Kino-Heulsuse

Nach dem Spätdienst kommt die Wiederholung von „5o erste Dates„…

Eine Komödie, also bin ich auf der sicheren Seite. Nach 53 Minuten die Feststellung: Komödie als Wort wird ja auch inflationär gebraucht und so wimmer ich von besagter Filmminute 53 an mit Drew Barrymore und Adam Sandler. Fürchterlich (schön), sie mit dem Gedächtnisverlust, die Tagebuch schreibt um sich an ihn erinnern zu können und dann beschließt, damit er nicht leiden muss, sich zu trennen und natürlich leidet er. Als er dann die Kassette bekommt von ihrem Vater und ihm während der Beachboys (auf hoher See) einfällt, dass sie sich ja doch erinnern kann – irgendwie zumindest. Und er dann zu ihr fährt in das Sanatorium und sie nicht weiß, wer er ist aber doch jede Nacht von ihm träumt… Komödie, so sagt zumindest Wikipedia ist ein Drama mit erheiterndem Handlungsablauf, das in der Regel glücklich endet. Und zumindest das glückliche Ende war dabei, aber der erheiternde Handlungsablauf war eher ein Schmunzeln unter Tränen.

 

Das war schon immer so, ich bin zu mitfühlend (auch bei erfundenen Szenarien). Meine Oma war genau aus diesem Grund nur ein einziges Mal im Kino. „Arielle“ hieß der altbekannte Kinoklassiker und war mit 83 Minuten und uneingeschränkter Altersfreigabe scheinbar die perfekte Auswahl für die Einführung der Sechsjährigen in die kunterbunte Kinowelt. Wohlbemerkt scheinbar, denn ich bin mir sicher schon nach wenigen Minuten bereute meine Oma den Entschluss. Vom Festkrallen im Sessel, Popcorn vor Schreck in die Menge werfen, über grelles Aufschreien ala „nein-Arielle-tus-nicht“ bis hin zum simplen Weinen war jede gefühlstechnisch mögliche Reaktion auch dabei. Die Nachwirkungen dieser Erstkinoerfahrung hielt eine Woche an, in der ich – von Alpträumen geplagt – meiner Mutter schlaflose Nächte bescherte.

Meine Oma geht wohl nie wieder mit mir ins Kino.

 

Bis heute hat sich mein mitfühlendes Kinodasein kaum geändert und so dünnt die Menge der Kinomitgänger auch im Bekanntenkreis aus, denn es hat sich rumgesprochen, dass ich nicht übertreibe (ausnahmsweise mal nicht), sondern wirklich den ganzen Kinosaal mitreiße in den Strudel der Emotionen…

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8 Kommentare - “Kino-Heulsuse”

  1. pampashase Says:

    Auweia…ich glaub, ich würde schon aus Selbstschutz kein Kino mehr betreten.

    Das einzige was mir in dieser Hinsicht mal passiert ist, war bei „Helden in Strumpfhosen“, da war ich die einzige die lauthals lachen mußte!

    Und Arielle ist wirklich gruselig…die Meerhexe oder sowas…diese blaue Kranke. Da wollten meine Töchter auch nicht mehr schauen. :-)

  2. bea Says:

    Wenn ich dann mal wieder nch Hamburg komme (da wohnst du doch?) maile ich dich vorher an………. 8und wir beide gehen ins Kino und glaube mir ich heule wirklich sobald die Musik tragend wird :-) Mein Mann ist dann immer fassungslos über so viel Gefühl -immerhin gelte ich als taffe, mit beiden Beinen im Leben stehende, coole Person – .

    Die billige Kinovariante ist deshalb bei mir auch ein Bahnhof..irgendeiner, egal wo……. ich stehe da und warte auf einen Zug………. auf dem gegenüberliegenden Bahngleis fährt ein Zug ein …….. eine Person stürzt strahlend aus dem Zug hinaus und auf eine andere Person zu……. sie freuen sich beide so sehr sich zu sehen! Ich kenne die Personen nicht aber, was mache ich? Ich heule!!

    lg die bea :)

  3. zimtapfel Says:

    Hihi, ich glaube, ich möchte mal mit dir ins Kino, das klingt alles sehr unterhaltsam. (Muss ja nicht irgendwo sein, wo man mich kennt.)
    :D


  4. Also Bea, ich gehe gerne mit dir ins Kino, wenn du mal nach Hamburg kommst… Und dann hab ich endlich eine Mitleidende und die anderen Kinobesucher sind uns dann schnuppe. Die Zimtäpfelin nehmen wir dann auch noch mit, damit sie was zu lachen hat…

  5. bea Says:

    Gut, genauo machen wir es :)

  6. bea Says:

    Was mir noch einfällt………Ich habe Popstars Du & Ich gesehen….. (meine Kundinnen fragen mich immer danach)………….. und sogar da geheult…… ist doch wirkich erschreckend, oder???

    lg die bea, die immer noch den Kopf über sich selber schüttelt *seufz*


  7. Nun, das scheint eine noch ganz andere Stufe von „sich-hinsteigern“ zu sein. Die Liesvonlottsche ;) Und zeugt wahrscheinlich von großer Empathie, behaupte ich jetzt mal. Gratuliere :)


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