süße Transvestiten und der Springmops

Frau Dr. Bärchenstreich, Kurt und ich haben eine Verabredung zu einer kulturellen Abendveranstaltung im Schauspielhaus. Das Portemonnaie keucht, es ist die Restkopenhagener Erschöpfung, aber dank Frau Bärchenstreichs goldenem Parkausweis ist das Keuchen zwar deutlich zu hören, aber noch nicht in einen debilen Schreiton übergegangen und gewisse Gelegenheiten muss man wahrnehmen: The Rocky Horror Picture Show.

Ich komme direkt von der Arbeit, bin nicht wirklich aufgebretzelt, Frau Bärchenstreich gleicht das aus. Mit dem Taxi fährt sie vor, Busfahren wäre wegen des gewagten Outfits sicher spannend geworden: Die Möpse mittels Korsage und Pünktchentop eine Etage höher geschnürt (mein Blick ist gefesselt, in die Augen gucken ist alle: Männer ich kann euch verstehen – jetzt), ein Petticoat und fesche Strümpfe dazu. Vorbeugen ist nicht, ausatmen auch nicht – die luftgefüllte Brust hält den waffenscheinbenötigenden Ausschnitt an Ort und  Stelle, sonst stellen wir noch fest wer von Puschel und Wuschel der Springmops ist.

Frau Bärchenstreich hat ihren eigenen Stuhl dabei (Kurt), wir sitzen in Reihe B, das ist die zweite Reihe von vorne über uns prangt eine imposante Decke, wir staunen erhaben. Der Saal füllt sich, eine Omi auf mörderischen Absätzen, mit Federboa und rotem Seidenhemd wird von ihrem Sohn, Freund, Begleiter gestützt geführt um nicht in den Rillen des Holzfußbodens stecken zu bleiben. Ein Schauspiel.

Ich bin ganz aufgeregt, Frau Bärchenstreich und ich schaffen es vorm „Aufzug“ noch schnell uns in Sachen Privatleben auf den neusten Stand zu bringen und dann hebt sich der Vorhang. Zwei Stunden Musiktheater, große Gefühle, fantastisches Makeup, Sky Dumont, der als Erzähler fungiert und jede Publikumsaussage tapfer in den Erzählfluß aufnimmt, spießige Unterröcke und bunte Strapse, es wird sich die Seele aus dem Leib gesungen, stählerne Goldjungen, ein immer erwartungsgemäß gekleideter Dr. Frank N. Furter – alles perfekt. Es fliegen Wassertropfen, Toilettenpapier, Konfetti und Spielkarten, dann wird grandios gestorben und der Vorhang fällt, tosender Applaus, ein letztes Mal Time Warp…

 

PS: Sowohl Puschel wie auch Wuschel haben sich vornehm zurück gehalten und sind beide im Körbchen geblieben, aber das nur anbei.

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9 Kommentare - “süße Transvestiten und der Springmops”

  1. Simonè Says:

    Sehr schön!!
    Ich fühle mich geehrt deine Auslage gestern überboten zu haben! :D

  2. Simonè Says:

    Ja und wer kann, der kann es auch mal präsentiern!
    In gekonnter „Unauffälligkeit“. Man muss ja nun nicht zwingnd im Mittelpunkt stehen und Blicke auf sich (bzw. einen Bereich von sich) ziehen nur weil man eben diese Möglichkeit hat! Oder sollte man diese Fähhigkeit gar ausnutzen die Auslage voller (Männer-)Augen zu haben?! Nein ich denke damit käme man bei der Hygienearmee nicht durch…

  3. juniwelt Says:

    Keuchendes Portemonnaie!!! Damit kann ich etwas anfangen :-)
    Kenn ich irgendwo her…

  4. Anna-Lena Says:

    Ich erinnere mich gerne an den Film, das ist schon wahrer Kult.
    Dein fetzig geschriebener Bericht lässt mich am Morgen breit grinsen, denn Erinnerungen werden wach…

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

  5. Vanilla Says:

    wunderbar geschrieben, Möpse sind was wunderbares.


  6. Möpse sind definitiv etwas wunderbares!


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