefallen. Nils bietet an uns (Yvönnsche und mich) heim zu fahren. Ich bin zu müde um das abzulehnen, obwohl er in die ganz andere Richtung wohnt.

Trotz Müdigkeit ich wär’ gern noch einen Moment allein mit ihm. Kurz vor meiner Haustür gebe ich Yvönnsche den Haustürschlüssel in der Hoffnung, dass sie den Wink versteht. Sie versteht, in einer James-Bond-artigen Hechtrolle springt sie aus dem gefühlt noch 10kmh schnellen Wagen zur Überraschung von Nils, der versichert, dass er doch auch angehalten hätte und auch die Tür aufgemacht hätte… Sie müsse jetzt los, sagt Yvönnsche, und überhaupt, sie nehme auch an, dass man sich wiedersieht – auf dann.

 

Nils erzählt von seiner Familie, seiner Ausbildung, dass er 32 ist, dass er mal verheiratet war und ich frage mich – nach 40 Minuten vor meiner Haustür, ob er mich vielleicht auch mal küsst. Und weil es kurz vor Mitternacht ist, ich jetzt 30 bin :) und den Mutigen die Welt gehört: „Sag mal Nils bist du eigentlich schüchtern?“ „Ja total, ganz schlimm, wenn’s um was geht. Wieso?“ „Ach ich frag nur, weil ich wissen wollte, ob die letzten 27 Möglichkeiten mich zu küssen verstrichen sind, weil du zu schüchtern bist oder weil du mich nicht küssen willst?“ „Ja ich bin ziem… – 27 Möglichkeiten? Was? Ich dürfte, also es wäre okay, wenn ich dich küsse?“

 

„Hey, sie sucht nicht den größten Lover

nein eher einen, der gut küssen kann,

der sie verwöhnt, ihr in die Seele sieht,

einfach einen echten Mann.“

 

Und dann Kuss und Brausepulver und alles schön.

Das ist die Geschichte wie ich zum 30. Geburtstag einen Mann bekam. Ich muss jetzt los. Nils hat gerade Frühstück gemacht.

 

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