3:1

11 + 7 = 18

9 – 7 = 2

6 + 5 = 12

3 + 4 = 7

17 – 4 = 13

Wenn Sie so ticken, wie fast alle Menschen, dann werden Sie kaum feststellen, dass da vier richtige Rechnungen sind, sondern eher feststellen, dass da eine falsche Rechnung ist. Ich las, dass das ein genetischer Urinstinkt ist um Gefahren schnell zu erkennen und sie umgehen zu können. Das ist Biosoftware anno minus 2000 vor Christus. Heute: Das umtrainierte Gehirn erkennt schnell die Unregelmäßigkeiten, Widrigkeiten, Unschönheiten und Fehler des Lebens, die Masse der (Rest)Schönheiten übersehen wir schnell.

3:1 eigentlich 4:1

Meine Mädelstruppe ist super. Bis auf Nathalie. Nathalie ist täglich zu spät, meist nur wenige Minuten, aber doch täglich, bei freiwilligen Aktionen erscheint sie nicht – aber wer will ihr das zum Nachteil machen – und Samstag ebenfalls nicht.

Samstag = Projekt als Pflichtveranstaltung bis mittags um eins. Ich bin wütend. Das ändert sich auch nicht als Vinzenz mir beim Mittagessen erzählt, dass sie sich ganz fürchterlich schlecht fühlt und krank ist. Das ändert nichts, denn ich weiß längst, dass sie bis morgens um sechs feiern war. Feiern ist okay, aber nur wenn Aufstehen und zum „Unterricht“ gehen folgt. Ich krieg fast ne Stirnzornfalte, als sie abends aufgetakelt beim Grillen auftaucht und ihre Abendgestaltung in Hörweite plant…

Nathalies Abendgestaltung dreht sich um Jungs, Party und damit verbunden sicherlich auch etwas Alkohol, vielleicht auch etwas mehr. Ich halte mich zurück und sehe wie die Internatsgesellschaft mit den Augen rollt. Als Nathalie geht werde ich prompt interviewt, was ich denn davon halte, von diesen aufgetakelten Mädchen, die immer Jungs und Party im Kopf haben (das Schwänzen hat  sich rumgesprochen). Und diese Frage ist wie ein Spot.

Spot an: „Ich denke, dass aufgetakelte Mädchen, die immer nur Jungs und Party im Kopf haben, das gleiche suchen wie alle anderen…“, und ich denke an meine Fastlehrervorbildfunktion „Sie suchen die Liebe, nur vielleicht mit den falschen Mitteln  und auf den falschen Wegen, denn insbesondere auf einer Schule mit rund 70 Prozent Jungs hat man es als hübsches Mädchen, das wenig Selbstbewusstsein hinter massig Glitzer versteckt, nicht immer leicht den richtigen Weg zu finden…“, antworte ich weise wie der Dalailama und habe selbst mich überzeugt. Nun wieder milde, sehe ich die umsitzenden Schüler seriös nicken. 100 Punkte, Weisheit mit Leuchtstift anmarker, Dalailamamodus – jiepiieh!

Drei Perlen zu einer trotz Glitzer nicht ganz so glänzenden. Guter Schnitt, mehr als halb voll, wenn man noch Paolina – meine Adoptivprojektlerin – dazurechnet: Vier zu eins, nicht mal ganz eins, denn Nathalie gelobt Besserung, arbeitet konzentriert und motiviert, sozusagen viereinhalb zu 0 Komma 5, das Glas ist bis auf einen Schluck noch voll, die Röcke fertig, das Leben schön.

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6 Kommentare - “3:1”

  1. Ruthie Says:

    2 sind falsch :)

  2. chinomso Says:

    Oh, Frau Ruthie-Rotstift. und ihre Biosoftware der Extraklasse
    :-) (ich darf das sagen, ich bin ihr auch schon zum Opfer gefallen)


  3. […] Lies von Lott Geschichten aus dem Alltag « 3:1 […]


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