der Schlafzyklus treibt mich in den Wahn

Ich brauche acht Stunden Schlaf, nicht jeden Tag, aber fünf von sieben Tagen die Woche wäre ein guter Schnitt. Mit acht Stunden Schlaf bin ich ein ausgeglichener, fröhlicher und durchaus ertragbarer Mensch. Acht Stunden, denn mein normaler Schlafzyklus besteht aus einer halben Stunde Einschlafzeit (jahrelange Tests haben das ergeben) und fünf Schlafeinheiten a eineinhalb Stunden. Eineinhalb Stunden mit Leichtschlaf-, Halbschlaf-, Tiefschlaf und Träumschlafphase.

Acht Stunden Schlaf ist durchaus planbar – zumindest an den meisten Tagen. Da ich momentan die spätere der beiden Schichten habe und somit erst um acht aufstehen muss, ist mit den mathematischen Fähigkeiten eines Erstklässlers leicht heraus zu finden, dass ab Mitternacht Bettruhe herrscht.

Als Gernschläfer und Kissenliebhaber mache ich mich also pünktlich zehn vor zwölf auf die Strümpfe in mein Bett, hopse hinein (denn mein Bett ist ja hüfthoch) und dann – der Mensch ist eben doch Routinetier – auf die Seite gelegt, Decke übergeworfen, ein Bein wieder rausgestreckt und einen Arm gleich noch dazu – Standartprogramm. Noch eine kleine Runde links herum denken und noch eine kleine Runde rechts herum denken, ebenfalls Standartprogramm, aber dann nichts.

Kein Einschlafen. Mal flink auf die andere Seite gedreht, Arm rausgestreckt, Bein rausgestreckt, Augen zu, nichts passiert. Linksrum gedacht, rechtsrum gedacht, im Kreis herum gedacht und auch wieder zurück, Decke schwungvoll in die Höh geschmissen zwecks Umdrehung, da mir Schlafen unter zu warmen Decken unmöglich scheint, Fenster gekippt, aus Toilette gewesen, Kissen aufgeschüttelt, linksrum gedacht, rechtsrum gedacht, folgenlos. Einschlafen alle!

Ich gehe noch mal auf die Toilette, gucke auf dem Rückweg auf die Uhr – als ob das was ändern würde – 1:19Uhr. Ahhh! Linksrum gedreht rechtsrum gedachte, Bein eingezogen, Decke gewendet, Grummelgeräusch alias „Schlaf-du-Lurchenkörper-schlaf!“ gemacht, Fenster wieder zu gemacht, weil die Vögel nerven, Schafe gezählt, Elefanten auf Rollschuhen in Rüschenröckchen auch…

…die Sonne blinzelt durch das Rollo, Licht gleich Morgen dämmert mein Kopf bevor schlagartig meine Augen aufgehen. Morgendliches Licht weckt bei mir immer wieder die Urangst vorm Verschlafen. Ich springe auf den Flur, das Handy zeigt 6:27Uhr. 6:27Uhr genau eine Schlafeinheit vorm Aufstehen. Eine Schlafeinheit, denke ich, ab unter die Decke, linksrum gedreht, Bein raus, Arm dazu, Schäfchen gezählt abzüglich zwei Elefanten in Schlittschuhen mit lila Miniröcken, auf Toilette gegangen, wieder ins Bett gelegt, Decke gewendet, hierlang gedacht und dortlang auch… Aber Einschlafen ist alle.

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22 Kommentare - “der Schlafzyklus treibt mich in den Wahn”

  1. Rima Says:

    Ach Sie Arme. Ich weiss, wie schrecklich es sein kann, wenn man sich nur herumwälzt und der Schlaf einfach nicht kommen will.

    Trotzdem musst ich herzlich lachen, bei den tollen Beschreibungen. Ich kann mir das hin und her im Bett richtig gut vorstellen. Besonders die Elefanten in Rüschenröckchen haben es mir angetan. hihi.

    Ich glaube ich versuche heute abend auch mal Elefanten zu zählen. Hoffentlich kann ich dann überhaupt einschlafen und wälz mich nicht vor Lachen von links nach rechts. ;-)

    Hoffentlich klappt es mit dem Einschlafen heute Nacht besser.

    Liebe Grüße,
    Rima


    • Durch den heutigen Schlafentzug bin ich so müde, das Einschlafen kein Problem sein sollte…

      Und notfalls zähl ich halt Elefanten, die sich unter Limbostangen durchschlängeln oder so.

  2. Fabella Says:

    LOL wie genial .. da hab ich das Gefühl, da erzählt jemand was über mich … ich brauch zwar keine 8 Stunden, aber der Einschlaf-Marathon .. der erwischt mich mindestens 1 x wöchentlich :)

    Aber die Elefanten in den Rüschchenröckchen .. da werd ich ab jetzt garantiert dran denken *breitgrins*

  3. marie418 Says:

    Das ist etwas, was ich kenne, Gott sei Dank nicht mehr oft und wirklich wie die Pest hasse – ohne Schlaf bin ich ein Monster :)

    Hoffentlich geht es bald besser und weiter.

    lg
    Marie


    • Das gute an einer Wendenacht ist, dass die Folgenacht meist eine Vom-Sandmännchen-geküsst-Nacht ist und man sich fragt, warum einem gestern denn das einschlafen nur so schwer gefallen ist.

  4. Lilie Says:

    Jetzt muss ich doch einmal nachsehen, ob in meinem Schlafzimmer eine Kamera installiert wurde …
    Herrlich geschrieben.
    Liebe Grüße

  5. Katja Says:

    Ach herrje! Ich fühle mit Dir…8 Stunden Schlaf brauch ich auch an den meisten Tagen der Woche und wenn ich dann tatsächlich mal nicht einschlafen kann (was glücklicherweise sehr selten vorkommt *räusper*) bin ich am Morgen völlig unausgeglichen und genervt! Allerdings ist Deine Beschreibung wirklich klasse und ich mußte sehr schmunzeln :-)

    Viele liebe Grüße und einen gute Nacht wünsche ich Dir,
    Katja

  6. Frau Eiskalt Says:

    Ich fühle mich beobachtet, was das Einschlafprozedere angeht :) …was bin ich froh, dass ich mit ziemlich wenig Schlaf auskomme – schon immer.

  7. zimtapfel Says:

    Ohje, sowas ist fies! Das hatte ich neulich auch mal. Elend! Jede Stunde der Blick auf die Uhr: Nur noch 6 (oder 5 oder 4 oder 3 oder 2) Stunden, bis ich raus muss. Ich muss jetzt schlafen, verdammtnochmal, ich muss! Gräßlich!
    Hoffentlich schläfst du diese Nacht besser!


    • Und das schlimmste ist doch eigentlich, dass der Uhrenblick es keinen Deut besser macht, sondern eigentlich nur schlimmer…

    • zimtapfel Says:

      In der Tat… mir wurde dann neulich auch mal angeraten, zwecks Entspannung doch einfach die Uhr außer Sichtweite zu stellen. Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob mich das nicht noch kribbeliger machen würde: So ein Mist, ich kann nicht einschlafen und jetzt weiß ich noch nicht mal, wie spät es ist, bzw. wie lang ich noch bis zum Weckerklingeln habe… Ein Elend, ich sag es dir!


    • Mein Wecker steht schon im Flur… Bzw. liegt, denn es ist mein Handy.


  8. schmunzel, das kommt mir irgendwie bekannt vor. Und das Schäfchen-zählen hilft mir auch nicht.

    Probiere es doch einmal damit ein Buch zu lesen. Bei mir bewirkt es wahre Wunder, wenn ich dann so ungefähr 8 bis 10 Seiten gelesen habe schlafe ich meist mit Buch in der Hand ein. Irgendwann in der Nacht nehme ich dann auch meine Stirnlampe vom Kopf und knipse sie völlig routiniert aus.

    Einen Versuch ist doch wert, oder ?
    Herzliche Grüße
    Doris

  9. Lola Says:

    Schlafzyklen? Das sind Dinge, über die ich mir noch nie Gedanken gemacht habe. Ich lege mich hin, wenn ich müde werde (meist gegen 22 Uhr), dann lese ich noch, telefoniere mit dem Liebsten und schlafe dann ein (gegen 23 Uhr). Manchmal wache ich nachts auf, manchmal nicht. Immer aber kurz bevor der Wecker klingelt.

    Und müde…bin ich immer :D

  10. chinomso Says:

    Ach jeee, das ist ja wirklich ätzend, wenn man nicht schlafen kann…. glaub ich nicht erst jetzt. Ich höre und lese es immer wieder, aber selten so amüsant beschrieben.

    Kennengelernt habe ich das noch nie. Nicht die ganze Nacht rumwälzen. Mal bisschen schlecht einschlafen, aber dann bin ich „weg“ und zwar bis 06:30 Uhr der Wecker klingelt.

    Also, ich wünsche dann mal eine sehr gute Nacht heute N8.


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