der Feenfestaktionismus – Teil 8

Eine Rückblende und in Teil 8 alles über Operationen am offenen Autoherzen, mein Pantherdasein und wie man Hysterie und Panik mit trockenem Brötchen vom Markt vorm Konsum besiegt.

Es ist morgens und ich habe dank nächtlicher Näh- und Fusselarbeit nur semiviel Schlaf erhalten, aber wie gesagt ich bin aufgeregt und bei Aufregung reicht auch semiviel Schlaf.

Nachdem die Weckfunktion meines Handyweckers mich mit ihrem üblichen „Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein“ aus den Federn klingelt, schleiche ich mich einem Panther gleich durch die Räume meiner Wohnung um meinem Besuch herum wenigstens eine kleine Mütze voll Mehrschlaf zu gönnen als mir selbst. Ich bin ein langsamer Panther und keine Gefahr für schnelle oder auch langsame Beute, aber ich bin ein Panther und das Schleichen gelingt, ich verlasse kurz nach acht meine Wohnung ohne jemanden erweckt zu haben, um mal wieder Konsumgüter zu erstehen, die letzten, die nicht am Vortag zu erstehen waren, weil Bestimmtes vom Vortag eben auch schmeckt wie vom Vortag.

Ich nehme das Auto, denn ich bin ein langsamer, müder Panther und auch zwei Ecken sind heute nur via Auto zu bewerkstelligen. Es ist Markttag vorm Konsum, aber ich kaufe drinnen, Baguettebrot für fünfzig Cent das Stück, ich nehme dreizehn, dann sind sie ausverkauft. Triumphal gehe ich zurück zum Auto verstaue das Brot im Kofferraum und werfe diesen dann schwungvoll zu immer wieder begeistert, dass ich das mit dem innen dafür vorgesehenen Ziehhebel kann ohne Händedreckigmachen oder Fingerklemmen, mit einem lautem „Klack“ schließt der Kofferraumdeckel und ich habe nichts in der Hand außer meinem Handy und dem Portemonnaie, von drinnen auf der Kofferraumablage lächelt mich entzückt der Autoschlüssel an.

Der einzige Autoschlüssel.

Ich entwickle Schnappatmung und ziehe an der Kofferraumklappe, obwohl ich weiß, dass das zwecklos ist, ich ziehe erneut. „Wahnsinn ist wenn man immer wieder das Gleiche tut und eine andere Reaktion erwartet…“, fällt mir ein, ich ziehe erneut, nichts passiert. „Nur nicht heulen.“, hämmert es mantraähnlich durch meine Gehirnwindungen, der Autoservice neben dem Konsum öffnet in 17 Minuten, ich warte. 17 Minuten später passiert nichts, kein rettender Handwerker erscheint, niemand erscheint… Langsam kommt sie, die Panik, ich schlucke sie runter mit Hilfe eines Brötchens diesmal vom Markt vorm Konsum, nicht vom Konsum selbst. Ich schleiche um den Autoservice, der aussieht als wäre dort seit den 70ern niemand mehr gewesen und als hätte dort seit den 60ern niemand mehr geputzt, aber auch das ändert nichts.

Hysterie und Panik weiterhin mit trockenem Brot bekämpfend stiefle ich nach Hause, wecke Yvönnsche durch Klopfen ans Küchenfenster (auch dieser Schlüssel liegt im Auto), sie fragt nach meinem Haustürschlüssel und als ich ihr mein Leid klage, antwortet sie mit der einzig wahren und richtigen Antwort, nämlich: „Scheiße!

Scheiße trifft es, aber besser trifft sich, dass Yvönnsche Mitglied im ADAC ist, was ihr kurz nach Scheiße einfällt und meine Tagesrettung ist.

Circa dreißig Minuten später erscheint der ADAC und ich bin froh, dass wir kein hochmodernes, drillionenfach abgesichertes Auto haben. Ich nehme an einmal schwungvoll gegen die Tür drücken würde reichen, aber so einfach ist es dann doch nicht, der japanische (glaube ich zumindest) Autobauer hat sich Mühe gegeben, das Auto sieht aus als wäre es leicht zu haben, hervorstehende Türknöpfe mit Rillen, in denen ein Autoaufknackdraht gut haften könnte, aber Moritz ziert sich. Bei der vierten Tür bin ich der Hysterie so nahe, dass ich am liebsten die Augen zumachen würde und beten, aber nicht kann erstens weil ich nie bete und zweitens weil Augen zumachen wirklich nicht drin ist. Dann das Wort „aufstemmen“  und habe die wüstesten Ideen. Es kommen Geräte zum Einsatz, die eher eine Operation am offenen Herzen vermuten lassen als ein schlichtes Autoöffnen und so fühle ich mich auch, wie auf dem Podium der Assistenzärzte mit Blick auf den Operationssaal (ich muss meinen Arztserienkonsum einschränken), ich kralle mich in Yvönnsches Unterarm, sie tätschelt meine Hand, „weiter links“ koordinieren wir den Mann vom ADAC durch die Beifahrerscheibe „und etwas mehr nach unten“, endlich hat der Greifer den Ziehhebel für den Kofferraum erhascht, einmal rutscht er ab, beim zweiten Mal ein kleines „Klack“, ganz leise nur und der Kofferraum ist offen…

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6 Kommentare - “der Feenfestaktionismus – Teil 8”

  1. Lola Says:

    Das sind so Aktionen, wo ich hysterisch werde. Aber ne Stunde nachdem es überstanden ist, will ich nur noch kichern.

    Erinnert mich an den Tag, wo ich meine Autotür zuwarf (den Griff dabei nach oben gezogen, dann ist die Tür richtig zu) und mir dann der Schlüssel vom Zündschloss zuwinkte. Das Auto hab ich aber selbst mit nem Draht geknackt. Und ich war erschrocken, wie einfach das ging.


    • Nachdem ich mal die Haustür einer Freundin mit einem Spachtel ohne bleibende Spuren aufgeknackt habe, dachte ich auch, es wäre relativ unproblematisch, aber dem war nicht so und ich der Hysterie schon bedenklich nahe.


  2. Auch ich werde bei solchen Aktionen hysterisch!
    Und ich habe richtig mitgefühlt mit dir. Oh man. wie furchtbar schrecklich es gewesen sein muss.
    Da erinnere ich mich an den Tag, als wir in Kindheitstagen 50 Autominuten von zu Hause entfernt auf einer Wiese mit Obstbäumen reichlich Äpfel ernteten. Und ich beim Nahrung + Trinken aus dem Auto holen, das Auto abschloss, den Autoschlüssel in den Kofferraum legte und den Deckel zuknallte. – Wir waren glücklicherweise mit 2 Autos dort (wegen der großen Menge Obst), so dass einer heimfuhr und den Ersatzschlüssel holte… Puh.

  3. irodeschi Says:

    Uijuijui, da wär mir auch der Arsch auf Grundeis gegangen….


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