in und doch fernab der Tourihölle

Die kleine Tafel, die das Abendgeschehen des Hostels verkündet, zeigt ein brennendes Huhn mit der Info Piri-Piri-Abend, was wenigstens ein Gewürz verspricht, das bösartige Öl mit massig Chili drin.

Inzwischen ist es zu unseren Hobbies geworden auf Speisekarten Gemüse und Unfrittiertes zu entdecken, ein Spiel mit geringen Erfolgsaussichten. Insbesondere um unser Hostel herum, denn netterweise liegen wir grandios zentral, aber nicht ganz so netterweise eben auch in der Tourihölle. Tourihölle, weil wenn man morgens das Haus verlässt und die Sonne scheint man rücklinks in den ersten Sonnenbrillenverkäufer fällt, der am nächsten Tag bei Regen zusammen mit seinen gefühlt dreihundert Kollegen Schirme anbietet. Tourihölle, weil um uns herum Restaurants mit Plastikbestuhlung sind, die ihre Außenbereiche Glasichtfolienpavillion schützen und eben ausschließlich Frittiertes anbieten oder nicht portugiesisch sind.

Nach dem landesüblichen Mittagsschlaf und einer geteilten Portion Maroni, die man laut Reiseführer in der Winterzeit an Lissabons Straßenständen probiert haben muss, entscheiden wir uns für das Huhn samt Piri-Piri. Essen gibt’s ab neun, dazu Sangria.

Die Sangria ist großartig, amazing, the best I ever had, sozusagen. Es gibt sogar Äpfel und Orangen, wenn auch in Sangria, aber das tut der Freude keinen Abbruch. Neben großartiger Sangria gibt’s großartige Gesellschaft:

Henningdrik, der irgendetwas zwischen Henning und Hendrik heißt, dreht sich kommunikationsmäßig seit dem zweiten oder dritten Wein im Kreis, sucht das Wort für Grünkohl und scheint eine real gewordene Reklame für Grünkohl- und Grünkohlfahrten zu sein, Wiederholungen inbegriffen; Jesse der Ami, der Job und Wohnung in New York verließ und sich nun im Weltenbummeln durch Europa übt, immer auf der Suche nach neuer Musik, da er heraus fand, dass selbst die neusten seiner musikalischen Frischentdeckungen eigentlich alte Sachen sind; drei Stunden später haben wir uns gefacebookt und festgestellt dass „facebook“ auch als Adjektiv funktioniert und eine weitere Stunde später ist Jesse Fan der Beatsteaks und findet auch Labrassbanda gar nicht ohne; Gi, der die Sangria machte, und die Schwedin mit dem argentinischem Freund, deren Name unaussprechlich und unerinnerbar ist, treffe ich in der Küche auf der Suche nach einem Glas, Yvönnsche versumpft in den Sitzkissen und im dazugehörigen Gespräch. Unser japanischer Zimmermitbewohner unterstützt das Gespräch mit gelegentlichem Nicken, ansonsten hält er sich vornehm zurück – typisch japanisch vielleicht.

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