Wie geht das eigentlich: Entschuldigen für Anfänger und Fortgeschrittene

Ich weiß, entschuldigen ist echt keine einfache Sache, nicht mit sechs und nicht mit 36. Wobei ich fast annehme, dass es mit 36 schwerer ist, weil hinter einem keine Mutter steht, die mit Nachtischzwangsverzicht bis in die Unendlichkeit droht.

Also hier für falsche Adelige, Indianerkinder, Herrn Gutfriedlich (meinen Chef) und alle anderen Entschuldigungslegastheniker, die sich schon immer gefragt haben: Wie geht das eigentlich?

Eine gute Entschuldigung beginnt weit vor der guten Entschuldigung. Somit 1.: Erkennen, das war Scheiße!

2. Dem Erkennen der Scheiße folgt Reue, Scham und das Bedürfnis sich entschuldigen zu müssen, bestenfalls weil man dem eigenen Spiegelbild sonst schwungvoll eine runter hauen möchte.

3. Die Schuldfrage abstecken: An was bin ich Schuld und bis wohin reicht diese Schuld, für was genau möchte ich mich entschuldigen. Notizblöcke eindeutig erlaubt!

4. Es ist selten zu spät und nie zu früh. Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt und weil es immer der falsche Zeitpunkt ist, ist nahezu alles der richtige Zeitpunkt.

5. In Sachen Formulierung heißt es übrigens „Entschuldigung“ (nicht sorry; sorry ist für Verspätungen des öffentlichen Nahverkehrs, die das eigene Erscheinen verzögern) und weiter wofür – also um welche Scheiße geht es eigentlich, daher Punkt 3.

6. Nein-nein-nein, in Entschuldigungen hat das Wort „aber“ nichts zu suchen!

Zu 7. – Keine Erwartungen! Eine Entschuldigung auszusprechen bedeutet nicht, dass einem verziehen wird. Eine Entschuldigung ist schlicht das Erkennen der eigenen Schuld, das Eingestehen dieser sowie das Zeigen von Scham und Reue – Weißte Bescheid! Möglich ist aber gegen Entschuldigungsende zu erwähnen, dass man auf Vergebung hofft. Gelobt man Änder- oder Besserung ist hier generell Realismus angesagt; utopische Ideen, die physisch, physikalisch oder einfach Ihnen als Mensch nicht möglich sind, sollten nicht angeboten werden.

7 (Unterpunkt Vergebung)a. Geht es um Vergebung? Beharrlichkeit, Geduld, Engagement – dauerhaft. Wichtig, nicht zu verwechseln mit Stalking. Blumen und Kekse helfen, manchmal; Kreativität häufiger; falls nicht akzeptieren Sie das Nein.

7 (Unterpunkt Vergebung)b. Finden Sie einen guten Schlusssatz: „Aufgrund meines miesen Verhaltens habe ich mir selbst ein 2-jähriges Dessertverbot erteilt – Feiertage ausgenommen, sollte es neben dieser Unterzuckerung etwas geben, damit du mir verzeihst, sag mir Bescheid, egal wann du bereit dazu bist – meine Tür steht dir offen.“

Spezialsituation Ihnen-wurde-verziehen-obwohl-Sie-sich-nicht-entschuldigt-haben-vielleicht-bevor-Sie-festgestellt-haben,-dass-das-Scheiße-war. Letzter Tipp: Seien Sie dankbar, durchlaufen Sie die Schritte eins bis sechs, entschuldigen Sie sich trotzdem und bedanken sich, dass Ihnen verziehen wurde!

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11 Kommentare - “Wie geht das eigentlich: Entschuldigen für Anfänger und Fortgeschrittene”

  1. sweetkoffie Says:

    Entschuldigen ist auch mit 77 Jahren schwer bis unmöglich, wie ich unlängst feststellen mußte.
    Elton John hat es uns vorgesungen: soory seems to be the hardest word …
    :-)

  2. marlies Says:

    danke! keine ironie….

  3. Crooks Says:

    Großartig!
    Ich glaube ich muss das ausdrucken und an die Wand pinnen…
    Für andere, aber auch für mich.

    Übrigens hat mindestens eine 4-jährige große Probleme mit dem entschuldigen…
    Aber im Grunde hast du recht…

  4. Nathalie Says:

    das hast du sehr, sehr schön verfasst. wahre worte.

  5. Frau Momo Says:

    Wunderbar formuliert. Das muß ich mir auch mal ausdrucken. Ganz große Klasse.


  6. Ich wäre sehr für eine Fortsetzung dieser Rubrik.

    Fein erdacht und formuliert, ich bedanke mich.


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