frühmorgendliches Sonntagsprogramm

Von den zweiundfünfzig Wochenenden des Jahres habe ich an gefühlt fünfzig nichts vor. An den zwei bleibenden häufen sich die Tätigkeitsoptionen ins Unermessliche und an Schlaf, Ausruhen, eine Fernsehsendung gucken ist nicht zu denken.

 

Positiver Freizeitstress sozusagen.

 

Letztes Wochenende war es wieder so weit, da reichen sich die Nachhalloweenfeier und der Flohmarktbesuch die Klinke in die Hand. Erst fährt man des Nächtens ins Outback, im Gebäck einen etwas dunkel geratenen Käsekuchen und drei Liter Kürbissuppe, im Gesicht circa drei Kilo Make-up, bei jedem Licht im Rückspiegel Angst von der Polizei angehalten zu werden – das Outfir ist schwer zu erklären.

Vier, fünf, sechs Stunden später wieder zurück, Autobahn und Frau Otto Normahlverbraucher (mit gewolltem „h“) an der S-Bahnstation aussetzen, falle ich rücklings auf das Gästebett meiner Mutter um festzustellen, dass ich ein Schlafnicky vergessen habe, obwohl ich sonst fast nichts vergessen hab.

 

Drei Stunden später versucht mich meine Mutter charmant zu wecken, aber selbst Elfen- gar Prinzenküsse wären zu dieser Zeit von Charme so weit entfernt wie Mond von Sonne mit Erde dazwischen. Ich bin müde. Drei Minuten nach dem mütterlichen Aufwecken klingelt mein mobiles Telefon und ich schäle mich aus dem Bett, werfe mich in Kleidung, spachtel die drei Kilo Make up ab, erschrecke mich fürchterlich und spachtel 300g wieder drauf. Ich seh immer noch so müde aus wie ich bin, nur mit rosigen Bäckchen Wängchen.

 

Wir fahren nach Allermöhe, was wieder am Arsch die Heide ist, und landen in einer Autoschlange, die selbst der B105 zu Sommerzeiten alle Ehre machen würde. Wir stehen an als wären es 35Grad und wir auf dem Weg zu Ostsee an einem Freitag nach der Arbeit. Meine Mutter trommelt auf das Lenkrad, könnte aber auch Einbildung sein, ein postpubertierender Endzwanziger in Leuchtweste mit Streuselkuchengesicht weist uns den Weg und wir schieben das Miniauto in eine Parklücke, die leider doch um die Ecke des Haupteinganges ist.

 

Dicht dran beziehungsweise um die Ecke bekommt mit Gepäck eine andere Bedeutung, insbesondere dann, wenn man massig Gepäck hat und dieses Gepäck nicht in einem bis dreimal laufen transportiert. Drinnen werkeln la Mama und die Initiatorin dieses Events (eine Freundin aus Kindertagen mit Singvogelstimme) an zwei Tapeziertischen. Wirklich glücklich und hocheuphorisch sieht hier noch keiner aus…

 

Nach meinem vierten Gang zum Auto will ich mich nur auf den Rücksitz legen und schlafen.

 

Um sieben verteile ich die ersten Muffins (man ist ja vorbereitet) und habe schon ein Viertel meiner Habseeligkeiten verkauft. Gegen zehn kämpfen wir alle gegen unseren toten Punkt, der Singvogel singt, ich zieh das Dirndl an, gegenüber macht sich eine Frau breit, die um jeden Zentimeter Stellplatz kämpft und sich des Händlerrufs nicht erwehren kann, um uns rum blinkt Kinderspielzeug. Sie zwingt uns ein Gespräch auch und schlichtes Schweigen reicht ihr als Antwort, gegen halb zwölf zahlt sie das Mittag gegen Kistenplatz unter unserem Stand.

 

Mein Kleingeldfach sammelt Zwei-Eurostücke… Und auch die kleinen Scheine vermehren sich, ich wunder mich was Menschen auf Flohmärkten kaufen (als Käufer selbst bekommt man das nicht so mit), da ist vom Badeschlüppi über Make up und Strumpfhosen alles dabei. Ich ziehe eine Augenbraue hoch: „Nichts geht mehr in Sachen Preis…“, heißt das, hilft manchmal.

 

Nichts geht mehr in Sachen Preis“-Augenbraue scheint auch auf der Käuferseite zu funktionieren, so dass ich nicht mein ganzes Geld auf den Kopf haue, sondern bei dem feschen Kerl eine Treppe weiter unten, der die Restbestände aus Omas Dachboden verhökert „nur“ fünfzehn Euro ausgebe, für ein Buch, zwei Kerzenständer und eine ungemein fesche Retrodose. Im Tausch mit dem Singvogel erhalte ich eine Vase, sie ein Teelicht, das gut ins neue Badezimmer passt, mit dem neunen Schlafzimmer, in dem ein von mir geplanter PAX steht, aber dazu ein ander Mal mehr.

 

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3 Kommentare - “frühmorgendliches Sonntagsprogramm”

  1. olga Says:

    Die Schminkpassage ist echt die beste Stelle :0))))))))


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