besonders (im Speziellen)

Ich fühle mich so besonders, besonders ich, besonders lustig, besonders schlagfertig, besonders taff, besonders klug, besonders lottig, besonders kreativ, besonders wunderbar – schlicht besonders.

Dieses Gefühl kommt in bestimmten Gesellschaften. Wie ein Geschenk bringen sie mir eine Selbsteuphorie mit, die Welt ist gut, ich bin in Ordnung, nein ich bin super. Innere Ausgeglichenheit, die Spleens und Eigenschaften, die ich in den Lebensreisen gesammelt, gehegt, gepflegt und um deren Verlust ich mich gefürchtet hab, verbinden sich und ich bin einzig. Einzig und besonders – ein Schatz unter den Menschen.

Ein geschenktes Gefühl mit unbekannter Haltbarkeit.

Ich glaube es war Valentino, der sagte, dass Kleider Frauen ein leicht überhebliches Gefühl geben müssten, denn nur leicht überheblich könne eine Frau ihre eigene Schönheit mit sich tragen. Vielleicht ist das so, dass Frauen sich nicht einfach so wunderbar fühlen können, anerzogene Zweifel oder gesellschaftlicher Hang zur Selbstkritik…

Manche Gesellschaften sind wohl wie ein Valentinokleid, ein geschenktes Ich-bin-ein-Schatz-unter-den-Meschen-Valentinokleid.

Meine Valentinoverkleidung, diese seichte Überheblichkeitsgefühl, das nicht in Arroganz umschwingt, sondern nur das Seelenleuchten anknipst, hält mal zwei drei Tage wie der Duft von frisch gemähtem Gras, wenn der Sommerregen drauf gefallen ist, mal nur einen Wimpernschlag. Weggewischt durch eine Geste, einen Blick, ein Wort oder das Bewusstsein, dass man kein Monopol auf das Besondersein hat, nur einer von vielen Besonderen sein, sehr vielen.

Und wenn man nach dem Wimpernschlag die Augen öffnet und in die Welt schaut, weiß man, dass Besonderssein nach Molopol schreit und auch ein imaginäres Valentinokleid zu Staub zerfallen kann – Mottenfraß.

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5 Kommentare - “besonders (im Speziellen)”

  1. podruga Says:

    Ein schönes Bild, das Valentino-Kleid. Wenn alles gut läuft, verlängert sich mit dem Älterwerden die Tragedauer. Das ist das Gute daran. Man wird es nicht dauerhaft tragen, aber mit mehr Selbstverständnis. Im wahrsten Wortsinn. Schön geschrieben!

  2. chinomso Says:

    …. und so reiht sich ein besonderer Moment an den nächsten. Und die nicht besonderen die schießen wir aus. (ja, nicht schließen sondern schießen)

    Mütter sind solche Valentinokleidgefühlespender.
    Oder sie sollten es sein. Also unsere sind es sicher.
    Und ich bin auch einer. A big spender.

    Was kann man denn Jungs anziehen, dass sie dieses Gefühl kriegen. Ich sehs grad nicht vor mir. Ich fühle es nur. Bitte um Modeexpertinnenrat.


    • @podgura: Vielen Dank…

      @chinomso: Ich glaube, dass ist Jungsabhängig bei manchen ist es ein Hugo-Boss-Anzug, bei den meisten wohl eher das Fußballtrikot ihres Lieblingsspielers…

  3. Simone Says:

    schöner Post, sehr poetisch ohne dabei kitschig zu werden, gefällt mir ausgesprochen gut!
    LG
    Simone


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