Freitagsmusik und die Welt retten…

I was supposed to do great things…

Ich sollte Großes leisten (freie und hoffentlich richtige Übersetzung)

Jaaaaaaaaa, ich sollte ein Buch schreiben, in einem VW-Bus um die Welt fahren, einen Modeblog führen und einen Innenarchitektur Zeitschrift, ein Haus bauen, die Welt retten, alle meine Klamotten selber schneidern, generell als Modedesignerin arbeiten – heute ist einer dieser Tage, an dem all diese Vorhaben greifbar nah scheinen.

Und weil man klein anfangen muss, startete ich heute schon mal in Sachen Weltrettung. Am Jungfernstieg steht vormittags ein gepflegter Hinz-und-Kunzt-(die-Hamburger-Obdachlosenzeitung)-Verkäufer, er grüßt jeden Morgen, bettelt nie, drängt sich nie auf. Gelegentlich gehöre ich zu den Menschen, die sagen „man müsste mal…“. Und nachdem ich viel zu oft „man müsste mal Obdachlosen helfen“ gesagt habe, ist diese Zeit nun um.

Der nette Hinz-und-Kunzt-Verkäufer verkauft mir nun einmal im Monat eine Zeitung, die kostet nur 1,90, das ist nicht viel – finde ich und weil das eben so wenig ist, habe ich beschlossen 5 zu geben. 3,10 sind immerhin ein gut belegtes Brötchen beim Bäcker, also eine Mahlzeit.

Ja, ich weiß, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Aber ich verstecke mich nicht mehr hinter dem Willen, alles richtig zu machen, blende – vielleicht kauft er damit nur Schnaps – wenn ich einem helfe, ist das ungerecht den anderen gegenüber – verhalte ich mich menschlich und ethisch korrekt – reichen einmal im Monat fünf Euro – aus und genieße das Gefühl ein kleines bisschen, die Welt zu retten.

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5 Kommentare - “Freitagsmusik und die Welt retten…”

  1. Inch Says:

    Und wenn er dafür Schnaps kauft, ist das auch ok, wenn der ihm wichtiger ist als ein belegtes Brötchen. Ich finde es nämlich ganz schön arrogant, (Achtung: ICH MEINE NICHT DICH!!!), wenn manche meinen, wenn sie schon spenden, dann müssten sie auch bestimmen dürfen, wofür das Geld ist. Das degradiert den Bettler, Obdachlosen, Hilfbedürftigen noch um einiges mehr. Nur weil nämlich jemand hilfsbedürftig ist, verliert er damit nicht sein Selbstbestimmungsrecht.


    • Guten Morgen Inch, du hast recht, er kann mit dem Geld machen, was er möchte, aber man wünscht sich doch durch die Spende die Menschen nicht tiefer (falls er da schon drin steckt) in den Akoholismus zu treiben…


    • Das sehe ich genauso. Ich habe auch Verständnis dafür, dass man in bestimmten Situationen trinkt.

      Meine ganze Hochachtung gilt den Menschen, die immer wieder für Hilfsbedürftige da sind, auch wenn sie wissen, dass diese allein dadurch nicht aus der Situation herauskommen werden.

      Weil sie respektieren, dass dies eben auch Teil der Selbstbestimmung ist, auch wenn es kaum auszuhalten ist.

      Ein Arzt kann seine Patienten auch nicht zwingen, sich gesundheitsförderlich zu verhalten. Diese Ohnmacht auszuhalten ist sicherlich schwer.

  2. Inch Says:

    Ach ja, und wie meine Oma immer sagte: Steter Tropfen höhlt den Stein, oder Kleinvieh macht auch Mist. Irgendwas passt schon. Wenn jeder 5€ monatlich übrige hätte, wäre damit wirklich schon viel getan.


  3. Die Obdachlosen, die diese Zeitungen verkaufen dürfen, müssen bestimmte Kriterien erfüllen, z. B. arbeitswillig sein. Sie stellen sich den ganzen Tag bei jedem Wetter im Freien, um ein paar Cent zu verdienen und müssen sich so manches böse Wort anhören.
    Egal was sich dieser Obdachlose dafür kauft, ich gönne es ihm. Du machst es vollkommen richtig.


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