ein nicht begangener Kurztrip mit Option auf Zerstreuung

 und die Antwort auf die Frage, wo es denn hingegangen wäre…

Wettertechnisch war es wohl die klügste Idee nicht zu fahren, aber zerstreuungstechnisch… Na ja, zerstreuungstechnisch wäre ein Kurztrip sicherlich eine feine Sache gewesen, zumal es etwas gibt, was gegen fast jede Art von Seelenschmerz hilft: Internate!

Achteinhalb Jahre – genaugenommen vom Halbjahr der sechsten bis zum Abitur, also Ende der 13.Klasse – habe ich auf einem Schloss verbracht, eigentlich zweien, denn die Mittelstufe wird separat von der Oberstufe gelehrt. Ein Schloss wie das andere inmitten vom mittelhessischem Nirgendwo umringt von Bergen, fast abgeschlossen von jeglicher Zivilisation, es sei denn man nennt das 1200 Seelendorf drei km entfernt Zivilisation.

Internatsleben zusammenzufassen ist fast nicht möglich. Es ist vielleicht wie achteinhalb Jahre durchgehend auf Klassenfahrt gewesen zu sein (plus Klausuren) oder in einem Dorf mit 120 Gleichaltrigen zu leben. Immer passiert etwas, das Leben ist spannend, voll von Gerüchten, Streit und Zerwürfnissen – wie eine Daily Soap. Aber mehr noch als das ist es Freundschaft, Erfahrung, Aufregung, Gemeinschaft, voll von Geschichte und Geschichten – vielleicht der ganz normale Wahnsinn des Erwachsenwerdens in komprimierter Form.

Dieses, letztes Wochenende wäre ich – wenn sich nicht Daisy etwas anderes für mich überlegt hätte – gen Mittelhessen, gen Internat gefahren. Zur Zweitfamilie, denn im Internat zumindest in meinem gibt es Schülergruppen, die sich inklusive Lehrkörper manchmal sogar zweien (als Ansprechpartner und Erziehungsalternativorgan), zu einer so genannten Heimfamilie zusammen schließen und Teile ihres Alltags miteinander verbringen, in einem Bereich wohnen (Bereich nicht Zimmer), im großen Speisesaal an einem Tisch miteinander sitzen und jeden Donnerstag einen Familienabend miteinander verbringen. Die Mutter der Zweitfamilie, die Möllefrau, hatte letztes Jahr zur dieswöchigen familiären Großzusammenführung geladen, es wurde des Wetters wegen zwar nur eine Kleinzusammenführung, aber ich wäre trotzdem gerne dabei gewesen.

Familienabende, Internatsabende, Wiedersehensabende, Zerstreuungsabende… …und die Tatsache, dass die besten Geschichten mit „damals im Internat“ beginnen.

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11 Kommentare - “ein nicht begangener Kurztrip mit Option auf Zerstreuung”

  1. peelia Says:

    Ich denke da immer an Hanni und Nanni.


  2. Das war der Beginn meiner Internatseuphorie!

  3. chinomso Says:

    Ach, das klingt aber so, als wenn du da wirklich was verpasst hast. Aber die Strapazen wegen Daisy wären sicher enorm gewesen. Also besser so. Es gibt ja sicher wieder mal die Gelegenheit.

  4. frau kuni Says:

    oh wow – ich wusste nicht, dass Internat tatsächlich so ist wie Hanni und Nanni… ehrlich wahr? hört sich toll an !


    • Liebe Frau Kuni, mit dem Folgebeitrag schenke ich Ihnen einen kleinen Einblick in die Internatswelt… Viel Freude damit und ich hoffe, es gefällt!

  5. blaueSuppe Says:

    Uiii, als kleine Suppe wollte ich un.be.dingt ins Internat. Wie Hanni und Nanni eben. Als meine Eltern mir als Teenie Puppe wegen Schwererziehbarkeit damit drohten, wollte ich doch nicht mehr.

    Hoffentlich bleibt es nicht nur bei Teil 1. Und ich kann mir gut vorstellen, wie solche Wochenenden sind. Das muss toll sein.

  6. turkishmom Says:

    Ich musste auch sofort an Hanni und Nanni denken. Ich habe sie damals verschlungen und wollte unbedingt ins Internat, war aber leider finanziell damals nicht moeglich.

    Und gestern sah ich eine Schuelerin bei uns mit dem Buch St. Grace – Hanni und Nanni auf englisch. Wurde ich doch wieder melancholisch.

    Ob Sohnemann sich mit der Idee Internat anfreunden koennte?


  7. @ blaueSuppe:
    Ich denke nicht, dass es bei einer Internatsgeschichte bleiben wird, auch wenn es mir schwer fällt die richtigen Worte zu finden und sie erzählt wahrscheinlich viel lustiger sind… Aber ich hoffe auf eure Vorstellungskraft!

    @turkishmom:
    Wie alt ist denn der Sohnemann und wie aufgeschlossen? Es gibt so genannte Probewochen, in denen man sich eine Woche das Internatlebens angucken kann und sich das Internatsleben einen anguckt, da bekommt man dann schnell mit, ob das passt…

  8. turkishmom Says:

    Sohnemann ist 10 und sehr sehr aufgeschlossen, eben aufgrund der Tatsache, dass wir im Ausland leben. 46 unterschiedliche Nationalitaeten an der Schule, die er besucht.

    Aber ganz ehrlich, ich wuerde es nicht ueber’s Herz bringen, ihn in ein Internat zu senden. Ich brauch‘ ihn noch ein wenig um mich herum :)

    Sollte er aber in einigen Jahren, von selbst auf diese Idee kommen (weil eben seine Freunde auch gehen) ist das sicher eine Option, die ich im sicher nicht verwaehren wuerde.

    Doch derzeit, ist es so ein wenig ein von mir nicht verwirklichter Traum, den man ein wenig auf seine Kinder projeziert.


    • Das hört sich an als hätte er die besten Eigenschaften um ein glorreiches Internatskind zu werden…

      Ich kann gut verstehen, dass es Müttern schwer fällt ihre Kinder ins internat zu geben, ob diese da nun freiwillig hin wollen oder die Umstände es erfordern. Da fällt mir ein, dass ich gar nicht weiß, wie meine Ma das damals fand…


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