die Crux mit der Figur

Spätestens wenn aus der Waage ein Zettelchen raus kommt, auf dem zu lesen ist: „Bitte nicht in Gruppen drauf treten“, sollte nachgedacht werden.

Also, Zettel dankend erhalten.

Ich ging zu einer Endokrinologin, einer blonden Dame, mittelalt so um die 40, mit Helmfrisur, High Heels und Eiseblick. Die bei mir schlicht der blonde Lord heißt, was ich ihr aber nicht mitteilen werde.

Nach einem Test, weiteren Test und vielen anderen Test fiel ihr Urteil.

  • „Frau von Lott, ihr Körper verarbeitet keine Kohlenhydrate oder zumindest nicht so wie er sollte, bitte verzichten sie daher auf sie – zur Gänze!“
  • „Wie bitte?“ (vor Fassungslosigkeit schrumpfte mein sonst so wohlwollendes Sprachzentrum)
  • „Keine Kartoffeln, kein Reis, keine Nudeln, kein Brot, kein Mehl in jeglicher Form, auch keine Stärke, kein Zucker, kein Honig, keine Süßungsmittel, keine Bananen, keine Säfte, kein Alkohol, keine zuckerreduzierten Säfte.“

 

Ein weiteres Schmankel dieser Nahrungsumstellung ist, dass zwischen den Mahlzeiten mindestens fünf Stunden abgewartet werden muss. Was die Sache nicht minder schwierig macht und organisatorische Glanzleistungen erfordert.

Aber um es mit unserem (Frau Bärchenstreichs und meinem) Lieblingsunisatz zu sagen: „Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt.

Meine Einkaufwagenfüllungen sehen recht abstrakt aus und ich bin froh, dass ich kein Vegetarier bin oder gar Veganer, denn das würde mich wahrhaftig deprimieren. So reihen sich neben ernährungsumstellwichtigen Obst- und Gemüsesorten Joghurt, diverse Käsesorten alles in Vollfettstufe, Gehacktem (nein, kein Tartar), Fisch, Quark, Schinken und Linsen in meinen Einkaufswagen. Bratwürtschen oder Scheibenwurst bleiben außen vor, nicht wegen des Fettes, sondern weil auf den Beipackzetteln immer steht: „Juhuu, auch hier ist Stärke drin.

Juhuu, auch hier ist Stärke drin.“, ist mein aktueller Antisatz, denn selbst auf meinem Lieblingstomatenmark steht das drauf ebenso wie auf auf vielen Frischkäsesorten.

Jammi, die beste Unifreundin hat das System mein Feind das Kohlehydrat schon gut erkannt und startet Zeitverbringanfragen, die Lebensmittelaufnahme einschließen, nun mit der Frage: „Steak außer Haus, Tomaten-Morzarella vom Italiener oder Ofenkäse vorm Fernseher?“ Eine Frage, die ihr als angehender Köchin sicher nicht ganz so leicht fällt. Aber sie kennt das ja schon, sie hat das letztes Jahr schon mal mit gemacht!

Fürs Protokoll: Ich leide nicht.

Der Vorteil beim Ganzverzicht ist, dass sich bestimmte Fragen nicht stellen. Fragen ala „Ob ich heute ein kleines Stück Streuselkuchen essen kann, wenn ich dafür morgen mit dem Rad um die Alster fahre!?“ und wenn jemand ein Stück Kuchen anbietet, ist die Antwort „Nein danke, mein Körper verkraftet keine Kohlehydrate…“ so ein Gesprächskiller, dass man sich seichtes „Aber ein Kleines ist ja nicht soooo schlimm.“ des Gesprächspartners erspart und dafür einen verständigen Gesichtsausdruck erntet.

Als ich die kohlenhydratfreie Lebeweise das erste Mal testete (für drei Monate), dachte ich, ich würde anschließend nie wieder eiweißhaltige Lebensmittel essen. Damit das dieses Mal nicht passiert gönne noch mir am Wochenende einen Tag Teilzeitverzicht vom Ganzverzicht und esse was ich mag und das in Form von Kohlehydraten, aber weiterhin mit fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten.

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44 Kommentare - “die Crux mit der Figur”

  1. glitzerkugel Says:

    WAH! Ich bin ja Kohlenhydratjunkie! Bewundernswert.


    • Ich auch – eigentlich…

      Aber es geht mir gut damit und ich fühle mich wohl… Es gibt jetzt halt abends mal Spaghetti Bolognese ohne Spaghetti oder auch Linsenrisotto was sehr lecker ist und bei Lust auf was Süßes Obstsalat mit Nüssen und einem Klecks Schlagsahne.

      Unabhängig davon, schön dass du hier liest insbesondere, da ich neulich deine Seite gesucht hab und nicht wiedergefunden.

  2. zimtapfel Says:

    Oha. Und ich dachte, ich wäre mit meinem Laktosescheiss arm dran.

    Ganz zufällig habe ich mich gerade vor ein paar Tagen mal aus Interesse *hüstel* über diese Low-Carb-Nummer informiert, ich dachte, gut, alles was aus Getreide oder Kartoffeln ist weglassen, geht ja. Gerade so. Aber Pustekuchen, auch in unglaublich vielen Gemüsesorten ist offenbar zuviel Stärke drin. Und in Hülsenfrüchten! Die hatte ich mir als Ersatz-Sattmacher erkoren… Gnah.
    Mein Mitgefühl!


    • Kohlenhydratfrei und laktoseintolerant finde ich auch ne ganz böse Kombi, da bleibt wenig übrig… Mindestens zwei meiner täglichen Mahlzeiten sind mit Milchprodukten, wenn nicht sogar hauptsächlich aus ihr bestehend.

      Aber deine Käseeuphorie würde sich freuen!
      (Ich habe momentan fünf verschiedene Käsesorten im Kühlschrank…)

    • zimtapfel Says:

      Oh ja, zünftigen Käse-Rotwein-Sessions stünde da nichts im Wege. Wobei ich Käse völlig ohne Brot…hmm… nicht so gern mag. Aber ich schätze, daran gewöhnt man sich. Und ich habe mich essenstechnisch schon an so einige Dinge gewöhnt, von denen ich früher nie gedacht hätte, das ich sie mal mögen würde.


    • Und Rotwein ist übrigens auch nicht, aber das mit dem Alkohol fällt mir überhaupt nicht schwer… Zum Glück!

    • zimtapfel Says:

      Wie, auch kein Wein? Waaaaaaaaaah! Grausam!


    • Wie gesagt, das fällt mir zum Glück leicht!

      Wahrscheinlich würde es dich eh grauen, wenn du wüsstest, wie ich meinen Wein trinke, wenn ich mal welchen trinke…

  3. Herr Teddy Says:

    Immer positiv denken!
    Wozu braucht man schon Kohlenhydrate? Pah! Die kann ja jeder haben!

  4. Katja Says:

    …ich glaube dass wär das Übelste, was mir passieren könnte *urgs*
    Beneiden tue ich Dich jetzt nicht dafür, aber ich bewundere Deine Disziplin! :-(

    Liebe Grüße von Katja

  5. Himmelhoch Says:

    Hallo, da musst du ja Herrn Max aus deiner Bekannten-Liste streichen. Oder nur noch Kaffee. Is aber blöd, in so einem Ambiente nur Kaffee zu trinken.
    Ist ja echt lästig mit dieser ewigen Beipackzettelleserei. – Na, denn mal guten Erfolg.
    LG von Clara

  6. Liisa Says:

    Mal eine Zwischenfrage von jemandem, der sich mit diesen Dingen nicht groß auskennt: Was würde denn passieren, wenn Sie wie bisher weiter Kohlehydrate zu sich nähmen? Wieso muss es gleich so radikal sein? Wieso geht nicht auch eine teilweise Reduzierung der Kohlehydrate-Zufuhr (letzteres eigentlich eher eine Frage, die ich der Endokrinologin gestellt hätte)?

    Ansonsten drücke ich alle Daumen, dass die Disziplin anhält!


    • Hallo Frau Liisa,

      willkommen hier.
      Jetzt schauen Sie rein udn das erste was Sie lesen ist so ein Komplextussiblog – hihi!

      Zur Vorinfomation: Kein Insulin bzw. keine Diabetis, aber mein Körper schüttet, wenn ich einfache Kohlenhydrate esse, den ganzen Tag fröhlich Insulin aus, das macht Hunger und ich esse dann. Mehr als ich sollte und Dinge, die ich nicht essen sollte.

      Daher würde eine tägliche Teilzeit-Reduktion nicht so viel bringen… Mein Kompromiss ist dann eben der eine Wochenendtag. Damit komm ich gut klar.

  7. quadratmeter Says:

    Ach herrje, viel Erfolg bei der Umstellung!

  8. Frau Eiskalt Says:

    Naja der Komplettverzicht auf KH bringt natürlich auch nette Begleiterscheinungen ;) …allerdings ging es mir wie Ihnen, nachdem ich das mal 3 Monate durchgezogen habe, danach hatte ich ne ganze Zeit Probleme proteinereiche Lebensmittel gänzlich ohne KH zu mir zunehmen.

    Ich wünsche ebenfalls viel Erfolg!


    • Guten Morgen Frau Eiskalt,

      die nette Begleiterscheinung heißt 3kg ind 11Tagen und meinetwegen kann das ruhig noch ein bisschen so weiter gehen.

      Wie kam es, dass Sie die KH umschipperten?

      Danke für die Erfolgswünsche.
      Und einen schönen Freitag.

  9. engelswelt Says:

    Oh man, ein Leben ohne Nudeln… Im Moment nicht so wirklich vorstellbar.

    Ich drücke die Daumen, dass weiterhin alles so gut läuft wie bisher :).


    • Ja, ein Leben ohne Nudeln, aber nur unter der Woche Samstag oder Sonntag gibt es sie dann ja doch… Morgens ein Brötchen, mittags Nudeln und abends Kartoffeln – oder so!

      Danke fürs Daumendrücken.

  10. blaueSuppe Says:

    Schöne Scheiße. Aber ich glaube auch, dass es geht. Bin seit ein paar Wochen in einem ähnlichen Experiment – nur in kleinerem Rahmen. Alles Gute für Dich!


    • Da bin ich jetzt aber gespannt… Sind dir mehr Informationen zu entlocken?

    • blaueSuppe Says:

      Ich unterziehe mich gerade einer homöopathischen Behandlung. Das Mittel verträgt sich nicht mit Milch, Alkohol, Kaffee und schwarzem Tee. War letztlich gar nicht sooo schwer – wobei ich anfangs schon Probleme hatte: Ich fand mich ganz schlau, als ich heiße Schokolade bestellte – is‘ ja schließlich weder schwarzer Tee, noch Kaffee…


    • Ui, das ist auch hart insbesondere für Kaffeetrinker! Ich drücke die Daumen fürs Durchhalten und finger weg vom Kakao egal wie farbig…

  11. Lola Says:

    Ich versuche ja, Abends auf Kohlenhydrate zu verzichten. Und das fällt mir schon schwer. Was frühstückt man, wenn KH wegfallen? Äpfel? Joghurts? Ich würde nach spätestens drei Stunden Menschen anfallen, so einen Hunger hätt ich.

    Viel Erfolg!


    • Danke!

      Hätte ich gewusst, dass so reges Interesse besteht, hätte ich mal meinen Tages-Ess-Plan mitgetippt…

      Ich frühstücke beispielsweise:
      – Baumwollkäse (also Hüttenkäse) mit wahlweise Obst oder Gemüse
      – Milch mit pürierten Himbeeren und Mandeln
      – Ei (gerührt, gespiegelt oder gekocht)
      – Quark mit zuckerfreiem Apfel-Mangomus
      – Käse oder Schinken mit Grünzeugs

      Bei den fünf Stunden ist es erstaunlich, drei Stunden ist okay in der vierten sterbe ich kurz den Hungertod und wenn es dann fünf sind kann ich auch noch die halbsechste abwarten.

  12. Herr Teddy Says:

    Oh je, Sie Ärmste! Wenn so etwas (und nur so etwas) täglich auf meinen Tisch kommen würde, ich hätte ständig schlechte Laune! Sie nicht?


    • Das ist doch nur das Frühstück, Herr Teddy. Mittags und Abends gibts dann was anderes. Gestern beispielsweise Ziegenkäse im Baconmantel, Weintrauben und Tomatensuppe. Sehr lecker!

      Also nur kein Mitleid oder zumindest nicht zu viel.

  13. paradalis Says:

    Das ist sehr unterhaltsam geschrieben, liebe Frau von Lott. :-)
    Aber ich weiß, was es heißt, auf Kohlenhydrate verzichten zu wollen. Ich schaffe das nur ganz konsequent in der Fastenzeit. Natürlich ist es Klasse, wenn man eine Ernährungsumstellung so hinbekommt, wie du es vorhast.
    Ich bin da zu wankelmütig, ich schaffe das nicht.

    Also: Hut ab! Frau von Lott, und ich wünsche gutes Durchhaltevermögen!
    :-)

    Liebe Grüße
    Heike.


    • Oh, der Wankelmut ist mir auch ein ständiger Begleiter, aber es tut mir so gut und daher hoffe ich mal, dass diese Eiweißeuphorie weiter anhält…

      Liebe Grüße zurück.

  14. tonari Says:

    Mal so eine klitzekleine Zwischenfrage: Wie kommt man auf die Idee, gleich eine Endokrinologin zu befragen? Hattest Du schon einen gezielten Verdacht?

    Ich bekam vor zwei Jahren mal von einem Physiotherapeuten empfohlen, mal für einen Zeitraum von 3 Monaten auf jegliches tierisches Eiweiß zu verzichten, um ein Problem in der Schulter zu lösen. Und siehe da, es hat geholfen. Wurde mit Schmerzfreiheit belohnt.

    Ich drück die Daumen fürs weitere Durchhalten.

  15. allerleirauh Says:

    Respekt! Ich habe es auch mal versucht – schaffe es aber leider nicht ohne Kohlenhydrate – umso mehr ziehe ich meinen Hut vor Ihrer Konsequenz :-)


    • organisation is everything…

      Ich schaffe es ja auch nicht ohne, aber ich finde eins von sieben ist ein guter Schnitt und es tut mir echt gut!

  16. Erdbeere Says:

    Oh je, darauf könnte ich auch nur schwer verzichten, seufz Du arme! Ich fühle mit Dir!

    Samstagsgruß
    Erdbeere

  17. FrauvonWelt Says:

    Ich, liebe FrauvonLott, verfüge hiermit, dass ab heute jeden Tag Wochenende ist. Basta.

    Herzlich und mache mir die Welt, wie sie mir gefällt
    Ihre FrauvonWelt

    PS: Sind in Schokolade diese Kohledinger auch drin?


    • Oh nein, bloß nicht. Sonst sehe ich bald aus wie die Wildeker Herzbuben (schreiben die sich so?) in einer Person!

      Und ja in Schokolade und allen zucker- bzw. süßstoffhaltigen Lebensmittel sind die auch drin. Meine tägliche Süße gibts also durch Mangos, Papayas und Weintrauben.

  18. chinomso Says:

    Das geht durchaus. Ich habe es mal für ca. 9 Monate gemacht zusammen mit Akupunktur. Und da habe ich auch ne Menge Kilos verloren. Am Anfang denkt man, man wird zum Wiederkäuer. Aber man gewöhnt sich auch daran.

    Viel Erfolg. Wenn man das aus gesundheitlichen Gründen machen muss, dann ist das aber auch nochmal anders. Irgendwie ernster.


    • Neun Monate ist tapfer. Respekt.

      Ganz ohne Kohlenhydrate oder am Wochenende mit? Wie auch immer ich schneide mir mal eine große Portion Tapferkeit ab…

  19. frau kuni Says:

    wow das ist ja krass. Ich grüble gerade, wieso „zuckerreduziert Säfte“ jetzt Kohlenhydrate enthalten? – ??? – soll heißen, ich darf jetzt keine Diätlimo mehr trinken, wenn ich abends keine Kohlenhydrate essen will? – Aber mal neugierig nachgefragt, soll das nun „für immer“ sein? Das kann doch nicht gesund sein, der Mensch braucht doch Kohlenhydrate, oder?


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