frei von Perlenpaulas – Burschenschaftlerparties eine Erfahrung für sich

Nachtrag: Frau von Lott und das wunderhafte München

Ich bin in München und ich bin verabredet, selbstredend bin ich verabredet, denn ich bin in München und die halbe Internatsbelegschaft wohnt in München bzw. die halbe Internatsexbelegschaft. Verabredet bin ich mit dem Indianerkind…

Yvönnsche und das Lastenmuli (alias ihrem vollgeladenem Auto) fahren mich, ausgesetzt werde ich – auf eigenen Wunsch – an den Kaisergärten oder –garten oder so. Es ist sieben oder acht und zwar abends, die Reste der Biergartenbesucher trinken Bier, in weiß-hellblau gestreift, Mädels mit Perlenohrringen und Guccibrillen, die Jungs nicht ohne Timberlands, Pullunder gibt’s auch – Perlenpaulas und Seglerjungs. Das Indianerkind fängt mich ab, zum Glück durch eine gestreifte Menschenmasse zu suchen steht mich nach dem V-Marktbesuch nicht wirklich im Sinn. Ich bin nicht zu übersehen also auch leicht abzufangen: Jeans und ein wildgemustertes (nein kein Tierprint, aber das nur fürs Protokoll) Oberteil hauptanteilig mit Rot, gleichfarbige Turnschuhe dazu und eine Brille die wie ein kleiner Fernseher anmutet nein eigentlich zwei, keine Perlenpaula halt!

„Wir können gleich weiter…“, beginnt das Indianerkind „Wir sind verabredet.“. „Ja miteinander…“, denke ich und weiß wohl, dass er das nicht meint. „Auf ne Burschenschaftlerparty!“ – panisch-wilde Gedanken fliegen durch mein Hirn von Jungen mit langen Narben auf der linken Wange, in seltsamen Kostümen mit Pseudoreitstiefeln und Degen rechts getragen. Nicht, dass ich Vorurteile hätte, ich doch nicht, aber das Wort Burschenschaftler setzt bei mir eine Assoziationskette in Gang. Assoziationskette hört sich viel besser an als vorurteilsbehaftet, oder?

Zurück zur Assoziationskette: Wangennarben, Degen, Kostüme, weiter geht’s mit Adjektiven rechtspolitisch, alkohollastig, frauenfeindlich… „Konz ist da Mitglied, da ist heute ne Geburtstagsparty.“, unterbricht das Indianerkind meine Gedanken und ich habe das Gefühl ich bräuchte nen Schnaps gerne auch nen doppelten. Konz ist einer der vielen Exinternatler, der ebenso wie das Indianerkind im bayrischem Urland angesiedelt ist.

Konz Schmidt und ich teilen uns zum einen unseren Geburtstag (er ist ein Jahr jünger als ich – auf den Tag genau (1.Mai)) und zum anderen viele lustige Erinnerungen. Ich freu mich. Konzige Wiedersehensfreude und burschenschaftlerische Panik halten sich somit die Waage.

Ich raffe also schwungvoll meine Schultern nach hinten und bemühe mich um selbstsicheres Auftreten. Selbstsicheres Auftreten ist nie falsch insbesondere nicht, wenn man in die Höhle des Löwen muss. Löwenhöhlen voller Perlenpaulas und Seglerjungen bestimmt mit Buschenschaftlerzugehörigkeitsschärpe.

„Wenn du mich allein lässt, töte ich dich.“, drohe ich dem Indianerkind sicherheitshalber. Dann klingeln wir.

Es ist nett, es gibt Frauen mit bunten Halstüchern und Perlenohrringen, Männer ohne Schärpe mit gestreiften Hemden, Mädels mit ausgefransten Jeanshosen und Pullundern, einen im Tarnanzug, einen mit wildem Hippiehaar, berockte Politikstudentinnen und buntbehemdete Ehemalige – es ist nicht wild bzw. nicht wild für mich und nicht zu spießig, Käse gibt’s auch (ich deute das als gutes Omen) und ich muss niemandem erklären, warum ich alkoholfrei bleibe und bekomme charmant und galant literweise Wasser serviert.

Summa summarum, es war lustig mit all den Burschenschaftlern.

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3 Kommentare - “frei von Perlenpaulas – Burschenschaftlerparties eine Erfahrung für sich”

  1. Lola Says:

    Assoziationskette statt vorurteilsbehaftet. DAS muss ich mir merken. Ich könnte ganze Bücher mit meinen Vorurteilen füllen. Das klingt so aber wirklich besser.

  2. chinomso Says:

    Assoziationsketten – sehr diplomatisch formuliert.
    Wow, Lies von Lott bildet aus in Diplomatie. Das ist doch mal wieder ein Gewinn.

    Klingt nach einem lustigen Abend.


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