Opa wird 70!

Als ich noch klein war, lütt sozusagen – ganz lütt, war ich oft bei den Rentnern, die damals noch keine waren…

In dem Reed gedeckten Haus in Kleinpferdchendorf habe ich Teile meiner Kindheit verbracht, die mir wahrscheinlich nur auf Grund der Masse an Erzählungen im Gedächtnis verbleiben, aber eigentlich nicht wirklich in den Bereich „eigene Erinnerungen“ fallen. Fremderinnerungen sozusagen.

Fremderinnerungen: Das Haus in Kleinpferdchendorf hat zwei Etagen, über eine Wendeltreppe außen gelangt man auf den Balkon, der zwecks vorhandener Terrasse und massig Grünanlage drum herum kaum genutzt wird. Dieser Balkon hatte für mich als Kind eine immense Anziehungskraft, er war dunkel gestrichen und heizte sich beim kleinsten Sonnenstrahl auf, außerdem polterte er beim Begehen immer leicht blechern… Der Hauptgrund für die Anziehungskraft des Balkons aber war natürlich, dass es mir wegen der Fallhöhe verboten war ihn allein zu betreten. Grundsätzlich schlich ich also zur metallenen Wendeltreppe bis ich – spätestens bei Stufe vier bis acht – von Opas „Wirst du wohl da runter kommen…“ unter viel Gekicher die Treppe wieder herunterklettern musste.

Meine Vorliebe blieb für Metallenes und so wurde ich, wenn es in den Wald ging geschultert und durfte bei der Kiefernschonung, auf das am Baumstamm angenagelte Durchfahrt-verboten-Schild klopfen, welch eine Freude und das jedes Mal.

„Speiseplanerweiterung“ fiel in Opas und mein Arbeitsgebiet und so wurde im Frühjahr beispielsweise der selbstgezogene Spargel gestochen. Meine Aufgabe bestand darin die Köpfe zu entdecken und diese Information an den Ausgrabebeauftragten (also Opa) weiter zu geben, der dann vorsichtig im Sandboden nach den Spargelstangen grub und in so weit unten wie möglich abstach, anschließend durfte ich die Beute stolz zu Oma tragen, welche die Zubereitung übernahm.

Während sich der Spargel bei uns im weitläufigen Grün befand, sammelten wir die sommerlichen Blaubeeren, die herbstlichen Pilze und nebenher Erkenntnisse über Tiere des Waldes in eben diesem.

Der Wald und seine Tiere regten meinen Opa auch zu frühmorgendlichen Expeditionen gen Hochstand an. So hockte er sich in aller Frühe neben mein Bett und machte leise tztz, was ich stets nicht wirklich wahr nahm, drum etwas lauter tztz und wieder tztz, während man das zweite wahr nahm mit dem Willen es zu ignorieren und beim dritten langsam wachwird während das vierte tztz folgt, man dann den Opa anguckt, der nur entgegnet: „Huch, hab ich dich jetzt etwas geweckt!? Das war ja gar nicht meine Absicht, aber gut dann können wir ja auf den Hochstand gehen…

Dieser tolle Opa wird heute 70!

Und eigentlich wollten er und die ebenso tolle Oma sein Geburtstagswochenende hier verbringen um den riesigen hiesigen Familienkreis (also meine Ma und mich) in die geburtstäglichen Feierlichkeiten mit einzubeziehen, dank Daisy oder wie auch immer ihre Nachfolgerin heißt bleiben die beiden aber im wilden Osten und hoffen darauf nicht ganz eingeschneit zu werden, daher aus der Ferne:

Alles Liebe, Gute, Gesundheit, Glück, Freude und Freunde für dieses, nächstes und all die weiteren Jahre. Danke, dass du mir so ein toller Opa bist, das Enkelkind.

 

PS: Bei dem Wald handelt es sich übrigens um den Wald, in dem der perfekte Stamm abgesägt wurde. Ja, der mit dem Wurmbefall

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13 Kommentare - “Opa wird 70!”

  1. Himmelhoch Says:

    Hallo, liest der Opa das in live hier im Blog oder bekommt er einen Ausdruck davon geschickt?
    Ein tolles Kompliment für einen Opa!


  2. Oh, das ist so schön geschrieben. Ich habe ganz ähnliche Erinnerungen an meinem Opa (auch der beste der Welt). Der wird in eine paar Monaten aber schon 85. Er ist immer nochgut dabei, aber ich wünschte, er wäre auch erst 70, dann hätte ich noch viiiel länger etwas von ihm.

  3. Herr Teddy Says:

    Er heißt glaube ich Dirk. Der Nachfolger von Daisy, nicht der Opa. :-)
    Wiedermal schöne Geschichte. Weckte sofort „Fremderinnerungen“ an meine Kindheit bei den Großeltern auf dem Land und machte mich auch etwas traurig, weil diese schöne Zeit solange her ist und nicht wiederkommt. Toll, jetzt werd ich auch noch melancholisch!


    • Herr Teddy,

      nun werden Sie doch mal nicht melancholisch… Später werden sich die Kinder, also die unsrigen bzw. die ihrigen und die meinigen – falls da noch was kommt, fremderinnern an diese schöne Zeit und die Anekdoten weitertragen, die hier gerade geblogt werden.

      Und gut zu wissen, dass der Schlawiener Dirk heißt, haben die Tiefs dieses Jahr also wieder Männernamen oder wieso Dirk nach Daisy??

      Liebe Grüße…

      PS: Sie haben recht der Opa heißt nicht Dirk!

  4. Herr Teddy Says:

    Hoppla, hab mich vertan. Das Hoch hieß Dirk, ist aber schon lange wieder weg. Das aktuelle Tief heißt Jennifer, in der Nacht folgt Keziban.
    Alles weitere hier: http://www.met.fu-berlin.de/wetterpate/

  5. quadratmeter Says:

    Herzlichen Glückwunsch! :)

  6. chinomso Says:

    Oh **kicher** der Herr Teddy und Lies von Lott werden Kinder haben? Gemeinsame?? Oder wie jetzt?

    Was den Opa angeht…hach…so einen hätte ich gerne gehabt und dann auch meinen Söhnen so einen gewünscht. Aber leider kann nicht jeder so ein Opa sein.

    Aber ich, ich werde so eine Oma sein. Das habe ich mir fest vorgenommen. Und wenn ich erstmal was so richtig fest einplane, dann wird das auch was. Fehlen momentan nur noch die Enkel. Dann kann es losgehen.


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