passiv Fußballschauen

Irgendwer in unserer Führungsriege scheint ein großer Fußballnarr zu sein und so war bei uns am Freitag großes firmeninternes Public Viewing, es gab einen solchen Andrang, dass man nicht nur auf der Dachterrasse, sondern auch noch in der Kantine Leinwände aufspannen musste und ein zweites Würstchenbratcateringteam angeheuert werden musste., denn es gab auch Würstchen zum Spiel der Spiele.

Alle waren eingeladen, alle außer mir. In meinem Dienstplan leuchtet Empfangsdienst in grün, denn Empfangsdienst ist immer grün, im Gegensatz zur Postrunde, die ist beispielweise rot.

Das Spiel beginnt, durch die gläsernen Fenster sehe ich die Straßen der Innenstadt, sie ist menschenleer. Ein Fahrradkurier verirrt sich und bringt eine Kuriersendung für die Buchhaltung. Das Telefon klingelt für die Geschäftsleitung, wie sich heraus stellt ein Mann ohne Fernseher, es sei nicht so dringend, wir plaudern eine Weile und er fragt, ob ich generell kein Interesse an Sport habe oder nur nicht an Fußball. In Sachen Fernsehsport entscheide ich mich grundsätzlich für Boxen, aber nur Schwergewicht. Das findet er ungemein komisch und beschließt beim nächsten Besuch einen genauen Blick hinter den Tresen zu werfen.

Hinter mir höre ich Geächze, das nur semipositiv klingt, ein verzweifeltes „Neeeeeeeeeein“ verstärkt den Verdacht. Schwarz-rot-gelb- beziehungsweise trikotbekleidete Menschen mit leidenden Gesichtszügen verlassen in Scharen die Kantine und Strömen zurück in ihre Büros und ich stelle fest, es hätte mich schlimmer treffen können. Insbesondere da mein Fußballdesinteresse auch zur WM-Zeit kaum sinkt.

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9 Kommentare - “passiv Fußballschauen”

  1. podruga Says:

    frau von lott, sie haben mein beileid. das ist nicht fair! zwar haben sie bei dem spiel nicht viel verpasst, trotzdem ist es nicht fein, als einzige zur arbeit verdonnert zu sein.


    • Ich muss dazu sagen, dass ich die Erlaubnis hatte nebsther Lifestream zu gucken, aber ich wollte nicht! Aber im Team hätte ich es mir wohl doch überlegt…


  2. Meine Kollegen sind LÄNGER im Büro geblieben, um dieses Spiel zusammen zu schauen. Da wurde extra ein Beamer samt DVB-T-Dingens von zu Hause angeschleppt.
    Ich war fassungslos und habe pünktlich um 13.30 h das Büro verlassen. Fußball? Gerne ohne mich.


    • Ich finde diese Gruppendynamik eigentlich toll, ich finde es faszinierend sogar auf Zehennägeln Fußballpatriotismus zu sehen… Trotz allem ändert weder WM noch EM etwas an meiner kaum vorhandenen Fußballeuphorie. Schade eigentlich, zumindest ein bisschen.

  3. Ruthie Says:

    Wieder super spannend und anschaulich berichtet :D

  4. Erdbeere Says:

    Wir durften in der Firma auch dem Spiele frönen. Leider ist kein Tor gefallen, sonst wäre die Stimmung sicherlich besser gewesen. Dennoch einen Bierwagen fuhr durch die Reihen, so das die Männer doch noch auf ihre Kosten gekommen sind *g*

    Sonnige Balkongrüße
    Erdbeere

  5. Erdbeere Says:

    Siehe meinen aktuellen Beitrag, evtl. kommst Du von alleine drauf *g*

    Sonnige Balkongrüße
    Erdbeere

  6. Bayern CS Says:

    Sowas ist echt fies! In meiner Zeit am Empfang konnte ich aber auch nicht bei allen „Events“ der Firma dabei sein, weil das Telefon wichtiger war!
    Aber gerade bei einer WM ist das wirklich fies.
    Aber einer muss immer der Depp sein… Ich kann mit dir mitfühlen :)
    Immerhin hast du dir wohl eine Derby erspart :)

    LG,
    Rudi von Empfangsdienst


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