Freitagmusik und classic friday

Der letzte Bus ist weg, die Ohrstöpsel in den Ohren: „No Doubt – I’m just a girl“

Ich mag Fliegkraft, die Tasche in beiden Händen und sich schwungvoll um die eigene Achse drehen… Die Straßen gehören mir, zwischen angeschalteten Straßenlampen gehe ich auf der Fahrbahnmitte.

Ich mag Radiomusik. Radiomusik ist wie eine Wundertüte, man kriegt was kommt, es kann wunderbar sein oder das Gegenteil. I’m just a girl = wunderbar!

Ich mag auch Freitage, an Freitagen ist das ganze Wochenende noch vor einem und voll von Möglichkeiten.

Nicht an einem Freitag, sondern an einem scheußlichen M-Wochentag (Montag oder Mittwoch, die selten dazu neigen besonders wunderbar zu sein) wurde ich wiedergefunden. Im Strand Pauli versteckte ich mich in einem Strandstuhl und hielt mich an einer Rhabarberschorle fest als ich eine helle Stimme meinen Nachnamen rufen hörte. „Frau …, Frau ……….. (langgezogener Vokal in der Mitte)“, Frau … wollte nicht, niemanden sehen, niemanden hören – auch Timo nicht.

Timo war unser Quotenschwuler im Modedesignstudium.

Ich bin selten besonders heiß drauf Modedesigner aus dem Studium zu treffen. Insbesondere nach scheußlichen Arbeitstagen nicht. Auch wenn es nicht glücklicher macht Modedesigner zu sein und ich generell nicht unglücklich bin, ist es doch die Sichtbarwerdung eines gescheiterten Wunsches. – Und erfordert ein schwungvolles, stöhnartiges Ausatmen um Mut um eine freudige „Was-mach-ich-so-was-machst-du-so-Unterhaltung“ zu führen, leider gibt es in diesen Momenten selten Platz für schwungvolles, stöhnartiges Ausatmen.

Timo ist die Quintessenz von Freude. Freude jemanden wiederzusehen, so viel Freude, dass man ein lockeres Wiedersehen verabredet, Pläne schmiedet und es dann wieder vergisst. Unverbindlichkeit, ich hasse Unverbindlichkeit. Ich glaube, es ist Neid über diese Lässigkeit sich nicht festlegen zu wollen oder zu müssen und sich trotzdem unvoreingenommen wieder zu sehen und sich wieder zu freuen, wieder Pläne zu schmieden, wieder bei den „man-sollte/könnte/müsste-mal…“s zu sein, wieder das Melden zu vergessen, weil es keine Dringlichkeit hat, oder keine Wichtigkeit.

Wir verabreden ein loses Wiedersehen. Am lose verabredeten Freitag drauf, 21.Juni, mein Telefon klingelt. Wir – Timo und Fabi (der feste Freund) und ich – sind verabredet, ich etwas irritiert. Eine gewisse Skepsis bleibt, ich bin nicht gut in unverbindlichen Freundschaften. Diese lockere, zufällig-spontane Sehen. Man muss sich nicht oft sehen, aber an seine Absprachen halten, weil doch ein jeder sich auch wichtig fühlen möchte…

Einen Freitag weiter, in der Mittagpause klingelt mein Telefon: „Heute wieder classic friday?“

„Ja, heute wieder classic friday…“ – und nur ein Quäntchen Verwunderung, wie etwas nach nur drei Wochen zum Klassiker werden kann.

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2 Kommentare - “Freitagmusik und classic friday”


  1. Ich kenne das Problem mit der Unverbindlichkeit. Ich gebe gut acht auf die Menschen, die verbindlich sein können und wollen. Mir tut das gut.

    Timo und Fabi klingen vielversprechend.


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