Fantastismus

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http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13939962/Generation-Maybe-hat-sich-im-Entweder-oder-verrannt.html

Lies das, weil ich das lese und mich ein bisschen erwischt fühle und ein bisschen dankbar, weil ich nicht alleine bin mit der Türproblematik.

Ich nenne es Türproblematik. So viele Möglichkeiten, nichts hindert mich, tausend Türen, hinter jeder ein fantastischer Lebensentwurf, der meiner werden könnte. Und doch ist jede Tür der Verschluss aller (gut, dramatische Ausschmückung und Übertreibung)  anderen und die Befürchtung, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Somit das Leben in einer Entscheidungslosigkeit, das Gefühl alles wäre möglich, dieses Innehalten vorm Sprung vom Dreimeterbrett, die bei dauerhaftem Nichtsprung in einer nervösen Anspannung endet, in der nichts passiert außer, dass die Zeit vergeht.

Und die Zeit vergeht.

So einfach ist das und da sind wir wieder beim Wachbleiben bis die lila Wolken kommen, Feste feiern wie Konfetti fällt, Dopamin verschwenden…

Hier läuft gerade von Jan und Udo (Delay und Lindenberg) „Im Arsch“. Textzeile: „Auch Seifenblasen hinterlassen Trümmer…“ Nur theoretisch unlogisch, denn was ist schmerzhafter als einer zerplatze Utopie, ein zerplatzter Lebensentwurf, das ist ja wie der Tod eines Seelenteils (ja zwanghafter Drang zu Übertreibung ist vorhanden).

Früher (und früher ist kein früher im Sinne von vor zehn Jahren, früher ist noch nichtmals ein Jahr her), früher wollte ich alles auf einmal. Ich wollte der perfekte Mensch sein. Perfektion nach eigener Definition in fast absolutistischem Wahn und gleichzeitig so zum Scheitern verurteilt, dass vor Seelenteiltod manchmal fast der Atem fehlte. Und all dieses Perfektionstreben machte es nicht besser, sondern nur mich schlechter.

Ich war projektbeladen und willig: Diätwillig, sportwillig, designwillig, blogwillig, beziehungswillig, weggehwillig, kulturwillig, putzwillig, arbeitswillig, fortbildungswillig und unentschlossen, unzufrieden, prioritätenlos. Gescheitert an den eigenen Ansprüchen.

Und nun, nachdem früher vorbei ist…

I am may be not perfect but some parts of me are pretty awesome (Ich bin vielleicht nicht perfekt, aber einiges an mir ist ziemlich fantastisch)

Was ist eigentlich mit der Türproblematik, mit der Frau auf dem Dreimeterbrett? Sie springt!

Sollte nach diesem wunderbarsten aller Schlusssätze wirklich noch etwas stehen? Wahrscheinlich nicht… Und doch will ich noch sagen, dass ich jetzt Prioritäten setze und besser noch, dass es meine eigenen sind; ich habe erkannt, dass ein Abend vorm Fernseher kein Grund für ein schlechtes Gewissen ist und zwei auch nicht; dass übertriebene Projektbeladenheit nicht zufrieden macht, Entscheidungen treffen schon; man sich Glück schon selbst erlauben muss; dass ich meinen eigenen Fantastismus mag und Perfektion kein Lebensentwurf ist.

Und nun Schluss (für heute).

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2 Kommentare - “Fantastismus”


  1. Das projektbeladen und willig sein rächt sich später irgendwann einmal bitterlich, wie ich grad am eigenen Leibe und Seele feststellen darf – da kann es nämlich dann sein, daß man in ein Burnout gerät – aber so was von! Lebe bitte bedachtsam und achtsam, damit dir so etwas eines Tages erspart bleibt…


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