Reisen wie eine Millionärsgattin

Nachtrag: Frau von Lott und das wunderhafte München

Mein Gepäck ist dekadenter Weise – wie schon berichtet – bereits auf dem Weg nach München. Ich reise bewaffnet mit nichts außer Sonnenbrille und Handtasche hinterher. Mit Bus und Bahn und Jammi, die um meine Allein-am-Flughafen-sein-Phobie-zwecks-alleine-losfahren-bzw-ankommen-ist-doof-und-vermittelt-das-extrem-Einsamgefühl, geht es los gen Hamburger Flughafen.

Wir – Jammi, die Handtasche und ich – trinken noch ein Getränk, beobachten geschäftige Menschen bei immens wichtigen Telefonaten, checken mich am Counter ein und dann wird übertrieben und theatralisch gewunken und ich oute mich somit als Seltenflieger vorm Sicherheitspersonal.

Ich darf die Schuhe anbehalten und auch mein Personalausweis wird nur minder intensiv beachtet (schade eigentlich, denn ich mag sogar das Foto) und dann wartet Gate 15 auf mich. Drei Lieder spielt mein I-Pod-in-günstig-Verschnitt und dann geht’s ans einsteigen.

Fliegen ist ein bisschen wie Autofahren in den Bergen und kurz glücklich verliebt sein in der Anfangsphase, Druck auf den Ohren, Kribbeln im Bauch und ein bisschen in den Sitz gedrückt werden. Neben mir sitzt mit Mut zur Lücke (also einem Sitz Sicherheitsabstand, das Flugzeug ist nicht mal annähernd voll) ein Mann. Kurze Haare, blau-weiß-gestreiftes Hemd, ordentliche Jeans dazu, Jackett, Gürtel, Schuhe in schwarz und ein Lächeln, dass über meine Flugeuphorie amüsiert scheint.

Ich habe den Fensterplatz. Es ist Nacht und die Stadt glänzt in tausend Lichtern, gerne würde ich sagen können, da hinten wohne ich, aber ich kann es nicht zuordnen, ich erkenne Dom und Elbe und winde mich vor dem Fenster um nichts von dem Lichtspiel zu verpassen…

Der Nachbarsitzer windet sich auch, er sieht wenig und ich habe Mitleid, zeige ihm den Dom und die Elbe und mache Werbung für Hamburg, denn er ist Münchner zumindest hingezogener,was fast ist wie eingeheiratet nur stadtbezüglich statt familiär betrachtet. Der Münchner fragt, ob ich Geschichte studiere, denn ich brilliere durch glorreiches Halbwissen nicht ausschließlich Hamburg betreffend. Ich bin geschmeichelt, noch geschmeichelter als er mir am Ende des Fluges eine-seine Visitenkarte gibt und ich sehe, dass er einen Dr. vor seinem Nachnamen trägt. Vielleicht mehr Ganzwissen als mir bewusst war.

Fliegen ist schön.

Wie eine Millionärgattin, die nach dem Handgepäck zu urteilen in jeder größeren Stadt einen eigenen Wandschrank stehen hat, zu fliegen ist noch schöner.

Wenn man als Millionärsgattin reist wird man selbstredend vom persönlichen Shuttleservice am Flughafen abgeholt und umgeht so des Steubers: “Des ist so als ob man quasi direkt vom Flughafen in drei Minuten in den Hauptbahnhof einsteigt…”.

Mein Abholservice hält ein weißes Schild empor, auf dem in kursiver Schreibschrift und in grün Lies von Lott zu lesen ist. Yvönnsche, die zu dem Schild gehört, lässt es sich nicht nehmen dieses Schild jeder Alleinreisenden entgegenzuhalten.

Und dann nach einer Stunde und 15 Minuten – München.

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4 Kommentare - “Reisen wie eine Millionärsgattin”

  1. Yvönnsche Says:

    Guten Morgen Frau von Lott.

    Das Schild, inklusive des fragenden Blickes hat seine Wirkung nicht verfehlt, es hatte eine Menge lächelnde Gesichter zur Folge. Die Schrift war übrigens blau, mit Textmarker geschrieben.

    Lieben Gruß,
    Yvönnsche


    • Ui, blau statt grün, wie konnte ich das nur übersehen? Die gesamte Geschichte muss umgeschrieben werden, ob das der Leser verkraftet?

      Hihi, viva la munic!

  2. chinomso Says:

    „Aus dem Leben einer Millionärsgattin in spe“. Da kriegen sogar Handtaschen ein Getränk am Flughafen (wo es dort doch so teuer ist).
    Wohin eigentlich?
    Innen rein oder außen drüber gekippt??

    Wenn der Sitznachbar ein Schönheitschirurg oder Zahnarzt war/ist, und man sich wieder sieht, dann wird es vllt. doch noch was mit dem Millionär.


    • Millionärsgattin hat die Kristallkugel für dieses Jahr gar nicht vorher gesagt… Aber dieses Jahr schein eh das Motto zu haben erstens kommt es anders und zweitens als vorhergesagt!


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