gestrandetes Walross der Verschmähung

Ich bin stet mit meinen Gefühlen, Gedanken, Empfindungen und Ansichten, ich habe keinen Funken Spontaneität und kann Veränderungen nicht viel abgewinnen. Das ist hoffentlich übertrieben, aber in einer Zeit, in der nach einem Wimpernschlag alles anders sein kann, fühle ich mich wie ein gestrandetes Walross ohne Greenpeace in der Nähe.

Ich wünschte wirklich es gäbe einen Laden, der neben Mut und situellem Gelegenheitsoptimismus innerköpfische Freiheit führt.

Ich rieche Veränderung, ebenso wie ich Meer rieche, wenn ich noch hunderte von Kilometern entfernt bin. Es ist mehr so ein Gefühl, so ein Kribbeln im Bauch, aber kein Brausepulveraufregeungserregungsfreudekribbeln (in Bezug auf Meer ein Ui-ui-das-Meer-Gefühl), ein anderes Kribbeln – ein Dunklevorahnungskribbeln.

Dunklevorahnungskribbeleien, Veränderungspanik und mein Kopf spinnt wirre Gedanken aus abstrusen Pseudokonflikten, kein Platz für „es ist wie es ist“ und „ruhig Brauner“, dann höre ich in Telefonaten Dinge, die so nicht gesagt werden, und lese in elektronischen Briefen tiefgründige Verschmähung in lapidaren Beispielsätzen.

Verschmähung, mein persönlicher Horror. Dann sitzt ein freches Alterego auf meiner Schulter und brüllt in mein Ohr: „Er mag dich nicht, sie mag dich nicht, es mag dich nicht, niemand mag dich.“ Ich weiß woher das kommt, ich weiß sogar von wem das kommt, aber das oder das zu erzählen ändert es nicht. Ich fühle mich abhängig vom Gemochtwerden, wobei dann fast egal ist, wer mich mag, weil dann nur die Person zählt, die es gerade nicht tut oder nicht so wie ich mir das vorstelle. Ich fühle mich wie eine Zwölfjährige gefangen in dem Körper eines Walrosses.

Gemochtwerdenwollen ist so Mädchen…

Und Verschmähung ist meist nur Einbildung, im Gegensatz zu meinem Mukschsein. Mein Mukschsein ist echt und selbst, wenn ich mich noch so sehr bemüh, die trüben Verschmähungsgedanken tauchen in Kleinsteilen wieder auf, manchmal auch größer und mit ihnen mein Mukschssein.

Das ist mein Walrosssein.

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18 Kommentare - “gestrandetes Walross der Verschmähung”

  1. Ansku Says:

    Wenn das so ist und ich denke, dass es so ist, weil es ist verdammt gut beschrieben hier, dann bin ich auch ein Walross. Ein Mädchen-Walross. Ganz genauso wie hier beschrieben.

    Danke!

    Mit besten, aufmunternden und verbundenen Grüßen
    Ihre Walrosshaftigkeit.

  2. Himmelhoch Says:

    Viel Tröstliches kann ich dir nicht sagen, da es hätte von mir geschrieben sein können, so es mir so gut eingefallen wäre. – Du siehst, ob eine 2, 3 oder 6 vor dem Alter steht, ist vollkommen egal – manche Dinge empfindet man als Kind eben so tragisch wie als Erwachsener.
    Walrossvereinigung gründen!

  3. Astrid Says:

    ich mag dich!

  4. Lola Says:

    Frauen sind irgendwie merkwürdig. Wie schaffen sie es, sich neben dem ganzen anderen Alltagsstress noch solche Gedanken zu machen?!

    Ich will auch immer gemocht werden. Meistens jedenfalls ;)

  5. blaueSuppe Says:

    Sind wir nicht alle ein bißchen Walross?

  6. Ansku Says:

    Eine Walrossvereinigung, bitteee!!!

  7. Yvönnsche Says:

    Bin dabei… walroßtechnisch. Bitte „Bescheid“ sagen, wenn es den Verein gibt, werde mich dann um die süddeutschen Rose kümmern. Lieben Gruß, Yvönnsche.


  8. der beitrag ist schon was älter, aber beim durchblättern fällt mir gerade in diesem beitrag ganz besonders auf, wie gut du beschreiben kannst.
    du kannst wohl gut dich beschreiben.
    aber du kannst mit dem artikel auch total gut mich beschreiben. ich weiß noch nicht, ob das besorgniserregend ist (ich meine, warum gibt es mindestens zwei menschen auf der welt, die einem anderen vermitteln, dass keiner ihn mag?!?), aber ich finde es gut, dass du das aufgeschrieben hast. vielleicht kann ich das auch mal in angriff nehmen.

    danke, liebe lies von lott
    die jule


    • Hallo Jule,

      ich glaube, es gibt nicht zwei Menschen, die uns vermitteln, dass dich keiner mag. Ich glaube nur ab und an gibt es Menschen, die uns so wichtig sind und denen wir aber vielleicht nicht ganz so wichtig sind oder deren Zeit so flüchtig ist oder die gemeinsame Kommunikation so schwierig ist, dass wir uns wir der einsamste Mensch der Welt fühlen für den Moment und als Nebenprodukt spinnt der unnütze Kopf ein „Keiner mag mich.“.

      Liebe Grüße,
      Lies von Lott.


    • Ach ja, eins hab ich ganz vergessen. Sehr gerne und es freut mich, dass es dir hier gefällt und danke für die Blumen (wo sind nur meine Manieren)…


  9. ehrlich, lies von lott,
    ich wüsste gerne, was du in meinen kopf machst…
    auch mit deinem kommentar hast du den nagel so dermaßen getroffen und versenkt.. danke fürs spiegel vorhalten.

    schöntag für dich und ich hoffe, wir denken heute einfach beide nicht so viel
    die jule


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