Gisela, Hannelore, die Küchenaktion und der geklaute Weihnachtsbaum

In grenzenlosem Übereifer und Mitleid meinem Chef gegenüber hatte ich angeboten aus meiner einfachen Ich-schaffe-es-pünktlich-zu-Weihnachten-alles-fertig-zu-haben-Dienstwoche eine Um-Himmels-Willen-wir-verschieben-Weihnachten-auf-den-14.-Januar-Woche zu machen. Drum musste am Wochenende vor Weihnachten alles erledigt werden: Vom Weihnachtsbaumkauf über Backen und Likörbrennen bis zum schlichten Schmücken und Verpacken – alles dabei.  

Um das vorweihnachtliche Aktionismusvolumen durch zwei zu teilen, kommt Yvönnsche den langen Weg aus München und spielt die „helping hand“ und Gesellschafterin und das auch noch ganz frohen Mutes.

Samstag schlossen wir uns bei dem großen Run auf das Konsumgut den Hamburgern an und absolvierten im geübten Geschäftsdauerlauf den Organisationsmarathon um uns kurz vor drei beim Baumarkt unseres Vertrauens auf die Weihnachtbaumsuche zu begeben. Der Plan sah aus wie folgt beschrieben:

  1. Baum kaufen
  2. dann Baum nach Hause transportieren
  3. schließlich Baum in den Laubengang vor meiner Haustür buxieren
  4. anschließend Wohnung schnellstmöglich wieder verlassen
  5. dann ab zum Konsum (alias Supermarkt)
  6. dort Lebensmittel einkaufen
  7. zurück nach Hause
  8. zum Lebensmittelwegpacken
  9. dann Baum aufstellen

 

Der Baumarkt unseres Vertrauens hatte auch noch Bäume… Es gab mannshohe Bäume, Bäume mit einem Durchmesser von circa zwei Metern, Bäume ohne Nadeln, Bäume mit Nadeln dafür ohne Spitze, angebräunte Bäume und verkrüppelte Bäume. Zusammengefasst: Es gab keine Bäume.

Grenzenlos traurig und mit dem schwindenden Zeitfenster hadernd, fuhren wir nach Hause. Meine Weihnachtslaune im Weihnachtskeller.

Für weiteres Trauern blieb zwecks besagten Zeitfensters keine Zeit und so brachten wir die anderen Baumarktkäufe mittels U- und S-Bahn nach Hause um dann ein letztes Mal in die Innenstadt einzufallen uns unter anderem den 700Millionen Terroristen Touristen zu stellen und endlich ein paar weitere Häkchen auf der Weihnachtsliste zu machen. Auf dem Heimweg durchgefroren und von Müdigkeit erschlagen – Zwischenstopp beim Konsum (in dem Fall Supermarkt). Unzählige Lebensmittel später, beladen wie drei Kamelkarawanen und mit einer Heiterkeit von 10 besoffenen Russen (und das trotz Glühweinverzicht), schlidderten wir gen Laubengang, wo Yvönnsche trocken feststellte: „Du, die haben den Weihnachtbaum geklaut!

Mit immer noch abstinentem Baum und nach erschütterndem Weckergeklingel, nach gefühlten drei Stunden Schlaf finden wir uns ungefrühstückt in der Küche ein und rühren Sonntagmorgen um zehn Sahne, Kakao, Puderzucker und massig Korn zu einem Spekulatiuslikörchen an. „Likörchen?“, frag ich immer noch vorm Frühstück und fühl mich wie eine 53-Jährige mit illustren Hobbies (z.B. Teppichklöppeln), Schrebergarten und dem Hang zum süffigen Süß. „Aber gerne doch, Hannelore…“, bekomme ich grinsend zur Antwort. Überreiche zwecks Abwesenheit von Schnapsgläsern ein Teelichtglas mit hellbraunem, keksduftverströhmenden Inhalt „…und nun Stößchen Gisela!“.

Wir alias Hannelore, Gisela und das Likörchen sitzen auf dem Küchenfußboden vorm Ofen und beobachten die Parmesankekse kichernd beim Braunwerden.

Ach Gisela, ach Hannelore, ach Likörchen – ach Freundinnen!

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5 Kommentare - “Gisela, Hannelore, die Küchenaktion und der geklaute Weihnachtsbaum”


  1. Das hört sich doch richtiggehend nach Weihnachtsvorfreude an. :-)
    Hach, ich mir euch beiden richtig vorstellen, wie ihr dasitzt und Likörchen süffelt :-)

  2. pampashase Says:

    :mrgreen: Frohes Fest!

  3. blaueSuppe Says:

    DA wäre ich gerne dabei gewesen. Das klingt sehr heiter.

    In diesem Sinne: Stößchen!


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