Hubert und ich – Leben in friedlicher Co-Existenz?

Anfang der Woche und immer noch baumlos, was in Anbetracht der Tatsache, dass ich lauter feschen Weihnachtsschmuck gekauft habe, eine wirklich unschöne Nebenwirkung meines durch Zusatzdienste verwurschtelten Alltags war.

Aber dann – die Rettung. Wie so oft in letzter Zeit in Form meiner Mutter, die sich anbot mich einkaufstechnisch zu unterstützen, mir den Supermarktgang für die frischen Sachen (da am 1.Weihnachtstag großes Familienessen (wir sind immerhin vier) bei mir angedacht ist) abnahm und sogleich einen Baum mitbrachte.

Gestern also, Nutzung des freien Vormittags zur Baumaufstellung.

Der Baum liegt auf dem verschneiten Balkon, misst circa 120cm und passt nicht in den von Oma beim Wochenendtrip erhaltenden Weihnachtsbaumständer. Also raus mit der Säge aus dem gut sortierten, von Opa ausgestatteten Werkzeugkoffer um dann hockend im Laubengang eine gute halbe Stunde an dem Stamm rumzusägen. Außerdem noch die Rinde mit der Gartenschere abgezwickt, was die fehlenden Millimeter brachte und dann: Der Baum steht, nach vier weiteren Ruckelaktionen und der Feststellung, dass als Single mal eben im Alleingang den Baum ausstellen scheiße ist – der Baum steht und auch noch andachtsweise gerade. Vom Erfolgserlebnis euphorisiert platziere ich die ersten Kugeln, bis mir unten links ein Ast auffällt, der das buschige Baumbild stört… Erneut greife ich zur Gartenschere um mit Gärtnerlist den Ast zu entfernen, nach diesem Geniestreich gehe ich zur Abfallentsorgung in die Küche, erledige noch schnell das Eierlikörumfüllen und vernehme im Wohnzimmer ein unangenehm raschelndes Schütt-Hütt-Geräusch.

Nach dem Ausschlussverfahren bleibt genau eine gedankliche Variante für besagtes Geräusch: Baum fällt!

Auf den Schreck ein Teelichtglas voll Eierlikör und dann zurück ins Wohnzimmer, wo sich der Verdacht bestätigt und der Baum ausgestreckt zwischen Esstisch, Fernseher und Beistelltisch danieder liegt umringt von einzelnen Nadeln, die den Umfallfreiflug nutzten um sich im Wohnzimmer zu verteilen.

Nun trifft meine Sturheit betreffend eines stehenden Baumes auf das physikalische Leid der Erdanziehungskraft. Trotzig richte ich den Baum wieder auf, schraube ihn wieder in den Ständer von Oma um festzustellen, dass ich mit der Astkastration die Statik aus dem Gleichgewicht gebracht habe. Mit dem Ständer ist kein Halt hervorzurufen, der Uralt-Mutti-Tipp einen Eimer voll Kartoffeln zu nehmen und ihn da reinzustellen schlägt wegen der Abwesenheit von Kartoffeln und einem größeren Eimer fehl, ich klettere auf den Balkon und zerstöre die schöne Schneedecke mit Gummistiefelschuheindrücken, hole einen Blumentopf und die Dekosteine aus dem Windlicht im Flur. Unterm Baum liegend, nessel ich an eben diesem und versuche ihn irgendwie in den Blumentopf zu bekommen. „Baumaufstellen als Single ist scheiße.“, denke ich noch mal, während mich ein Ast ins Auge piekt und die Tannennadeln auf mich nieder regnen. Nach drei differenzierten Steinanordnungen im Blumentopf, einem Fastschreikrampf und einer Namensgebung (der Baum heißt jetzt nämlich Hubert, denn Sachen in dem Fall Bäume mit Namen lassen sich einfach besser beschimpfen) – der Baum steht, die Zweite!

Mein erster Blick fällt nun bei jedem Nachhausekommen skeptisch auf Hubert, der aber steht, als hätte es Probleme in Sachen Standhaftigkeit nie gegeben. Und es beweist sich, Sachen mit Namen lassen sich nicht nur besser beschimpfen, sondern „hören“ auch besser.

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7 Kommentare - “Hubert und ich – Leben in friedlicher Co-Existenz?”


  1. Ich hoffe der Baum steht noch, der Weihnachtsstress ist vorbei und du kannst besinnliche Tage verbringen.
    Ich wünsche dir ein frohes Weihnachtsfest.

    Liebe Grüße
    Bbdüm


    • Vielen Dank,
      der Baum steht noch bzw. wieder… Yvönnsche und ich haben ihn festgezurrt, nachdem er ein zweistes Mal abgestürzt ist.

      Ich wünsche dir auch ein schönes Weihnachtsfest.
      Liebe Grüße aus dem hohen Norden, Lies von Lott.

  2. blaueSuppe Says:

    Friedliche Co-Existenzen haben viel unterschätztes Potenzial, finde ich!

    Dir ein ganz tolles Weihnachtsfest im Kreise Deine Lieben – mit Hubert fest im Ständer.

    • Lani Says:

      Du hast es immerhin geschafft.
      Ich hoffe du hattest einen schönen Weihnachtsabend ;)

      Grüße aus Bergerac


    • @ blaue Suppe:

      Hubert hat gewechselt… Er steht nun im Blumentopf mit Steinen beschwert und die Schnurr um seine „Tailje“ hält ihn annähernd gerade. Auch dir ein schönes, entspanntes Fest.

      @ Lani:

      Na Indianerkind!? Lass Frankreich stehen, treib deine Familie nicht in den Wahn und feier schön… Liebe Grüße, Elli.

    • blaueSuppe Says:

      Elli – im Sinne von „Alles scheiße, Deine Elli“?


    • Ja, ganz manchmal auch im Sinne von „Alles scheiße, deine Elli…“, aber momentan nicht.

      Ist nur mein Kinderspitzname!


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