auf Umwegen zu Pilzen

Ein Artikel, bei dem sich die Überschrift wie die Einleitung zu einem Erfahrungsbericht über das Zuziehen von Fußpilz liest oder wie eine Geschichte über Experimente mit halozigenen Naturdrogen…

Wie auch immer: Um den Wochenenddilemma zu entgehen war ich wild entschlossen Pilze zu sammeln. Was vielleicht aus der frühkindlichen Erinnerung von Pilzsammelaktionen mit meiner Mutter herrührt oder begründet ist in den Pilzerzählungen der Senioren, die seit Tagen von Pilzvorkommnissen, Pilztrocknungen, Pilzkochungen, Pilzsammlungen, Pilzfrostungen nie aber von Pilzvergiftungen erzählen. Ich bin wild entschlossen und habe nicht die geringste Pilzkenntnis, außer dass ich einen Dosenchampion von einem Pfifferling unterscheiden kann, aber das ist Supermarktwissen.

Zum Pilzsammeln sollte ich also dringend ein Pilzlexikon mitnehmen, ich entschließe mich dies in Form meiner Mutter zu tun.

Es ist Samstag. Das Wetter ist heiter bis sonnig, der Sommer schenkt uns die letzte Sonne, wir gehen nicht Pilze sammeln, wir gehen auf den Flohmarkt. Die Flohschanze scheint für samstägliche Verhältnisse ausgestorben, das wirkliche Geschehen auch Flohmarktgeschehen ist zwei Straßenecken weiter. Wir frühstücken am Rande des abendlichen Krisenherds umringt von Schanzenfestflohmarktständen und massig Menschenmassen, die schon das Eigenachsendrehens zur Herausforderung machen. Hinterher – nach guter Brötchenversorge durch Omas Apotheke und der Frage, was auch immer ein Röstitaler auf einer gemischten Frühstücksplatte zu tun hat – mitgeschliffen im Sog der sich fortbewegenden Menge von Straßenorchestern beschallt erstehe ich einen dunkelroten Samtblazer, der nach Theater schreit – mit mir auf der Bühne versteht sich, auch zum Volk sprechen wäre möglich.

Vier Euro gebe ich aus und um die Ecke bei Wohngeschwister gleich noch ein paar weitere. Das erste Weihnachtsgeschenk ist auch schon dabei, nein eigentlich schon das zweite. Ja, ich bin vorbereitet, weil schenken so schön ist. Und weil schenken eben so schön ist, beschenke ich auch gleich noch mich mit einer Fußmatte aus Sisal mit Schattenriss in schwarz und auf dem Schattenriss ein Mädchen mit Reh im Wald, samt Wind und Pusteblume und vor allem samt Pilzen. Endlich Pilze!

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2 Kommentare - “auf Umwegen zu Pilzen”

  1. Himmelhoch Says:

    Du weißt doch – jeder Pilz ist essbar, allerdings manche nur einmal.
    Doch dank deiner Mutter werden dir solche unangenehmen Erfahrungen erspart.


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