Verkupplungsaktion von Fam. Normahlverbraucher

Ich habe das Auto und – wie man vielleicht nur als Gelegenheitsautofahrer verstehen kann – dieses fast grenzenlose Gefühl von Freiheit, sowie den Zwang ans Meer zu fahren. Die Sonne scheint, die Fenster sind runter gekurbelt, der Wind zerstrubbelt das Haar, aus den Boxen dröhnt die Hitparade in einer Lautstärke, dass es schon fast blechern klingt, alles Tatsachen, die die Entfernung zum Meer nicht kürzer machen. Ich singe und die Passanten gucken, denn Singen gehört nicht zu meinen herausragensten Eigenschaften.

Da die Abwesenheit von Meer und Abendplänen sich nicht mit der Anwesenheit eines geliehenen Kleinwagens vertragen, lade ich mich in den Schrebergarten von Frau Normahlverbraucher zum Grillen ein, auf dem Beifahrersitz ein Nudelsalat. Vorsichtig vorbei an dem Absperrboller, der Autolakiererei von Schrebergarten trennt, und dann zum Schaulaufen auf dem Mittellaubengang, teil kritisch teils wohlwollend beäugt aus blühenden Schreberlandschaften.

Ich biege da ab, wo ein oberkörpernackiger Mann übertrieben winkt und es schon verdächtig nach Holzkohle riecht.

Auf einer Bank, die bei jeder Bewegung mit dem Umfallen droht, sitze ich bei eingelegtem Supermarktfleisch zwischen den weiblichen Teilen zweier Pärchen. Gegenüber zwischen den männlichen Gegenparts sitzt ein Freund des Normahlverbraucher-Laubenkieker-Pärchen mit verspiegelter Sonnenbrille, die nichts erahnen lässt.

Ich fühle mich gemustert, könnte aber auch nur so ein Gefühl sein.

Zwischen zwei Löffeln Nudelsalat und zwei Pärchengesprächen, die erahnen lassen, dass Zweisamkeit auch nicht immer die optimale Lebensform ist, zwinkere ich Gegenüber galant zu – nicht als Anmache, sondern als solidarische Untermalung meines Grinsens zum Thema Tischgespräch. Das Gegenüber grinst zurück.

Zwei Stunden später verabschieden wir uns höflich Hände schüttelnd. Was nur geringfügig durch einen angeheiterten um uns rum schwirrenden Schrebergartenbesitzer und ein recht offensives „Wollt ihr nicht Nummern tauschen?“ wird. Wir schütteln noch etwas weiter Hände, grinsen latent verwirrt und verabschieden uns – natürlich ohne Nummerntausch.

Herr Normahlverbraucher wirft noch etwas Holz in die Feuerstelle und gibt dann recht unverfroren auch die Verkupplungsabsicht zu, nicht ohne zu erwähnen, dass mein Gegenüber von dieser auch wusste. Was mein Zwinkern im Nachhinein eventuell zu einer leicht fehldeutbaren Geste macht… Mh!

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5 Kommentare - “Verkupplungsaktion von Fam. Normahlverbraucher”

  1. Ruthie Says:

    So what. Es ist Frühling ;)

  2. Lola Says:

    Ohhh…es gibt nichts Schlimmeres…

  3. chinomso Says:

    It takes two to tango.
    Also, nette Episode. Haken dran. Sollen die mal planen und spekulieren und kuppeln wollen. Du machst das, was du für richtig hältst. :-)


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