familiäres Weihnachtsessen oder was ist los mit den Traditionen

Chinomso fragte und ich nehme ihr erstes Schreibstöckchen als mein erstes Antwortstöckchen und jetzt gehts los…

Was gibt es bei euch an Weihnachten zu essen?

Normalerweise gibt es bei uns Heiligabend Raclette, weil das Kind sich das wünscht. Das Kind bin ich, das nur anbei. Mit dieser Tradition wurde dieses Jahr aber gebrochen, meine Mutter riss das Fest an sich (was eine adrett-garstige Formulierung) und bestimmte „kein Raclette“, die Rentner stimmten zu und so waren wir mit Raclettelosigkeit gestraft, wurden aber mit einem Überraschungs Drei-Gang-Menü in Form von Feldsalat mit Himbeer-Balsamico-Essig sowie geratenem Ziegenkäse im Speckmantel, anschließend Aprikosen-Hänhchenpfanne mit buntem Wildreis und abschließend Waldbeeren mit Sahne und Baiser entlohnt. Des Weiteren ungewohnt meine Mutter und ich zusammen in der Küche beim Vorbereiten, Abschmecken und Servieren.

Am 1.Weihnachtstag gibt es üblicherweise Brunch und das dann außer Haus… Aber im Sinne der Traditionsbrechung und des Weihnachtsessenansichreißens, habe ich dieses Essen annektiert und zum Mittagessen um eins geladen. Dank dem eifrigen Yvönnschen, das sich noch in der heiligen Nacht der undankbaren Aufgabe des Rosenkohlentblätterns widmete – dabei wurde übrigens eine neue Geschwindigkeitsmessung erfunden rkh alias Rosenköhler (ihre favourisierte Pluralform von Rosenkohl) pro Stunde, Yvönnsche schaffte es circa auf 35rkh, aber das nur anbei – konnte am nächsten Tag gut vorbereitet und pünktlich mit diesem orientalisch angehauchten Weihnachtsessen aufgetrumpft werden: Apfel-Karotten-Suppe mit Curry und Kokosnussschaum, als Zwischengericht thailändischer Rosenkohlsalat mit Nüssen an (oh, „an“ klingt in Menüfolgen immer herrlich abgedroschen) karamelisiertem Ziegenkäse, Entenbrust mit Pflaumenthymiansoße samt Granatapfelcouscous sowie indisch angemachtem Spinat und Mangochutney als Hauptattraktion, abschließend auf der Speisekarte leicht übersüßtes Stollenparfait (Süße des Stollens definitiv unterschätzt) mit Orangensalat und ein Lebkuchensoufflet wahlweise mit Eierlikör…

Der 2. Weihnachtstag verstreicht in unserer Kleinfamilie immer recht ereignislos und so befassten Yvönnsche und ich uns mit der Restevernichtung, sowie unserer Kiezkonsumshoppingtour!

Gibt es bei euch Traditionen, die von Generation zu Generation weiter gegeben werden?

Tradition ist wohl ein bisschen Familie und Heimat, das wir überall hin mitnehmen und so gibt es auch bei uns – vielleicht nicht so viele (sehr kleine Familie, daher nur kleine Traditionen) aber doch – einige Traditionen und von der des Geschenkeauswickelns will ich berichten: 

Es hat ja inzwischen an Normalität verloren, aber bei uns ist das Geschenke verschenken noch ganz groß in Mode. Was daran liegen mag, dass wir alle gerne Verschenken, uns auch meist was einfällt und ein paar Wünsche auch immer vorhanden sind. Alle Geschenke, vom Strumpfpaar über getrocknete Apfelringe werden schön verpackt mit verschiedenem Geschenkpapier und farblich passendem Schleifenband – zumeist meist personenbezogen, soll heißen ein jeder Beschenkte hat beispielsweise eine Schleifenfarbe oder ein spezielles Papier, so dass man beim Auswickeln alles gut unterscheiden kann und keiner was Falsches entpackt. So personenbezogen wie die Verpackung schichtet meine Mutter kleine Geschenkehäufchen. 

Wenns dann ans Auspacken geht beginnt Opa, nicht ohne dass meine Oma vorher erwähnt „Eigentlich fangen ja immer die Kleinsten an…“, gemeint ist das Kind – also ich, welche das geflissendlich ignoriert und seit Jahren auf eigenen Wunsch immer die letzte Entpackerin ist. Geschenkpapier wird gewöhnlich nicht zerrissen und Geschenkbänder zur Seite gelegt (ja, wird sind eine Geschenkbandaufbügelfamilie) und landen ebenso wie schicke Geschenkanhänger in einer extra bereitgestellten Tüte mit Weihnachtsmotiv. Neben dem Sofa steht eine Kiste für unbrauchbares Papier, da meine Ma umherfliegende Papierreste kirre machen würden und das können wir Weihnachten gar nicht gebrauchen. Des Weiteren gibt es seit zwei-drei Jahren betreffend der Geschenke einen adoptierten Neubrauch der Familie Bärchenstreich (Frau Bärchenstreich gloreiches Verbalgenie und eine Studienfreundin von mir, mit der ich so manche Nacht durchzeichnet (nein, da steht nicht durchzecht!!) habe): Jedes Geschenk wird begutachtet, vorsichtig geschüttelt und dann folgt unabhängig von Größe, Form und Gewicht der Ausspruch „…ich glaub es ist ne CD… bestimmt ne Langspielplatte!“, was allgemein zu viel Heiterkeit führt.

Zwischendrin fällt Oma dann noch ein, dass eigentlich keiner Geschenke kriegen sollte, denn keiner hat gesungen und stimmt meist die erste Strophe von „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ an, nicht ohne nach maximal drei Zeilen glücklicherweise wieder aufzuhören. Wir haben viele Talente, musikalische gehören leider nicht dazu!

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8 Kommentare - “familiäres Weihnachtsessen oder was ist los mit den Traditionen”


  1. Kleine Rituale finde ich schön. Wir würfeln immer mit einem Pacisi-Spile um unsere Geschenke. Jeder der einen Pasch hat darf eins unter der Decke hervorziehen und auch, wennman auf ein bestimmtes Feld auf dem Spielplan kommt. So geht das Ganze Auspacken langsamer vonstatten. Und jeder muss auch warten, bis derjenige, der sein Geschenk bekommen hat selbiges entpackt und gewürdigt hat.

  2. chinomso Says:

    Das klingt nach einer lustigen Weihnachtsfeiergemeinschaft, sprich nach einer humorvollen Familie. Und das ist die „halbe Miete“.

    Und das Essen…sehr exotisch, sehr exclusiv, nix mit Ente-Gans-Rotkohl-Klöße. Find ich spannend, aber bei uns nicht machbar. Gerade die Söhne bestehen auf das traditionelle Futter. Ich habe am 1. Feiertag eine Suppe aus nem Hokaidokürbis gemacht. Die würde gelobt, aber es war auch klar….was der Bauer nicht kennt das (fr)ißt er nicht.


  3. @ deswahnsinnsfettebeute:

    Das mit dem Würfeln finde ich auch eine tolle Idee, da bei meiner Mutter allerdings brettspielfreie Zone ist (bin quasi brettspielfrei aufgewachsen) haben wir – glaube ich – gar keinen Würfel.
    Langsames Auspacken ist eh am schönsten und spannensten, unsere Weihnachtsasylantin hat dabei quasi die Chance beim Schopfe gepackt und nahezu jeden Auspackprozess fotografiert…

    @ chinomso:

    Ja, das Esen war ziemlich ausgefallen… Aber Ente war ja auch dabei! Ich finde die Klassiker auch immer sehr lecker, allerdings koche ich sie nicht so gerne und die gabs ja am 6.12. schon in Kleinpferdchendorf von Oma zubereitet.
    Kürbis hab ich auch noch da und den gibts dann wohl morgen oder heute Abend als Suppe… Hatte überlegt zu der Ente Kürbisrisotto zu machen, mich aber zwecks des vortäglichen Reisgerichtes dagegen entschieden.

  4. Himmelhoch Says:

    Hallo Lies von Lott, schön, hier auch mal über das normale Leben zu lesen. Als es bei mir noch Weihnachten als Fest gab, hatten wir auch eine immer geübte Tradition. Es wurde eine alte Dame aus der Gemeinde eingeladen, damit die nicht so allein ist. Alle Geschenke wurden „unbenamst“ eingepackt und unterm Baum gestapelt. Der Jüngste (jetzt 38) und die Zweitjüngste (40) holten für alle ein Geschenk, jeder packte aus und musste dann schätzen, für wen es gedacht war. War mal eine Sache doppelt, da für beide Kinder gedacht, und das erste wurde z. B. der Tochter zugedacht, wurden die Augen beim Sohn fast feucht, da er befürchtete, dass er es nun nicht bekommt. Um so größer war das Glück, wenn es dann auch bei ihm landete.
    Weihnachten durften die Kinder so lange wachbleiben, wie sie wollten, auch, als sie noch ganz klein waren. Wir gingen so gegen Mitternacht ins Bett und am nächsten Tag entdeckten wie die Kinder, oft auf dem Teppich eingeschlafen.
    Als die Tochter 2 war, bekam sie ein Puppengeschirr. Bevor sie es einweihte, faltete sie der Katze die Pfoten und murmelte ein unverständliches Tischgebet. Damals waren wir noch gläubig – vielleicht war auch deswegen Weihnachten schöner.
    Doch jetzt müsste ich mal wieder was anderes machen als Kommentare zu schreiben – vielleicht in meinem Blog was eintragen?
    Lieben Gruß von Martha Himmelhoch

  5. Herr Teddy Says:

    Ich weiß ich bin etwas spät dran, aber vielleicht interessiert es Sie ja doch noch was es traditionell bei Herr Teddy zu schmausen gibt: http://teddy97.wordpress.com/2009/12/09/mein-traditionelles-weihnachtsessen/ (mit lecker Fotos).


  6. Guten Tag Frau Himmelhoch,

    eine alte Dame aus der Gemeinde einzuladen finde ich eine großartige Idee, wir haben ja fast traditionel auch immer den ein oder anderen „Weihnachtsasylanten“…

    Zum Geschenke auspacken hat ja fast jede Familie ihre eigene Tradition, in manchen Familien wird auch gewürfelt und auspacken darf nur, wer eine sechs gewürfelt hat. Das finde ich auch schön, aber sicher nicht so lustig wie vertauschte Geschenkbeschriftungen.

    und nun Herr Teddy:

    Ich wusste gar nicht, dass Sie sich auch hier tummeln, freue mich aber sehr. Und auch späte Kommentare sind immer herzlich willkommen.

    Wahrscheinlich hat und die Würtchentradition als Heiligabendessen noch nicht erreicht, weil wir zum Einen eine geradezu winzige Familie sind und somit nicht so viel Stress haben und zum Anderen weil wir ja den zweiten Weihnachtsfeiertag meist ganz ausfallen lassen und somit die ganze weihnachtliche Fresserei sich auf Heiligabend und den ersten verlagert…

    Kann man denn polnische Knackwurst auch unter anderen als weihnachtlichen Voraussetzungen zu sich nehmen?

  7. Herr Teddy Says:

    Ja ab und zu schaue ich hier mal vorbei und heute habe ich mich doch etwas festgelesen und sogleich Ihren Blog in meiner Rolle aufgenommen damit ich Sie nicht gleich wieder verliere.
    Zur außerweihnachtlichen Knackwurst: Ich denke da würde der Gott der knackigen Pelle ein Auge zudrücken. ;-)


  8. Ja, es scheint so… Insbesondere da der Weihnachtsessenbeitrag ja doch schon einige Zeit zurück liegt. Ich freu mich sehr (natürlich auch das mit der Blogrolle)!

    Über die Knackwurstinfo bin ich dankbar, so stünde dem außerweihnachtlichen Brühknackwurstessen also nichts im Wege.


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