noch ein Kurztrip in die Vergangenheit

Weil das um der alten Zeiten Willen von Dienstag auf Mittwoch so schön war, gingen wir in die zweite Runde.

Ich war ewig nicht auf dem Kiez, Winter und Kiez ist irgendwie unangenehm nicht so meins. Während sich im Sommer die Möglichkeit des Outdoorrauchens bietet, neigen frostempfingliche Nikotinanhänger im Winter zum Innenrauchen, was je nach Ladenfülle zu hochgehaltenen Kippen, Brandlöchern in Kleidung und schlechten Luftverhältnissen führt. Kratzige Schurrwollimitatjacken schuppern dann an meiner ärmellosen Schulter und der Beischlafutensilienkoffer alias Handtasche der 19-Jährigen stößt bei jedem ihrer ausladenden Hüftschwünge gegen meine Seite schlägt (okay, das Taschenproblem ist im Sommer nicht unähnlich).

Jammi und ich sind geübt und maximal bewaffnet mit unseren HVV-Tickets (für den öffentlichen Nahverkehr), zwei Geldscheinen und unseren Haustürschlüsseln. Dies alles kann man vorzüglich im Stiefelschaft, den Kniestrumpfrand oder der Jeanshosentasche verstauen – keine Handtäschchenmafia

Gestern Abend – Kiezabend!

Jammi und ich starten klassisch in der Sankt Pauli Bar, wo die Cocktails gut und die Kellnerinnen meist blond, mindestens aber langbeinig sind und einen Hauch von der Arroganz versprühen, den auch Douglas-Verkäuferinnen (warum auch immer) inne haben – Jobarroganz vielleicht. Wir werden bedient von einer Unblonden, Langbeinigen, die ein bisschen wie ein Goth in ziviler Verkleidung aussieht und nicht arrogant ist, Glück gehabt! Wir trinken einen schirmchenfreien Cocktail, meiner mit Ananasspieß, Apfelstückchen und Candyschockkirsche, ihrer White Russian mit Kakaostreu und vitaminfrei.

Anschließend landen wir im Rosch, was eigentlich Roschinskys heißt. Vor der Tür steht Eddi, den ich heimlich „meinen“ Türsteher nenne. Eddi ist zwei Meter groß und erinnert sich trotz meiner nur gelegentlichen Besuche immer an mich. Bis vor kurzem hatte er einen langen Zopf, inzwischen trägt er seine Haare kurz, irgensone Wettschuld. Es macht ihn circa 10 Jahre jünger.

Wir hopsen durchs Rosch durch, der DJ ist neu, die Musik gut. Altbewährte Mischung aus Rock, altem Rock, mittelaltem Rock, deutschem Tanzhiphop (oder wie auch immer die Untersparte heißt, in der sich Peter Fox, Jan Delay und Fettes Brot aufhalten) und Klassikern aus den 60ern und 70ern, irgendein mitsingbarer 90er-Remix ist auch dabei. Es wird drei, Jammi muss morgen arbeiten, wir gehen nach Hause…

Lümmeln uns ins ihr IKEA-Bett mit der IKEA-Bettwäsche, lästern noch eine Runde über die Mädels in den Streifenpullis, Kategorie Handtäschchenmafia und Cliquenweggänger, die heute die zwanghafte Manie hatten immer genau da zu tanzen, wo wir gerade tanzten. Mirjams Aussage dazu: „Physikalische Grundgesetz: Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein.“ Wir kichern, reden noch ein wenig über Jungs, stimmen schräg – denn singen liegt uns beiden nicht sonderlich – ein zwei passende Klagstücke an und sind uns sicher, das machen wir bald mal wieder.

Advertisements
Explore posts in the same categories: Hamburg, meine Perle

Schlagwörter: , , , , ,

You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.

4 Kommentare - “noch ein Kurztrip in die Vergangenheit”

  1. chinomso Says:

    Ach, da möchte man Mäuschen spielen oder (besser noch) selber mal wieder als Mäuschen unterwegs sein.

    Na ja, vllt. auch als Maus. Ab einem gewissen Alter (meinem zum Beispiel)ist man kein Mäuschen mehr.

    Klar ist jedenfalls, dass ihr Spaß hattet.

  2. Erdberre Says:

    Hihihihi, hört sich nach einem gelungenem Mädelsabend an!

    Männer mit langen Haaren, kann und konnte ich optisch betrachtet noch nie etwas abgewinnen ;-(

    Lieben sonntäglichen, das Wetter ging heute Gruß
    Erdbeere


  3. Wird Zeit, dass ich auch mal wieder auf den Kiez gehe. Bin viel zu selten in Hamburg.
    lg aus Kiel.


  4. @ chinomso: Ob Mau oder Mäuschen „Mäuschen gespielt“ haste doch schon zumindest virtuell und ansonsten breitet der Kiez seine konsumfreudigen Arme für jede Altersklasse aus.

    @ Erdberre: Es war ein gelungener Abend! Sehr gelungen!

    @ Jerry B. Anderson: Die am nähsten dran wohnen sind am seltensten da… Also bitte steigen Sie in den Zug und machen Sie sich mal nen bunten Kiezabend, vorher könnten Sie prima in der Schanze zum Portugiesen gehen oder ins Balutschistan, das wäre dann wie Kurzurlaub zu empfinden!
    Ach ja, willkommen hier…


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: