statt „eigentlich gut“, Wahrheit für Zufallsbekanntschaften

Mein Münchenurlaub ist gelinde gesagt voll von Sachen, die ich unbedingt machen will. Unbedingt machen will ich: Einen Schmalzkuchen in der besten Schmalznudelbäckerei (obwohl es sicher Frittiererei heißen müsste) essen, die Asamkirche besichtigen, auf den alten Peter klettern, illustre Postkarten schreiben, auf dem Viktualienmarkt einen Spaghettikürbis essen und Herr Dr. Silbernäher treffen.

Wir – Herr Dr. Silbernäher und ich – sind eigentlich per du (aber der Nachname ist einfach zu adrett) und haben uns bei meinem letzten Flug beim Ausdemfensterschauen kennen gelernt, er hielt mich für eine Geschichtsstudentin, ich war ungemein geschmeichelt, wir tauschten Visitenkarten (eigentlich besitze ich keine Visitenkarten, daher gab’s Blogadresse auf Miniservierte) und verbleiben ansonsten  mit der Floskel, dass wir uns melden sollten wir uns im Wohnort des jeweilig anderen befinden.

Soziales Netzwerking liegt mir fast so wenig wie mich bei Zufallsbekanntschaften melden, aber ich arbeite dran.

Ich arbeite dran und mache Floskeln zu reellen Gegebenheiten. Ich bin verabredet, nachdem ich einen Schmalzkuchen gegessen und die Glitzerwelt der Asamkirche (eigentlich St.-Johann-Nepomuk-Kirche, aber die Münchner scheinen einen Hang zu Spitznamen zu haben) bewundert habe, mich in High Heels auf den alten Peter gequält und den Ausblick bewundert habe, mich samt Touristenmassen durch das Dallmayr habe strömen lassen, meine Hände im Fischbrunnen gekühlt habe und auf dem Viktualienmarkt einen Spaghettikürbis und Knoblauch fürs Abendessen gekauft habe.

Er hat einen dieser Vornamen, die man auf tausend Arten schreiben kann, seiner wird auf die unüblichste geschrieben.

Ich habe keine Lust auf die immergleiche Frage nach meinem Gemütszustand „Ach, eigentlich gut…“ zu antworten. Eigentlich gut ist irgendwie immer eine Lüge. Es geht um die Erwartungen ans Leben, an sich selbst, um Maxime, den täglichen Kampf gegen Abstumpfung und die Anstrengung, das was man tut nicht als Lappalie zu betrachten. Ich rede wie ein Wasserfall, wir sehen uns zwei Stunden ich spreche für zweieinhalb, eine Stunde spare ich indem ich meine Sätze nicht beende und gebe ihm so knappe dreißig Minuten zum Antworten.

Ich frage nur einmal: „Kannst du das nachvollziehen.“

Mut haben neu anzufangen oder Mut haben einfach weiter zu leben, immer die Zeit im Nacken, als wenn man ständig vor der Sanduhr seines eigenen Lebens stehen, gehetzt von den eigenen Erwartungen. Ich weiß nicht, ob es ihm wirklich so geht oder ob es nur so scheint, aber auch wenn ich ihm wünschen würde, dass es nicht so wäre, war es schön, einen Gesellschafter der Fragezeichen zu haben…

Advertisements
Explore posts in the same categories: das tägliche Leben und ich

Schlagwörter: , , ,

You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: