Wiesn – skurrile, lustige Welt

Yvönnsche ist geschafft, ich hoffe weniger von mir als mehr von ihrer Erkältung. Nachdem wir es tatsächlich noch geschafft haben bayrisch essen zu gehen, gibt sie mich am Zelt ab zu dem sie eine Einladung für uns über einen Freund hat. Cliquing nennt man das vielleicht. Ich bin fasziniert, Yvönnsche auf dem Heimweg, es wird gebusserlt und geherzt, ich kenne keinen und sitze auf der Empore an einem Politikertisch, der hauptsächlich von Grünen belegt wird. Ich finde das hat durchaus einen humoristischen Ansatz.

Pärchen auf Veranstaltungen wie diesen sind oft illuster. An unserem Tisch sitzen zwei. Neben mir sitzt ein halbes Pärchen in Form einer jungen Frau, mit mehr oder minder faszinierendem Lebenslauf, durch meinen Abendgesellschafter (Yvönnsches Freund) erfahre ich „zukünftige Führungsriege der jungen Grünenpolitik Münchens“. Ihr Freund sitzt direkt neben ihr und ist nicht minder wichtig, dafür aber um so betrunkener, aber auch betrunken kann er große Politik machen, so wird verabredet, diskutiert, seine Freundin wirkt extrem genervt, stößt ihn schwungvoll in die Rippen, er kauft eine Rose, was nichts ändert. Neben ihr sitzt eine lange Blonde im rosa Dirndl mit hellblauer Schürze, ich ernte einen bösen Blick. Ihr Lebenslauf ist einschüchternd, sie hat alles gemacht, inzwischen macht sie ihren Doktortitel oder so, weil sie einfach mal etwas Abstand brauchte. Das erfahre ich nicht von ihr, sie ist beschäftigt regelmäßig über den Tisch zu greifen und Schnuckelpuckels Hand einzufordern zum gemeinsamen Anstimmen eines jeden Schmuseschlagers. Es laufen viele Schlager. Sie guckt zwischendrin in meinen Ausschnitt, aber auch dabei gewinnt ihr Blick wenig Freundlichkeit. „Sie ist sehr eifersüchtig…“, wird mir ins Ohr geflüstert, ich lächle wissend und überlege, ob Schnuckelpuckel und ich schon ein Wort gewechselt haben. Haben wir nicht. Schnuckelpuckel sieht aus als hieße er Jan-Sören und ernähre sich von Tofuschnitzel während er ein Referendariat irgendwo mache. Macht er nicht, auch Schnuckelpuckel macht irgendwas Politisches und hat die Referendariatszeit längst hinter sich gebracht. Die kühle Blonde kontrolliert seinen Bierkonsum und taut auf, sobald ein netter, meist fescher Politikfreund des Weges kommt oder ein Schmuseschlager.

Unsere wuchtige Tischdame beendet das politische Treiben und nach einem Wiesnbummel und zwei Fahrgeschäften bleiben nur zwei: Mein Abendgesellschafter und eine Neunzehnjährige mit einer Lache, die so ansteckend ist, dass man sich kaum halten kann. Als die Lichter der Fahrgeschäfte ausgehen, wollen wir ins Substanz und landen im Fetz oder so. Im Fetz oder so wird spielt man Rock und Punk und würfelt um Getränkepreise. An der Bar steht eine Frau, die aussieht wie eine Trixi, sie ist ein Rockabilly im rot-weiß geringelten Top mit schwarzer Haartolle und massig Tätowierungen. Ich würfle um Massen schlechter als Trixi und zahle selbst. Neben mit sitzen zwei Punks, mir gegenüber mein Abendgesellschafter in Lederhosen – skurrile, lustige Welt.

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9 Kommentare - “Wiesn – skurrile, lustige Welt”

  1. Ruthie Says:

    Na, Hauptsache, Du verlierst den Überblick nicht :D Viel Spaß weiterhin!

  2. podruga Says:

    boah, was für ein chaos… herrlich!

  3. Ansku Says:

    Göttlich, dieser Artikel, danke Frau von Lott! :lol: Ich wär so gerne dabeigewesen! Ich liebe die Wiesn eh schon, weil es so ein schaurig-schön skurriles Spektakel ist, aber für Nicht-Münchner muss sie nochmal skurriler anmuten. Ich liebe solche Berichte. Eine Freundin von mir aus Bonn ist vor etwa drei Monaten hierhergezogen und war wie Sie neulich Dirndl kaufen. Ihr einziger Kommentar dazu war: „Nicht wahr, Frau Ansku, zum Dirndl kaufen darf man nicht prüde sein?“ Neee, darf man nicht. ;)


    • Ich bin ein Freund des Skurrilen…

      Und wo die Freundin recht hat, hat sie recht. Zum Dirndlkauf sollte man jegliche Prüderie ablegen. Aber da ich eh nicht viel davon hatte, war das nicht so schwer.

  4. chinomso Says:

    Ich war nie da und ich wollte nie hin, bei dem was man so hört. Aber das klingt dann wieder ganz nett und lustig. **grübel**

    Sollte ich 2011 doch mal? Ne Freundin könnte mich ins Käferzelt schleusen. Und meine Mutter könnte mir ein göttliches Dirndl nähen. **2x grübel**

  5. Heinz Says:

    München und Hamburg? Das sind beides schöne Städte!


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