rohes Steak, montägliche Dekadenz und die Frage aller Fragen

Dieser Montag ist voller Dekadenz, ich lasse kochen, ich lasse mich bekochen und nicht mit schnöden Putengeschnetzeltem, nichts gegen Putengeschnetzeltes, aber ich kann den ganzen Geflügelhype kaum nachvollziehen, ich lasse mich bekochen mit feinstem Rinderfleisch, Risotto und einem Alternativpesto aus Thymian und Erbsen.

Jammi kocht für die Karte, für die neue Karte des Hotels, in dem sie arbeitet und dessen Küchenbelegschaft vor Kurzem in allen wichtigen Positionen gewechselt hat, daher ist jetzt alles neu und besser und anders und mit Bergpfirsichen.

Ich hab mich eingeladen.

Ich hab mich eingeladen, denn es gibt Fleisch und dieses ist blutig, denn wir (Jammi und ich) mögen unser Fleisch gern britisch roh, von der Flamme geküsst.

Ich habe mich eingeladen, denn das Zeitkontingent ist erschöpft, uns rennt die Zeit davon, was mit Fleisch nichts zu tun hat, sondern mit Samstag. Unser Samstag, unser großer Partysamstag. In der Küche klappern die Töpfe, im Wohnzimmer surrt die Nähmaschine. Wir sind zu dritt, was weder mit Fleisch noch mit Partyoutfits für Mottopartys zu tun hat, vielleicht aber mit Zeitkontingent. Ihr Freund ist da.

Charmanter, junger Mann, der genau weiß was er will und gerade will er mich und das in ihrem Schlafzimmer, zumindest wird mir das pantomimisch angedeutet. Er kramt in seiner Tasche, verschwindet fast in ihr, immer ein waches Ohr auf das Küchengeklapper und als er aus der Tasche zurück ist, hält er – stolz wie Oskar – ein Schächtelchen empor. Mir wird fast schlecht.

Klack“ und schon öffnet sich die verdächtig aussehende Schachtel und was ich ahnte wird Gewissheit. Zwei Ringe in Silber, einer mit Stein, dazwischen ein rotes Ministoffherz, mir ist schlecht.

Du bist die erste die es weiß…“, flüstert er. Ich lächele gequält, unterdrücke einen Brechreiz. „Jetzt freu dich doch für sie.“, murmelt mein Kopf mir ins Gewissen und weil ich weiter nichts zu tun weiß, lächle ich einfach weiter mein vollkommen unentspanntes Ratloslächeln. Vielleicht bin ich schlicht ein gehässiges Miststück, vielleicht auch nur die Quotenpessimistin, vielleicht bin ich einfach anders.

Seit März, vielleicht auch Februar sind sie zusammen, diesen Februar oder März und sicher es ist Liebe, auch die große, aber ist es das in den ersten Wochen oder Monaten nicht immer?

Das Steak kommt, es ist sehr britisch und sehr lecker. Bergpfirsiche sind glorreich auch kalt auf warmen Risotto. In dem Pesto möchte ich baden, aber die Schüssel ist zu klein, die Pestomenge wahrscheinlich minimal wenig. Jammi macht ein Foto für den Küchenchef und ich hoffe, dass es mein Steak auf die Karte schafft, die neue Karte des Hotels, in dem sie arbeitet und dessen Küchenbelegschaft vor Kurzem in allen wichtigen Positionen gewechselt hat…

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8 Kommentare - “rohes Steak, montägliche Dekadenz und die Frage aller Fragen”


  1. An alle Panischen: Keine Sorge, sie liest hier nicht!

  2. Juliane Says:

    Lies, noch so jung und schon so desillusioniert?
    Wie kommt’s?!


    • Desillusioniert???
      Ich doch nicht…

      Nur in Liebesdingen nicht ganz so eilig.


    • Ich finde mit Desillusion hat das nichts zu tun. Ich bin ganz Lies‘ Meinung, dass diese Frage im Aufkommen großer Gefühle in den ersten Monaten einfach unüberlegt ist. Mit allem was sie nach sich zieht..
      Und das sagt eine, die sonst völlig verträumt durchs Leben zieht und Romantik nicht missen will. Aber manchmal sollte die Ratio nicht ganz ausgeblendet werden! ;)

  3. zimtapfel Says:

    Ja, da wäre ich auch etwas…hm…ratlos. Sicher, bei manchen klappt das, sich nach so kurzer Zeit fest zu binden, aber in den allermeisten Fällen…

    Für den von dir bevorzugten Fleischgarzustand bzw. dessen Zubereitung kenne ich auch noch die sehr hübsche Umschreibung „dem Steak die heiße Pfanne zeigen“.
    ;-)


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