offener Brief und Lobhudellei – ein Dessertwandertag

Sehr geehrte Herren,

vielen Dank, dass sie das mitgemacht haben.

Aber von vorne: Zum Glück bin ich ein bisschen verrückt (narrisch heißt das in Bayern – glaub ich) und noch mehr zum Glück ist Yvönnsche auch ein bisschen verrückt und noch viel mehr zum Glück sind wir beide weiblich und haben beide eine Vorliebe für gute Lebensmittel. Mit guten Lebensmitteln ist kein Pirouetten drehender Joghurt gemeint, sondern gutes Essen im Sinne von wunderbar feinem tollen Essen.

Wenn man im Urlaub wunderbar feines Essen zu sich nehmen möchte und das von verschiedensten Lebensmittelkreateuren muss man sich was einfallen lassen. Entscheidungsfreude gehört nicht zu meinen herausragenden Eigenschaften und so entscheide ich – verantwortlich für die Urlaubsplanung – dass wir einen Nachtischtag machen. In verschiedenen Restaurants versteht sich.

Unser Dessertwandertag vereint einiges was der Reiseführer anpries. Wir starten spätfrühstücklich im Dallmayr, vorbei an dem Brunnen mit lebend Meeresgetier, umgeben von Kaffeeduft und dem Gemurmel fasziniert unentschlossener Touristen an der Theke mit der Hasselnusssalami landen wir im oberen Stockwerk mit Schokoladencharlotte und Birnenkäsekuchen. Wunderbar lecker und erfüllen damit Klischeepunkt Nummer eins der Touri-To-Do-Liste.

Nachmittags tummeln wir uns gerade am Gärtnerplatz und besichtigen schmucke Läden wie Museen, mein Modehirn spinnt irrwitzig und läuft fast heißt, dem schaffen wir Abhilfe und kaufen je zwei Kugeln Eis auf die Hand, in einer Eisdiele mit langer Schlage voller Einheimischer, die nicht auf der Liste stand. Das Eis ist gut. Besonders Feige, was vielleicht als weihnachtliche Dessertidee her halten muss.

Das Abenddessert übernimmt das weiße Brauhaus, hier gibt es Apfelküchle, die ohne Vanilleeis aus der Packung noch besser wären, und von der Saisonkarte ein Holunderbeeren-Knusperparfait mit Kürbiskompott, das ungewohnt, aber toll bissfest ist.

Das Tageshoch hatten wir aber schon mittags bei den Herren Landersdorfer und Innerhofer. Also:

Sehr geehrte Herren,

vielen Dank, dass Sie das mitgemacht haben. Letzten Freitag waren wir bei Ihnen zum Essen beziehungsweise auf einen Nachtisch zu Besuch.

Ich hatte im Vorfeld angerufen und mir von ihrem charmanten bayrischen Personal versichern lassen, dass Sie nicht die geringsten Einwände gegen ausschließlich nachtischessende Frauen hätten (in anderen Lokalen waren wir mit unseren Wünschen nicht ganz so gern gesehen und drum musste der „Blaue Bock“ unsere Gesellschaft missen – das als garstiger Wink nebsther).

Wir hatten grandioses Wetter, so dass wir sogar draußen sitzen konnten. Ein charmanter Mann referierte über die Karte und als ich nach Desserts fragte, stellte sich heraus, dass der junge Bayer, der charmante junge Bayer vom Telefon war.

Im Sinne von „Ich hab da mal was vorbereitet“ hatten wir drei Dessert zu Auswahl und entschieden und für Mohnschupfnudeln mit Cassisfeige sowie Vanilleeis und obwohl ich kein Freund von Vanilleeis bin hätte ich mich in den Teller setzen können, wären Teller nicht so verflucht instabil. Noch leckerer – falls das möglich ist – war das Karamellparfait in Begleitung eines kleinen Schokoladenetwas’ und Sauerrahmeis. Ein Stück des (wie wir inzwischen wissen) zu recht gelobten Kartoffelbrotes gab es auch dazu.

Vielen Dank Herr für den Tanz der Geschmacknerven, beim nächsten Münchenbesuch kommen wir wieder.

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7 Kommentare - “offener Brief und Lobhudellei – ein Dessertwandertag”

  1. tonari Says:

    Ah, jetzt braut sich mir die Geschichte zusammen ;-)

  2. Ruthie Says:

    Sind ja auch tolle Namen für Nordlichter ;)

    Es klingt unverschämt lecker, und ich freue mich, dass Ihr nicht nur auf Absagen gestoßen seid. (Da frag ich mich dann, was das für Geschäftsleute sind: Wollen lieber gar nix verdienen als – teure – Nachspeisen zu verkaufen? Hä? Und wo bleibt der Service, die Touristenfreundlichkeit?)

    Es ist jedenfalls eine GUTE Idee!

  3. Lola Says:

    Ich liebe Nachtisch. Das klingt wie der Himmel auf Erden…

  4. Patricia Says:

    Was ne gute Idee! Muss ich auch gleich mal im nächsten Urlaub ausprobieren ;-)!


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