Lissabonner Satzteile zum Erinnern

Ich möchte berichten:

  • von Öffnungszeiten, die relativ sind, und dass auch Öffnungszeiten von 13:30 bis 19:30Uhr niemanden von Mittagessen um halb drei abhalten
  • dass charmant schäbig bei Regen schlicht extrem renovierungsbedürftig aussieht
  • über englische Cupcakes, die statt typisch portugiesisch cremegefüllt typisch englisch cremegetoppt waren, und Tee aus rissigen pinken Rosentassen
  • über bunte Tops ohne Verschluss, die toll zu roten Haaren passen und mich zwecks Nichtverschluss nach dem Urlaub in den Wahn treiben werden
  • von Japanerinnen auf Weltreise nahezu ohne Englischkenntnisse
  • über Essensteilung mit Yvönnsche und großartigen Kirschlikör zum Nachtisch
  • von Fado und Fadosänderinnen, denen man auch ohne Sprachkenntnis anhört, dass früher alles besser war und Liebe schlicht mit dem facebook-Status es ist kompliziert zu umschreiben ist
  • von nächtlich mit Henningdrik geklauten Mandarinen, die ungenießbar sauer waren
  • von Flohmarktbesuchen, Schubladenknöpfen, roten Telefonen und Regenschauern
  • über das österreichische Pois Cafe, in dem es schlicht die meisten Portugiesen bis dato gab
  • wie wir gefühlte sieben Mal die (und Betonung auf die) Kathedrale passierten ohne zu wissen, dass es eben die Kathedrale ist und dann doch rein gingen
  • über nasale Supermarktbesuche, fast unerträglichen Trockenfischgeruch und frisch gemachtem Kürbisrisotto, welches Sid Amazing als something I always will remember bezeichnete, was auch immer das zu bedeuten hatte
  • von Sonnentagen, Tegoüberfahrten mit dem Linienbootverkehr, Knieaufschürfungen an ungeahnten Ecken des 110er Bus’
  • dass Christofiguren zwar massig „amazing view“ bieten für mich im Großen und Ganzen aber doch unaufregend sind (was Yvönnsche fast in den Wahn trieb)
  • wie wir in einer unspektakulären Straße das Cais Do Chiado fanden und in ihm keine Plastikstühle und unfrittiertes Essen, welches wir liebten und für einen Schnäppchenpreis zu bekommen war
  • dass wir 250Cent für eine Eiskugel ausgaben und es das wirklich wert war
  • wie Yvönnsche um der alten Zeiten Willen zwischen zwei Holländern und sieben Asiaten Rosenkohl puhlte und ich eine seltsame Carbonara-Rosenkohl-Pasta-Kombi erfand, welche die Hostelelfe Ammie aus Great Britain nachhaltig erfreute
  • dass wir durch geschlossene Aquädukte Zeit im Zeitkontingent fanden und stattdessen eine zerfallene Kirche besuchten, während uns die Sonne durchs offene Kirchendach beschien
  • wie wir frei von englischen Menükarten und englischsprechendem Servicepersonal biologisch essen waren
  • dass wir Plastikeis in Sachen Eislaufen testeten, was weder galant noch schön war und erheblich schmerzende Füße brachte, aber schlicht getan werden musste um behaupten zu können an einem Tag Eisessen und Eislaufen gewesen zu sein bei 12Grand plus mitten in Lissabon
  • von gegönnten Abendessen, sechs Gängen zum Schnäppchenpreis mit grandioser Aussicht und überragend freundlicher Bedienung
  • dass das Metrosystem überragend einfach und günstig ist, sowie kuriose unterirdische Haltestellen mit Fliesenarbeiten in Popart hat
  • wie wir zweimal rote Kopfhörer kaufen zum Preis von einem und alle vorgenommenen Museen aus Müdigkeitsgründen schwänzten
  • dass wir am Wasser saßen und ich mich fühlte wie in Hitchcocks „Die Vögel“, während Yvönnsche fasziniert Luftratten fotografierte
  • dass wir mit der Rollmethode das Koffervolumen aufs massivste ausreizten
  • wie wir endlich das Würstchenschwein trafen, welches traurigerweise doch nicht fliegen konnte, und im Anschluss wieder auf den Sitzsäcken versumpften und den Entschluss früh ins Bett zu gehen zur Gänze vergaßen…

Aber die Urlaubsrestmüdigkeit schwebt über dieser Woche und mein Hirn ist zu steinern um schöne treffende Sätze zu fabrizieren, beim Denken höre ich Gesteinsbrocken poltern, und so bleiben statt vieler kleiner Geschichten nur Satzteile zum Erinnern an einen aufregenden, schönen Urlaub.

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6 Kommentare - “Lissabonner Satzteile zum Erinnern”

  1. Eva-Maria Says:

    Du bist also zuhause angekommen… In Sachen kulinarische Erlebnisse haettest du eigentlich noch den illegalen Chinesen ausprobieren muessen. Solltest du diese Stadt noch einmal besuchen, gebe ich gerne eine Wegbeschreibung.

  2. Lola Says:

    Hach, Urlaub. Ich will auch wieder!

  3. podruga Says:

    das mit den tops ist jetzt aber schon spannend ;-)


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