Leih-Clique

Cliquengröße in direkter Abhängigkeit zur Wohnungsgröße?

Diese These wurde aufgestellt, nachdem ich 2007 auf einer kleinen, geselligen Geburtstagsfeier im hügeligen Mittelhessen war. Die kleine, gesellige, in einem Privathaushalt (!) stattfindende Geburtstagsfeierrunde bestand aus 40 bis 80 Personen. In Hamburg ist eine Feier mit 40 bis 80 Personen schon fast eine private Großveranstaltung und im Mittelalter hätte dies wohl gereicht um als Minivölkerstamm anerkannt zu werden. These: Im Wohnraum-Kosten-Vergleich sieht man, dass der Wohnraum in Hamburg erheblich teurer ist als der in Mittelhessen. Die Hamburger Einzelperson verfügt somit über weniger Wohnfläche, auf dem eine Clique bei einer Privatparty unterzubringen wäre, somit besteht eventuelle eine Abhängigkeit zwischen Wohnraumvolumen und Cliquenvolumen?!

Ich hab das eher nicht so mit Cliquen, ich kenne immer hier jemanden und da jemanden – alles durchaus fröhlich-heitere, seltsame, fabel- und zauberhafte Menschenkinder, aber zu einer Clique hat es noch nicht gereicht.

Diesen Zustand muss ich jedoch nicht bedauern, denn ich bin stolzer Besitzer einer „Leihclique“. Meine Leihclique ist die eigentliche Clique zweier guter Freundinnen – einer wunderbaren Ex-Modedesignerin mit jetzigem Hang zu Kittelschürze und Kochlöffel, sowie einer blonden Optikerin samt Sparfuchsgen. Die zauberhafte Leihclique ist über neuen oder immer-mal-wieder Zuwachs stets dankbar und man wird wohlig im Schoß der Gemeinschaft aufgenommen. Die Clique pokert, die Clique kocht oder lässt kochen (siehe Ex-Modedesignerin), die Clique geht ins Kino, die Clique schmeißt ne Party und die Clique tanzt. Letzteres vor allem: Die Clique tanzt.

Ja, die Leihclique ist eine Tanzclique.

Der Tänzer – an sich – ist ein unscheues Lebewesen und erscheint gerne auf den Ruf diskofoxartiger Tanzmusik. Als Rudeltier fühlt sich der Tänzer in der Gruppe am wohlsten und noch wohler mit samt Gruppe in der Nähe einer Tanzfläche. Regelmäßige Treffen in Tanzschulen, bei Tanzveranstaltungen oder auch zum Tanzen manifestiert die Gruppe zu einem mal mehr oder weniger festen Freundschaftsgebilde – der Hobby-Clique.

Ich teile dieses Hobby nur begrenzt, was unter anderem daran liegen könnte, dass man zu Mando Diao so schlecht DiskoFox tanzen kann und auch die Beatsteaks eignen sich eher zum schwungvollen Haareverstubbeln als zum wiegenden Walzerschritt. Der Hauptgrund aber warum ich dieses Hobby wohl nicht teile ist das Anfassen. Tänzer fassen sich immer an, was das Tanzen natürlich einschließt, aber andere Lebensbereiche nicht ausschließt.

Als Hin-und-wieder-Leihzugabe der Tanzclique staune ich bei meinen Stippvisiten über Schosssitzende, Kitzelattaken, Freunde mit Schmuseoption, Rückenstreichler – schlicht das Anfassen. Fazsination, dass das alles in einer Freundschaftsclique (mit Paaren und Singles – das nur als Randnotiz) so gut funktioniert, und das wissende Gefühl „Fass mich an und ich piek dich mit der Kuchengabel bis das Blut spritzt es weh tut“ halten sich die Waage.

Ich glaub, ich bin halt eher nicht so der Anfassmensch.

Und vielleicht ja auch daher nicht so der Cliquenmensch!? Aber das ist nicht so schlimm, denn das Fassungsvermögen meiner Wohnung und das Volumen eines Minivölkerstamms würde in Kombination eher in einem menschlichen Spaghettisalat gipfeln als in einer Steh- oder gar Tanzparty. Die Leihclique trifft sich übrigens meist draußen (beziehungsweise außerhalb von Wohnungen)…

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7 Kommentare - “Leih-Clique”

  1. Maria Says:

    Sehr schön! Bis auf eine Sache sitzen wir wohl an der gleichen Schubladenkante, und ich kenne keine Tanzclique.

  2. pampashase Says:

    Ich bin auch kein Anfassmensch…jedenfalls normalerweise nicht…aber bei meinen Kindern, wenn sie klein sind, kann ich es nicht lassen…da ist es das genaue Gegenteil. Das läßt nach je älter sie werden, ist jedenfalls bei meinem großen Sohn so. Mal sehen wie es bei den Mädchen wird…

    Ich hab auch keine eigene Clique und steig ab und an bei größeren Treffen meiner Freundin ein, also quasi auch eine Leih-Cliquen Nutzerin…leider keine Tanz-Leih-Clique :-)

    Also vielleicht doch eher „kein Anfassmensch=kein Cliquenmensch“


  3. Ich bin mal gespannt, was bzw. ob ich von der Leihclique auch ein Feedback bekomme.

    Erstaunlich finde ich, dass es bei fast jedem Thema, jemanden gibt, der es ähnlich empfindet. Man ist eben doch nicht so allein bzw. einzigartig (artig, ja schon mal gerade gar nicht) wie man denkt…

    • pampashase Says:

      Die Einzigartigkeit bleibt einem schon erhalten (find ich :-)), in bezug auf den ganzen Menschen. Aber da man sein Selbst hier so schön in blögge teilen kann, findet man wenigsten für Teile seiner Persönlichkeit, ab und an jemanden der einen versteht bzw. Gleichgesinnte. Und es ist wirklich mal ganz angenehm sich nicht ganz so allein zu fühlen, so ganz anders als die Anderen 8-)


  4. Da hast du sicher recht.

    Ich hab vorhin auf deiner Seite gesehen, dass du mich verlinkt hast und war/bin hocherfreut. Danke dir sehr…

  5. Patrick Says:

    na dann komt mall mein kurzer Kommentar:

    Du hast recht. Tänzer sind schon ein komisches Völkchen und sie sind sehr sonderbar und oberflächlich …. die meisten „freundschaftlichen“ Beziehungen zumindest. Und dennoch ist es sehr angenehm Zeit mit Ihnen zu verbringen. Denn sie lenken dich ab und du kannst den einen oder anderen Abend einfach mal nur abschalten und geniessen und musst nicht an deine „Probleme“ denken …..


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