undankbare Erstbegegnungen mit der portugiesischen Küche

Die Geschichte mit dem Flughafenbus ist narrensicher. Nach dem verlustigen Gepäck wäre auch alles andere untragbar für besagtes angespanntes Nervenkostüm.

Wir steigen am Rossio aus, neben uns die 23 Meter hohe Statue, auf deren Säule sich angeblich Peter IV zeigt, potugiesischer König zur Napoleonzeit. Angeblich weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eher den mexikanischen Kaiser Maximilian zeigt, der jedoch vor Auslieferung der Statue nach Mexiko ermordet wurde… Statuenrecycling sozusagen und in der Höhe von 23 Metern fällt die Unähnlichkeit der beiden kaum auf. Reiseführerwissen!

Wir biegen ein in die Rua Augusta und finden zwischen kleinen Geschäften ein goldenes Schild, dass aufs Tavellers House unser Hostel hinweist. Wir klingeln und werden von Emmi empfangen, die hier gestrandet ist und uns mit typical britain accent empfängt und an Jojo weiterleitet. Jojo, der schon länger hier ist und in der Sprechgeschwindigkeit von 1300 Wörtern pro Minute das Hostel erklärt. Ich verstehe rund 70Prozent, der Rest lässt sich zusammenreimen. Es ist schön hier, was das Internetranking prophezeit hatte. Sitzsäcke auf dem Fußboden, bunte Wände, eine niedliche Küche mit typischer Fliesenkachelung ganz wie der Flur. Unser Zimmer liegt im dritten Stock um die Ecke vom Bad. Wir schlafen oben in dunklen Holzstockbetten, die Bettwäsche riecht frisch, Gardinen und Lampen sind von IKEA, die Wände gelb.

Wir packen aus, entschließen uns nicht an der Bartour teilzunehmen, die vom Travellers House angeboten wird, sondern stattdessen schlicht Abend zu essen.

Es ist angenehm warm und da jede Straße dank ungeahnter Biegungen doch nicht da hin führt wo wir hin wollen, sehen wir mit Umwegen einige touristische Erfreunisse, die für heute nicht geplant waren, aber doch wunderbar beleuchtet sind. Wir entscheiden uns für ein Lokal dessen Namen wir nicht aussprechen können, das aber durch bunte Wände besticht. Tapas sind aus, sagt das portugiesische Servicepersonal in den 30ern mit Zahnspange. Wir bestellen Muscheln, anschließend Risotto mit Hase für mich und typisch portugiesisches Steak für Yvönnsche. Die Muscheln, die wir bekommen, sind kalt mit einer Senflemonensoße, die ihrem Namen alle Ehre macht und aus Senf und Lemonensaft besteht sonst aber gewürzfrei ist. Am Nachbartisch sitzt ein englischer Suggardaddy mit begrenzt gut gepflegten Zähnen und seine wesentliche jüngere Begleitung. Er bekommt etwas, was aussieht wie Haferschleim, soll heißen weißer Brei auf weißem Teller. Ich habe Sorge, dass es das Risotto ist. Eine Sorge, die er mir bestätigt. Ich hatte mir das anders vor gestellt, eher so in die Richtung Rundkornreis mit Parmesan, leicht goldgelb, dazu einige angebratene Streifen Hasenfleisch. Ich bekomme weder Rundkornreis noch Parmesan noch Hasen und erst recht nicht in Streifen. Mein Normalkornrreis hat weder Salz gesehen noch Parmesan, noch Zwiebeln noch irgendwas anderes als Instantbrühe, das Fleisch auf ihm ist zerfleddert wie Hühnchen in Hühnerbrühe und keinesfalls Hase eventuell auch kein Kaninchen, vielleicht Hühnchen. Yvönnsches Steak hat die Pfanne viel zu lange gesehen und ist so durch das zartes Rosa außen wie innen in minder charmantes Grau gewechselt hat. Das Ensemble ist erweitert durch Dosenpilze, laut Karte eine original portugiesische Zubereitung. Dazu gibt es Chips und zwar selbstgemacht, was löblich ist wenn auch das Salz vergessen wurde. Wir essen weniger als die Hälfte und als die Zahnspangenserviceperson fragt, ob wir wohl nicht hungrig waren sind wir ebenso wie das Essen recht ungalant und antworten wahrheitsgemäß, dann zahlen wir.

Nach dieser recht unerfreulichen Erstbegegnung mit portugiesischem Essen beschließen wir auf Nummer sicher zu gehen und wenden uns vertrauensvoll an den Reiseführer. Es gibt gebratenes Hähnchen mit Pommes, was besser ist und dank scharfer Piri-Piri-Soße auch den deutschen Frittenbudencharme verliert.

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4 Kommentare - “undankbare Erstbegegnungen mit der portugiesischen Küche”


  1. Gruselig das Essen. Da wäre mein Urlaub ja schon fast gelaufen, wenn ich sowas als Erstes kredenzt bekäme.

  2. zimtapfel Says:

    Uuuuuuuh, das klingt ja echt unlecker. Tja, solche Zufallsentdeckungen können sich als unglaubliche Schätzchen erweisen, aber genausogut auch als Misthaufen sondergleichen.
    Vor über drei Jahren auf Teneriffa hatten wir großes Glück mit dem gleich am ersten Abend entdeckten El Pescado, das wir sogleich für unser Stammlokal für den Rest des Urlaubs erklärten und dessen Karte ich noch heute in meinem Portemonnaie herumtrage.


    • Das ist schön.

      Lissabon, das Essen und wir haben uns auch angefreundet. Inzwischen essen wir gut und gelegentlich kommt auch mal ein Vitamin vorbei – ein kleines.


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