Abschiedsausbeute

Ein großer Strauß Blumen, ein kleiner Blumentopf voll (todgeweihter, meine Beziehungen zu Topfpflanzen sind nur begrenzt euphorisch) Primeln in rosa, ein Thermosbecher, ein sich – dank Magnetismus – knutschendes Schreibset alias Füllfederhalter und Kuli, ein kleiner Beschützertontopfengel, zwei Glück-Erfolgsbücher, ein USB-Stick, ein Plüschosterhase mit Osterei und eine Karte mit massig Glücksschweinen darauf…

…das ist die Abschiedausbeute.

Abschiede haben immer den faden Beigeschmack von „für immer und ewig“ und zwar nicht das Grimmsche „glücklich für immer und ewig“. „Für immer und ewig“, obwohl man sich vornimmt sich zu melden und sich mal in der Mittagspause zu treffen oder E-Mails zu schreiben.

Manchmal und mit manchen klappt das.

Viele andere Male klappt das nicht. Weil viel zu tun ist, weil man nicht so viele Mittagspausen wie Mittagspausenrestbekanntschaften hat, weil es manchmal anstrengend ist, die Leute auf dem Laufenden zu halten, weil man sich auseinander entwickelt oder nie so nah beieinander war, wie man sich dachte…

Und nach einigen Jahren ist es dann komisch, wer „übrig“ bleibt, wer wieder kommt, wer noch anruft und wen man noch zurück ruft.

Mein Abschied gestern war eine warmherzige Angelegenheit, es gab dreierlei Kuchen (ich hab gebacken); ich arbeitete mit meiner Nachfolgenachmittagsschichtlerin zusammen und hatte nur die Der-gute-Tipp-Aufgabe, mein Chef bot mir telefonisch an jederzeit zurückkommen zu können (mit dem Zusatz, dass wir über die Kohle ja auch noch mal sprechen könnten – not bad); eine Kollegin sagte, ich solle mich nicht fürchten, denn dieses Lächeln (also meins) öffne mir jede Türe (charmant nicht?); Herr Albers vermisste den Elefanten; meine Im-Haus-Chefin wiederholte gefühlte hundert Mal: „Wenn was ist Kleene, rufste an.“; die frisch aus dem Urlaub zurück gekommene Vormittagsfestangestellte lud mich zu ihrem Geburtstagsevent ein (in Form vom Pulverfaßbesuch aufm Kiez); die Agrikulturabteilung stand gesammelt vorm Tresen und verabschiedete sich gesammelt, wobei der Nachfolgenachmittagsschichtlerin eine Träne über die Wange lief…

– mir nicht und das wo ich doch so eine Abschiedsheulsuse bin.

Ich denke, es ist ja vielleicht nicht für immer. Ich kann vorbei gehen, das Gebäude steht da schon seit über 100Jahren und wird es wohl dann immer noch tun. Wir können mailen, telefonieren oder uns zum Mittagsessen treffen.

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6 Kommentare - “Abschiedsausbeute”

  1. peelia Says:

    Ich mag Abeschiede nicht, weil ich meistens diejenige bin, die eher nicht so rührselig ist. Ich gehe gern neuen Horizonten entgegen und lasse alte dann einfach zurück (zumindest Jobtechnisch). Deshalb versuche ich größere Abschiedszeremonien zu umgehen oder vergesse sie schlichtweg. Nicht nett manchmal, ich weiß. Aber heucheln fällt mir schwer :)


  2. Ach ja. Mein letzter Arbeitstag war nicht so rührseelig, aber schade wars schon. Aber Du hast ja jetzt vielleicht einen ganz tollen, neuen Job im Visier. Und die Abschiedgeschenke und Gesten lassen darauf schließen, dass sie Dich alle gern hatten. Und da wird wohl was dran sein, dass Dein Lächeln Dir jede Tür öffnen wird. Viel Glück für den neuen Job!

  3. chinomso Says:

    Oh, das ist also jetzt vorbei. Aber ich freue mich, dass man sie so herzlich verabschiedet hat und nicht etwa sauer ist, dass sie gehen. Ich mag solche Harmonie-Dingens.

    Ich sende nochmal einen kleinen Glücks-Schups ins neue Leben. Einen tollen Start. Wann gehts nochmal los?

  4. Rima Says:

    Ein lachendes, ein weinendes Auge. So ging es mir bisher immer bei Abschieden. Einerseits ist man traurig das Gewohnte und manchmal auch lieb gewonnene zu verlassen, anderseits freut man sich auf den kommenden Neustart.

    Ich wünsche alles, alles Gute für die spannende Zeit, die vor dir liegt und einen guten Start am neuen Arbeitsplatz!

  5. Lola Says:

    Das klingt ganz gut. Wenn ich meinen Arbeitsplatz verließe…ich weiß nicht, wie das wäre. Vermutlich tränenreich.

    Aufregend. Und alles Gute für den nächsten Anfang. Möge er ebenso warmherzig sein.

  6. Erdbeere Says:

    Habe auch schon so manchen Arbeitsabschied/ Projektabschied hinter mich gebracht. Es ist nie leicht zu gehen, aber wie Du schreibst, ein paar bleiben hängen, einige eben nicht ;-)

    Wünsche Dir alles Gute
    Erdbeere


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