Sorgen um besorgte Mütter

11:30 ich stehe in der Seitenstraße zur Hamburger und warte vor einem Gebäude, das nichtssagend ist und ein Klinikum für Oralchirurgie beherbergt. Mir ist schlecht, hinter den Türen liegt meine Mutter und wird auseinander genommen, ich klingle zweimal keiner öffnet, keiner antwortet. Macht das Gefühl nur semibesser.

Irgendwann lässt mich doch jemand rein und zwar der Kameramann, der meine Mutter zum Star der Oralchirurgie macht, was aber nicht der Grund für den Eingriff ist, diesen aber etwas bezahlbarer werden lässt.

Ich warte, Mutti wacht langsam auf und ich höre ihre Stimme, die fernab von der Klarheit ist, wie ich sie kenne. Aber sie scherzt… Ich fahre sie nach Hause. Möglichst langsam, Bodenwellen meidend.

Sie sieht aus als hätte sie den Klischkos gesagt, dass ihre Mutti fett sei. Bei Muttis hört auch das Gentlemansein der Klischkos aus. Es tut schon beim Hinsehen weh. Der Arzt hat neben der Videobesprechung mitgeteilt, dass es in den nächsten drei Tagen schlimmer und schmerzhafter wird. Ich habe Angst.

Mutti hält sich tapfer, wie immer.

Wir stehen uns in der Küche im Weg, ich mache Steckrübenpüree warm, nicht so wie sie sich das vorgestellt hat. Aber immerhin. Sie kocht Erbsen, Püriervorbereitungen fürs Abendessen. Kaffeetrinken, rauchen, Steckrübenpüreeessen, funktioniert teilweise, Geschmeidigkeit ist nicht zu erwarten, der Schmerz kommt langsam. Sie friert…

Nebenbei die Frage, ob ich jetzt beim Grafen wohne. Ich schmunzle innerlich. Ihre Befürchtung, dass ich mich aufreibe und/oder anschließend – nach dem WG-Dasein – in ein Loch falle, das bis Australien geht. Aber ich wollte schon immer nach Australien.  Ist-Zustand, was wird – keine Ahnung. Dass Aufreibung und Australienlöcher nicht ausgeschlossen sind – schon klar. Ich habe das ja nicht so mit Veränderungen.

Veränderungen wie meine starke, schöne Mutter zugequollen und schmerzverzerrt zu sehen, sind besonders anstrengend. Akutes Gefühl von Endlichkeit, Alter, Vergänglichkeit, Hilflosigkeit an. Und ja, ein Hang zur Überdramatisierung besteht.

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