fern der telekommunikativen Welt

Weil ich berauscht von Adrenalinschub nach meiner Eisfahrt über den Ohlsdorfer Friedhof (ui, das hört sich ganz schön makaber an) vergesslich wurde und mit dieser Vergesslichkeit behaftet das Handy bei meiner Mutter vergaß, bin ich nun Abstinenzler der telekommunikativen Welt.

Die Vergesslichkeit ereilt mich selbstredend nicht an einem der 320 Tage im Jahr, an denen  mein Handy ein trotzloses Dasein in meiner Handtasche erleidet. Nein, ich vergesse mein Handy natürlich an einem der 36 Tage im Jahr, an denen ich glaube, ohne Handy dem Wahnsinn zu verfallen.

Das Handy ist fort, was meine Welt in ein organisatorisches Krisengebiet verwandelt.

Nicht nur, dass ich einen riesen Tisch reserviert habe, um zusammen mit den Exkollegen ein bisschen den last day zu feiern, aber ich nicht zu erreichen bin, da telefon- und kontaktlos… …Nein, ich vergesse das Handy an dem Tag, an dem meine Lächeljobkollegin mir via SMS mitteilen wollte, ob sie noch krank ist und ich somit ihre Frühschicht mit übernehmen muss. Frühschicht zu einer so unchristlichen frühen Zeit, dass mein Körper niemals im Leben freiwillig aufsteht, ich aber neben telefon- und kontakt-, damit uhr- natürlich auch weckerlos bin.

Nachdem ich also diverse Onlineportale abgeklappert habe um mitzuteilen, dass ich nicht mehr von dieser Welt bin, aber in Sachen Abendessen alles so bleibt wie es ist, der vorherige Treffpunkt ebenfalls steht, dann sogar noch eine im Internet veröffentlichte TelefonHandynummer und damit den Auserwählten – den Neu-Hauptzuständigen für die Kontakterei finde, fällt mir mein eventueller Frühdienst ein.

Eine der drei Telefonnummern, die ich auswendig kann, ist die meiner Mutter und so klingel ich bei ihr Sturm. Ein abstraktes Gefühl begleitet meine abstrakten Erklärungsversuche, die durch das Mitteilungstableau meines Handys leiten. Schon komisch, wenn die Mutter so mit dem Handy und man sich fragt, was für alte SMS-Abgründe eventuell zu finden wären, obwohl diese Art von Neugierde meiner Mutter glücklicherweise fremd ist.

Die Vormittagslächeljobkollegin hat nichts geschrieben, aber es ist auch erst kurz nach vier, massig Zeit für eine SMS, die morgendliches Frühaufstehen prophezeit.

Im Osten und einer aufrührerischen Familie groß geworden nennen wir (Mutter und ich) die Fähigkeit des antikommunikativen Nachrichtenaustausches unser Eigen und so verbleiben wir, dass meine Ma mich auf dem Festnetz anruft, aber eben nur, wenn ich früh aufstehen muss und der verpasste Anruf auf dem Telefon dient dann als Zeichen.

Nachdem ich den Kollegen beim illustren Abendessen meine tollkühnen Windmühlenkämpfe der Telefonlosigkeit erzählt hab, reicht mit der Neu-Hauptzuständige sein Telefon mit der Aussage, ich solle jetzt meine Ma anrufen und fragen, ob ich denn nun arbeiten müsse oder eben nicht.

Ich muss! Und schon stellt sich die Frage Nummer zwei: Wer ist gewillt mich morgens um 5:40 aus den Federn zu klingeln?

Die Helden der Nacht – die Exkollegen der letzten Nachtschicht des Januars – erklären sich bereit diese mehr oder minder ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen und so klingelt Punkt 5:40 Montag früh mein Telefon und verkündet, dass die rote Zora (alias ich) nun ihre zwei bis fünf Buchstaben auf dem Bett bequemen soll…

Danke, ihr tollen Exkollegen!

Advertisements
Explore posts in the same categories: das tägliche Leben und ich, Zitat "Der Pate": la familia

Schlagwörter: , , , ,

You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.

4 Kommentare - “fern der telekommunikativen Welt”

  1. zimtapfel Says:

    Aaaaaaaah! Wie schrecklich!
    Mein Handy vegetiert ja auch oft tagelang völlig unbeachtet in meiner Tasche vor sich hin, aber wenn dann mal was damit ist, ausgerechnet dann braucht man es natürlich unbedingt und ganz dringend. Ist doch immer so…


    • Wir – das Handy und ich – sind wieder vereint.

      Die Mutter hat mich aus der Kontaktsperre befreit und es mir vorbei gebracht, so dass ich nun wieder vollwertiges Mitglied der telekommunikativen Gesellschaft bin.

      Aber etwas gruselig ist es doch, so abhängig zu sein!

  2. Herr Teddy Says:

    Ja, ja, schöne neue Welt. Da denkt man durch die neue Technik wird man flexibler und unabhängiger – denkste, der Gegenteil ist der Fall. Und dann kommt noch die Angst etwas zu verpassen dazu. Oh je, wo ist nur die gute alte Zeit, wo man zum Telefonieren mit dem Fahrrad zwei Kilometer bis zur nächsten Telefonzelle fahren musste, nur um dann festzustellen das man das Kleingeld vergessen hat.


    • Guselig, gruselig…

      Aber auf der anderen Seite bin ich ganz froh, dass ich momentan (man siehe raus und sehe Wetter) mit dem Fahrrad nirgens wo hin fahren muss.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: