Abendgestaltung mit gefühltem Stern

Während des Mittagsschlafes ziehen drei Franzosen ein. Also kein Mittagsschlaf, auch gut.
So schaffe ich vorm Abendessen noch die ja DIE Insel (Slotsholmen), die Kopenhagen vor allem anderen war. Es ist nach fünf und somit habe ich eine gute Ausrede – neben dem weiterhin grandiosem Wetter – die Museen links liegen zu lassen. Das Gebäude, das mir am besten gefällt, ist sowieso nicht zugänglich. Die Börse. Die Börse hat nämlich eine lustiges Türmchen auf dem Dach, welches aus vier steinernen Drachenschwänzen besteht zwischen denen ein Spieß ist, auf dem drei Kronen wie Schaschlik stecken. Die drei Kronen stehen für die skandinavischen Königreiche. Da sie unterschiedlich groß sind, frage ich mich welche für welches steht.
Auf dem Rückweg verfluche ich wahlweise Kopfsteinpflaster und Absatzschuhe mit Blick auf schicke Hasuboote im Kanal und schleiche von Stein zu Stein hopsend am schwarzen Diamanten vorbei, der die Nationalbibliothek beherbergt und somit weniger Stein mehr schwarz verglastes Gebäude ist; lande wieder am Hafen – man hat ja so seine Orientierungspunkte – um drei Straßen weiter ins Madklubben zu gehen.
Madklubben heißt bezahlbare, aber gute Küche. Das Publikum ist zu über achtzig Prozent dänisch eine englische Karte gibt es trotzdem. Ich esse Hühnchenbrust mit Pilzen, grünen dicken Bohnen (adrett in dünne Scheiben geschnitten), roten Zwiebel, die fern ab von durch ganz neuartig schmecken und gedünsteten Minitomate. Die Soße ist zum Reinlegen, dafür nur leider zu wenig. Im Anschluss gibt es dreierlei Käse, einmal pur mit Cracker, einmal mit Honig und einmal mit dunklem Rosinen-Nussbrot und Stachelbeerchutney – großes Küchenkino. Ebenso wie der Nachtisch, hier gibt es für unentschlossene dreierlei Nachtisch, soll heißen alle die auf der Karte stehen in klein. Das was ich mir niemals bestellt hätte, schmeckt am besten: Salziges (ganz wenig allerdings) Karamellgebäck unter Rhabarberschaum mit Vanilleeisnocke, in der modernen Küche kugelt man ja nicht mehr. Man merkt, Kopenhagen ist die Stadt der meisten Michelinsterne pro Quadratkilometer.
Selbst bei den Restaurants ohne Stern.

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